Stehende Ovationen Hochmusikalisches Spiel in der Lingener Kreuzkirche

Von Daniel Lösker

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dloe Lingen. Der gefeierte Panflötist Matthias Schlubeck versuchte, in der gut gefüllten Lingener Kreuzkirche gemeinsam mit dem Organisten Peter Müller sein Instrument in die Klassik einzuführen.

Eines vorweg. Die beiden Protagonisten sind absolute Meister ihres Fachs, beherrschen sowohl die virtuose als auch die romantische Sprache der Musik glänzend und bieten hörenswerte Interpretationen unterschiedlichster Zeiten und Genres.

Der Versuch allerdings, die Panflöte zum Klassikinstrument zu machen, muss zwangsläufig, wenn nicht als gescheitert, dann zumindest als unvollständig betrachtet werden. So überzeugend Schlubeck auch die schnellen Koloraturen beispielsweise in Georg Philipp Telemanns „Sonate F-Dur“ bewältigt, so eindrucksvoll er seine große Musikalität bei Johann Sebastian Bachs „Adagio“ aus dem Osteroratorium „singen“ lässt, so wenig verleiht der typische Panflöten-Sound dem Gehörten die nötige Ernsthaftigkeit.

Brillant gespielt

Sicher, Schlubeck glänzt mit großem Atem, interpretiert mühelos auch die schwierigsten Passagen, doch eines kann er nicht verhindern: Außer in der Piccolo-Lage, wo die Panflöte tatsächlich der Blockflöte Konkurrenz macht, klingt sein Instrument irgendwie doch immer nach gediegener Unterhaltung. Schön anzuhören, weil brillant gespielt, ist es dennoch, was Schlubeck und Müller da in den Raum zaubern. Edward Elgars „Nachtlied“ oder Alexandre Guilmants „Cantilène pastorale“ verzücken die zahlreich erschienenen Zuhörer. Das traditionelle rumänische Stück „Cîocirlia“ (Die Lerche) begeistert mit ausgefallener Rhythmik und einer kräftigen Prise Humor.

Ausgezeichnete Orgelsoli

Müller legt zwischendurch zwei ausgezeichnet gespielte Orgelsoli ein. Ist Michael Schütz‘ „Three Pieces for Organ“ doch ein wenig simpel in seiner Pop-Melodik, so überzeugt die „Sonatine Nr. 5“ von Andreas Wilscher mit Tangorhythmen. Die einer Drehorgel ähnliche Harmonik deutet Müller genussvoll augenzwinkernd.

Bravourstücke

Man nehme ein, zwei ins Ohr gehende Melodien, verpacke diese scheinbar seriös, indem man etwas, was an Johann Sebastian Bach erinnert, einfügt und schütte dann eine große Menge Weichspüler hinzu. Fertig ist ein Werk von John Rutter. Der „Haus- und Hofkomponist“ der englischen Royals erfreut sich – offenbar gerade deshalb – großer Beliebtheit. Sicher ist, dass seine „Suite Antique“ vorzüglich geeignet scheint, für die Besetzung Panflöte und Orgel. Alle Klangfacetten des aus Rumänien stammenden Blasinstruments kann Schlubeck in den sechs Sätzen zeigen. Wiederum vom gut aufgelegten Müller an der Orgel begleitet, geraten „Waltz“ oder „Rondeau“ zu absoluten Bravourstücken.

Am Ende des Konzertes gibt es stehende Ovationen für zwei großartige Musiker, denen vielleicht nicht gelungen ist, die Panflöte vollends in die Klassik zu holen, die aber mit ihrer immensen Meisterschaft gezeigt haben, welch universelle, den Geist und die Seele ansprechende Funktion Musik besitzt.


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