Philosophische Komödie "Zurück auf Anfang" im Lingener LWH

Von Von Johannes Franke

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Alexandre (links) mag gar nicht vernehmen, was Cassandre und sein jugendliches Ich Sacha vorhaben. Szene aus "Zurück auf Anfang" vom Wolfgang-Borchert-Theater aus Münster. Foto: Johannes Franke
Foto: Johannes FrankeAlexandre (links) mag gar nicht vernehmen, was Cassandre und sein jugendliches Ich Sacha vorhaben. Szene aus "Zurück auf Anfang" vom Wolfgang-Borchert-Theater aus Münster. Foto: Johannes Franke Foto: Johannes Franke

Lingen. Das sechsköpfige Ensemble des Wolfgang-Borchert-Theaters aus Münster hat im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) in Lingen die philosophische Komödie „Zurück auf Anfang“ von Éric Emmanuel Schmitt vor etwa 40 Besuchern aufgeführt.

Im Schauspiel stellt sich die Frage, ob man seine Vergangenheit ändern würde, wenn man es könnte. In der knapp zweistündigen Aufführung wird der berühmte 65-jährige Arzt Alexandre Suchet aufgrund einer kurzen Ohnmacht in seine Jugend als 25-Jähriger zurückversetzt. Er erlebt einen für ihn, und andere mit ihm im Dialog stehende Protagonisten, wichtigen Tag seiner Jugend, begegnet seinem jüngeren Ich. Schlägt er einen Forscher-Karriereweg ein oder entscheidet er sich für eine der ihn prägenden Freundinnen mit sehr unterschiedlichen Interessen?

Boulevardeske Komik

Intendant Meinhard Zanger inszenierte die lebhafte Komödie „als gehobenes Konversationsstück mit Sinn für die boulevardeske Komik und den existenziellen Hintersinn“, heißt es in der Erstaufführung. Auch beim Publikum im LWH kam der Handlungsverlauf um ein ernstes Thema gut an, enthielt es doch einen ebenso geistreichen wie pointenreichen Text. „In meinem Alter tut man nicht mehr das was man will, sondern was man kann“, meint die vielgeliebte Mamie Lou (Monika Hess-Zanger) im Dialog mit Senior-Alexandre (Jürgen Lorenzen). Zwischen den Älteren entwickelt sich ein eher liebevoller und weiser Dialog. 

Generationskonflikt

Ein Generationenkonflikt entsteht allerdings zwischen Alexandre und seiner eigenen Jugend in Person (Florian Bender), deren Ideale und Unerfahrenheit er ausfechten muss. Zu welchen Entscheidungen soll er seinem jungen Gegenüber raten? Welche überschaubaren oder eher nicht überschaubaren Schritte soll er treffen und gehen? Der ältere Alexandre wirkte in seiner Rolle charmant und präsent, Sacha (Florian Becker) verkörperte glaubhaft den Jüngeren und reizte nicht nur mit bloßem Körpereinsatz für einen unterhaltsamen Abend. Die Frauen Betty (Rosana Cleve), Cassandre (Ivana Langmajer) und Moira (Hanna Sieh) zelebrierten ihre Gags mit großer Spielfreude und garnierten ihre spritzigen Texte mit amüsanten Slapstick-Einlagen.

Reise in die Vergangenheit

Die lustigen Szenen dieser Reise in die Vergangenheit mögen oberflächlich betrachtet eigentümlich anmuten. Doch verbergen sich hinter dieser Mischung aus Komödie und philosophischer Betrachtung durchaus ernste Themen. „Wüsste man die Zukunft, wäre die Zeit zwecklos“, sagt Alexandre als nachdenkenswerte Aussage. Die Zuschauer erlebten „eine fantastische, surreale Komödie, die sich um eine der großen Fragen des Lebens dreht: Was wäre, wenn…?“. Somit passe das Stück nach Aussage von LWH-Leiter Michael Reitemeyer zum Halbjahresthema: „Ich (Un)verbesserlich.“ 


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