Prävention "Lauf um Dein Leben – Vom Junkie zum Ironman" in Lingen

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Vom Junkie zum Ironman - Andreas Niedrig hat sich freigelaufen. Foto: Christiane AdamVom Junkie zum Ironman - Andreas Niedrig hat sich freigelaufen. Foto: Christiane Adam

Lingen. In der Emslandarena in Lingen erzählt Andreas Niedrig Schülern, wie er vom Junkie zum Ironman wurde.

„Lauf um Dein Leben – Vom Junkie zum Ironman“, lautet der Titel eines Films aus dem Jahr 2008. Der Film erzählt die Lebensgeschichte von Andreas Niedrig. Der Schauspieler Max Riemelt übernimmt hier die Rolle des heute erfolgreichen Triathleten. Niedrig tourt mit diesem Film durch Deutschland, um „euch den Glauben an euch selbst zu verkaufen“, sagte er vor Schülern, die aus dem gesamten Emsland nach Lingen gekommen waren, um den Film und den anschließenden Vortrag zum Thema Selbstbewusstsein und Motivation zu hören.

Präventionsveranstaltung

Mittelstufenschüler von Esterwegen bis nach Emsbüren saßen am Dienstagvormittag in der Emslandarena und hatten im Anschluss an den Film Gelegenheit, dem heutigen Motivationscoach Fragen zu stellen. „Heute geht es nicht um Deutsch oder Mathe, sondern um Geschichte“, begrüßte Frank Wesendrup vom Fachdienst Jugendarbeit bei der Stadt Lingen die Schüler. Die Stadt hatte gemeinsam mit dem Landkreis Emsland, der Polizei, der Techniker Krankenkasse u.a. zu der vormittagsfüllenden Veranstaltung eingeladen.

Ganz unten: Drogenkarriere

Bevor es Gelegenheit gab, Niedrig persönlich kennenzulernen, lief der gut 100-minütige Spielfilm, der eindringlich die Drogenkarriere des Protagonisten aufzeigt. Der jugendliche Andreas wächst im Ruhrgebiet der 1980er Jahre auf. Der Sohn eines Polizisten lehnt seinen Vater als zu autoritär und spießig ab und gibt seine vielversprechende Karriere als exzellenter Rückenschwimmer auf. Mit seinen drei besten Freunden hängt er ab und konsumiert zunächst noch „harmlos“ Haschisch. Ihren Drogenkonsum finanzieren sich die vier durch Diebstähle. Andreas lernt seine spätere Frau Sabine kennen, die nichts mit dem Drogenmilieu zu tun hat, was ihm im Leben immer wieder Halt geben wird. Durch frühe Schwangerschaft und Hochzeit scheint es zunächst, als wenn Andreas den Ausstieg aus der Clique schafft, doch das Gegenteil tritt ein: Er kehrt nach der Geburt seiner Tochter zu seinen Freunden zurück, die sich inzwischen Heroin spritzen. Lange Zeit schafft Andreas es, sich einzureden, dass er kein Junkie ist. Der Drogenkonsum hat fatale Folgen: Die Freundin seines besten Freundes stirbt an einer Überdosis; ein Cliquenmitglied wird aufs Übelste von Dealern misshandelt; ein anderer Freund setzt sich den goldenen Schuss. Andreas selbst wird von seiner Frau vor die Tür gesetzt und landet ganz unten: Ohne Wohnung, ohne Perspektive haben ihn die Drogen völlig im Griff. „Heroin ist Liebe auf den ersten Blick“, sagt der Hauptdarsteller im Film. Von der Staatsanwaltschaft vor die Wahl gestellt, für vier Jahre wegen Beschaffungskriminalität ins Gefängnis zu gehen, entscheidet sich Andreas für einen Entzug. Die Psychiatrie jedoch ist nicht der richtige Weg für ihn. Vielmehr kehrt er zu seinem damaligen Schwimmtrainer (Uwe Ochsenknecht) zurück, der ihn für die härteste Sportart der Welt fit macht: Andreas Niedrig feiert als Quereinsteiger beim Ironman große Erfolge. Szenenapplaus gab es an der Stelle, in der der Hauptdarsteller seine aufgezogene Heroinspritze in die Toilettenschüssel warf.

"Macht euch besonders, hebt euch ab"


Nach dem Film betrat der echte Niedrig die Bühne der Emslandarena. „Meine Motivation, hier bei euch zu sein, ist, dass ich mich gefreut hätte, wenn mich früher jemand in den Hintern getreten hätte“, erklärt der heute 51-Jährige. Wohl habe er immer schon viele Talente besessen, jedoch habe er nicht gewusst, was er damit anfangen sollte. „Alles, was ich je erreicht habe, ging über meinen Willen“, bekräftigte der Familienvater. Es gehe auch darum, immer wieder Hemmschwellen zu überwinden, beispielsweise, wenn man sich irgendwo vorstellen wolle. „Macht euch irgendwie besonders, seht zu, dass sich eure Bewerbung von denen der anderen abhebt“, motivierte er seine Zuhörer.

Wertschätzung und Respekt

Nach seinem Vortrag ließ der Mann aus dem Ruhrgebiet Fragen zu - eine Gelegenheit, die viele Schüler nutzten. So wollte ein Schüler von der Meppener Kardinal-von-Galen-Schule wissen, ob sich Niedrig bewusst gewesen sei, dass er sich mit seinem Drogenkonsum etwas Schlechtes antat. Eine Schülerin der Liudger Realschule in Emsbüren fragte, warum er einen Film über sein Leben habe drehen lassen. Niedrig beantwortete alle Fragen ausführlich und geduldig. Durch den verfrühten Aufbruch einzelner Schulklassen und die relativ schlechte Tonqualität in den hinteren Rängen herrschte im letzten Drittel der Veranstaltung Unruhe. Eine Tatsache, der eine Schülerin der Fachschule St. Franziskus mit den Worten: „Bitte zollt diesem Mann Wertschätzung und Respekt“ begegnete.


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