Exquisite Italien-Klassiker Götz Alsmann mit aktuellem Rom-Programm in Lingen

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  Lingen. Er war in Paris, er war in New York, er war in Rom, und nun, nach zwanzig Jahren, war Götz Alsmann mit seiner formidablen Band endlich auch wieder in Lingen. Gut 700 Fans im ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe dankten es dem Multiinstrumentalisten unter den Conférenciers mit stehenden Salven der Begeisterung.

„In Rom“ ist der dritte Teil von Alsmanns Reisetrilogie nach den Alben „In Paris“ (2011) und „Am Broadway“ (2014). Diesmal geht es um italienisches Liedgut der 50er- und 60er-Jahre. Der Nachbar aus Münster gab sich als Entertainer durch und durch, vom eleganten Zwirn in gestreiftem Lila bis zu den lässigen Wortkapriolen seiner intelligenten, zuweilen gewollt seifigen Moderation, vor allem aber in seiner swingenden Klavierakrobatik, die den Honorarprofessor als Vollblutmusiker zeigt. Kleine Ausflüge mit der, jawohl, achtsaitigen Mandoline oder der kleineren Ukulele garnierte Alsmann mit Liebeserklärungen an die exotischen Zupfinstrumente, aber vor allem am Flügel war er in seinem Element.  

Begeisterte Zustimmung

Ennio Morricones Musikstudio in Rom, direkt unter der Kirche Sacro Cuore di Maria („unten sündige Lieder, oben heilige Messe“), hier hat die Götz-Alsmann-Band 2017 italienische Lieder neu eingespielt. Das Ergebnis fand auch im Emsland begeisterte Zustimmung, war doch das Dolce Vita in jeder Zeile zu spüren. „Azzurro“, das einst Vico Torriani und Peter Rubin auf Deutsch sangen, „Quando Quando Quando“,auf Deutsch ein Hit für Caterina Valente, oder „Arrivederci Roma“, von Gerhard Wendland interpretiert, viele im Saal entdeckten alte Bekannte unter Alsmanns Canzonen.

 

Derb und schmachtend

Eine schöne Nummer war auch Marino Marinis „La piu bella“, schließlich sei, so Alsmann, der italienische Mann geboren, um Komplimente zu machen. Wie das geht, habe er bei seinem Lieblingswirt Mario gelernt, „obwohl der aussah wie irgendwas, was die Katze hereingetragen hat“. Ja, „Götze“ war zuweilen derb und im nächsten Moment („Ciao ciao bambina“) wieder schmachtend und voller Seufzer. Herrlich!  

Musikalisch exquisite Umsetzung

Dann war da noch „Marina“ von Rocco Granata, der Gassenhauer von 1959: manche kennen es, andere glauben es zu kennen. Das Lied ist etwas schlicht, und so arrangierte es der Mann mit der Tolle wild und groovig. Die Band spielte sich brillant die Soli zu und erntete reichlich Zwischenapplaus, nicht nur, als Percussionist Markus Paßlick zum Schluss seine Geschütze aufbot, eins lustiger als das andere. Auch Schlagzeuger Rudi Marholt, Bassist Ingo Senst und Altfrid M. Sicking (Vibraphon, Klarinette und Trompete) setzten die manchmal ausgelutschten Klassiker musikalisch exquisit um und tauchten sie mit Understatement und originellen Ideen in „Azzuro“-blaues Licht der Italien-Sehnsucht.   Mit dem Evergreen „Volare“ – laut Alsmann handelt es sich dabei um eine charmante Drogenfantasie – und „Il nostro concerto“ gingen nach zweienhalb Stunden die Lichter wieder an. Arrivederci Roma!


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