Crowdfunding-Projekt in Lingen geplant Entspannen am Kanal: Das steckt hinter dem Projekt "Hafenbar"

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Michael und Bettina Schaper wollen am Dortmund-Ems-Kanal eine Hafenbar eröffnen. Foto: Julia MauschMichael und Bettina Schaper wollen am Dortmund-Ems-Kanal eine Hafenbar eröffnen. Foto: Julia Mausch

Lingen. Michael und Bettina Schaper wollen am Dortmund-Ems-Kanal eine Hafenbar eröffnen. Via Crowdfunding soll das Projekt realisiert werden. Grundstückseigentümer ist das Wasser- und Schiffahrtsamt, das einen Pachtvertrag mit der Stadt hat. Es gibt auch weitere Bewerber für die Fläche.

Es war ein lauer Sommerabend in diesem Jahr, als Michael und Bettina Schaper auf die Idee zu diesem Projekt kamen. Die Lingener wohnen am Dortmund-Ems-Kanal, gehen häufiger entlang der Meckerbrücke spazieren. Vereinzelt sind dort entlang des Radweges Sitzbänke zu finden, doch diese sind rar. "Wir haben immer wieder Menschen gesehen, die es sich mit Decken auf den Rasenflächen bequem gemacht haben", erinnert sich Bettina Schaper. Die Lingenerin spricht von der Grünfläche zwischen der Lingener Rudergesellschaft und dem dortigen Spielplatz. (Weiterlesen: Warum die Meckerbrücke in Lingen ihren Namen trägt)

Kühle Getränke und Loungemusik

Getränke und Speisen hatten sich die Bürger selbst mitgebracht. "Warum nicht auf der Grünfläche eine Bar eröffnen? ", dachte sich Bettina Schaper. Mit ihrem Mann, mit dem sie die Firma Schaper Wohnkonzept betreibt, entwarf sie ein Konzept. Umgebaute Seecontainer, die als Sanitäranlagen, Bar und Küche dienen, gepaart mit Liegestühlen, Tischen und Sitzbänken. Sie stellten sich vor, wie die Besucher an Sommerabenden dort sitzen, Snacks und Cocktails mit Blick auf das Wasser genießen und im Hintergrund Loungemusik erklingt. 


Nahe der Meckerbrücke, auf einer Grünfläche am Dortmund-Ems-Kanal, soll die Bar entstehen. Foto: Matthias Becker

Michael Schaper entwarf eine Skizze und veröffentlichte die ersten Pläne in den Sozialen Netzwerken – auf Facebook und Twitter. "Die Resonanz war überwältigend", sagt er. Die User kommentierten den Beitrag, machten selbst Vorschläge, was sie sich für die Bar wünschten. Zur Freude der Schapers – darauf hatten sie spekuliert. "Wir wollen die Lingener mit an Bord nehmen, gemeinsam die Bar gestalten, damit sie jedem gefällt", sagt Michael Schaper. Nicht nur bei der Gestaltung der Bar und der Grünfläche soll es so sein, auch bei der Finanzierung der Hafenbar.

Lingener können spenden

"Wir werden einen Grundstock legen", sagt der Geschäftsmann. "Aber nicht alles bezahlen." Stichwort: Crowdfunding – eine Art Gruppenfinanzierung im Internet. Michael Schaper geht von einem "geringen bis mittleren fünfstelligen Betrag" aus, der zur Realisierung des Projekts benötigt wird. Finanziert durch eine Vielzahl von Kapitalgebern, wie es bei Crowdfunding üblich ist. 


"Wir wollen die Lingener mit an Bord nehmen, gemeinsam die Bar gestalten, damit sie jedem gefällt", sagt Michael Schaper. Screenshot: Facebook/NOZ


Auf der Internetplattform können User entweder direkt einen beliebigen Betrag überweisen, Inventar wie Stühle finanzieren oder beispielsweise Geld anlegen. Für Letzteres haben sich die Schapers beispielsweise Cocktail-Gutscheine überlegt. "User investieren 50 Euro und erhalten einen Getränkegutschein über 100 Euro, der eingelöst werden kann, wenn die Hafenbar eröffnet ist", sagt Bettina Schaper. Sie wüssten, dass sie mit der Bar, die lediglich in den Sommermonaten am Kanal aufgebaut werden soll, keinen großen Gewinn machen. "Sie wird sich höchstens selbst tragen", sagt Michael Schaper. Die Motivation sei es auch nicht, den Geldbeutel zu füllen: "Wir sind Lingener, wir wollen die Stadt nur ein wenig hübscher machen."

Weiterer Interessent für die Fläche

Wenn es nach dem Ehepaar geht, soll bereits im kommenden Jahr die Hafenbar eröffnet werden. Doch es gibt ein Problem: Das Grundstück am Kanal gehört nicht ihnen, sondern dem Wasser- und Schiffahrtsamt, das einen Pachtvertrag mit der Stadt Lingen abgeschlossen hat. Generell steht die Stadt Projekten dieser Art offen gegenüber, sagt Stadtbaurat Lothar Schreinemacher. Er habe bereits vor einigen Wochen die Lingener eingeladen, ihr Projekt vorzustellen, doch bis heute sei es zu keinem Treffen gekommen. "Wir wollen schließlich wissen, was da passiert." An das Grundstück am Kanal grenzt ein Kinderspielplatz an, eine Schule befindet sich in der Nähe, ebenso Seniorenwohnungen. Da müssten Einzelheiten wie Öffnungszeiten, Sanitäranlagen oder die Müllbeseitigung besprochen werden. Zudem gibt es laut Stadtbaurat einen weiteren Interessenten für die Fläche, der eine Skulptur im Rahmen eines kirchlichen Projektes dort platzieren möchte. "Im Fall der Fälle müssen sich die Ratsgremien mit dem Thema befassen und entscheiden, welches Projekt wichtiger für Lingen ist", meint Schreinemacher.


Crowdfunding

Crowdfunding, auf deutsch auch Schwarmfinanzierung oder Gruppenfinanzierung, ist eine Art der Finanzierung. Mit dieser Methode der Geldbeschaffung lassen sich Projekte, Produkte, die Umsetzung von Geschäftsideen und vieles andere mit Eigenkapital oder dem Eigenkapital ähnlichen Mitteln, in Deutschland zumeist in Form Darlehen oder stillen Beteiligungen, versorgen. Die Kapitalgeber sind eine Vielzahl von Personen – in der Regel Internetnutzer, da zum Crowdfunding meist im World Wide Web aufgerufen wird.

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