Plattdeutsche Songs und heimische Weggen Konzert mit Strauhspier in der Alten Molkerei Freren

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„Strauhspier“ hat am Sonntag in Freren mit plattdeutscher Musik einen Beitrag zum Festival „PlattSatt“ geleistet. Foto: Christiane Adam„Strauhspier“ hat am Sonntag in Freren mit plattdeutscher Musik einen Beitrag zum Festival „PlattSatt“ geleistet. Foto: Christiane Adam

Freren. Im Rahmen des niederdeutschen Festivals „PlattSatt“ ist in der Alten Molkerei Freren die dreiköpfige Bluesband „Strauhspier“ (hochdeutsch: Strohhalm) aus Rheine aufgetreten, die ihre Lieder auf Plattdeutsch vorträgt.

Normalerweise ist es die Aufgabe von Barbara Bründermann, der ersten Vorsitzenden Kulturkreises Impulse, die Künstler zu begrüßen und vorzustellen. Dies hat sie am Sonntag allerdings Carsten Ahrend überlassen, da der Thuiner bereits beim plattdeutschen Theater mitgespielt hat, und zwar als Moderator. Bründermann selber könne kein Platt, und so übernahm Ahrend die Anmoderation. Und das sehr flüssig und wortwitzig. „Wi freit us, dat wi in Fräan ok mit dazuhört“ nahm Ahrend Bezug auf das Festival „PlattSatt“. Ahrend bot sogar Gesangseinlagen dar, und zwar verkackeierte er das Lied „Atemlos durch die Nacht“, indem er eine plattdeutsche Version zum Besten gab, mit der „Fiskers Leni“ (Helene Fischer) doch auch Erfolg in den Charts haben könnte. 

Ruhige Nummern

Nikolaus Evers, Leadsänger und Gitarrist von Strauhspier, war hocherfreut über die Art der Ankündigung und wagte die Behauptung, dass „wir soeben die Geburtsstunde von Carstens Stand-up-Comedy erlebt haben“. Sodann begann Strauhspier ihr musikalisches Programm mit einer ruhigen Nummer und erzeugte Wohlfühlatmosphäre mit Textzeilen wie „allet wäärt gut“. Bestückt mit zwei Gitarren, einem „Trecksack“ (Ziehharmonika), einer Westerngitarre, einer Rassel und einer Mundharmonika bekamen die drei ut Reene (aus Rheine) unterschiedlichste Stücke hin, zum Teil Adaptionen bekannter Popsongs. „Dann seggs du, ik wör ein Dreimer… und use Welt wät wunnerschön“ ist nichts anderes als eine Textzeile aus „Imagine“ von John Lennon – „einem der Friedfertigen aus der plattdeutschen Familie gewidmet. Englisch kommt ja schließlich aus dem Plattdeutschen“, meinte Evers.

"Platt hält fit im Kopf"

„Der plattdeutsche Mensch an und für sich nimmt ja oft in Anspruch, das einzig richtige Platt zu sprechen. Aber das ist doch eigentlich egal: Hauptsache, es wird überhaupt noch Platt gesprochen“, findet der Leadsänger, der erzählte, dass Strauhspier nach Konzerten häufig angesprochen werde, dieses oder jenes heiße doch eigentlich ganz anders auf Platt. Der Meinung von Evers würde sich sicherlich auch Hermann Bröring anschließen. Der Präsident der Emsländischen Landschaft hatte sich unter die Gäste gemischt und verfolgte das Konzert mit Vergnügen. Gegenüber unserer Redaktion freute sich Bröring über das gesamte Festivalprogramm. „Früher war Plattdeutsch eher verpönt. Heute gilt es als Mehrsprachlichkeit. Das hält auch fit im Kopf“, meinte er augenzwinkernd.

Weggen mit Schinken oder Käse

Auch Konzertbesucherin Claudia Ritz gefiel der Abend sehr gut. „Man kann schön mitgehen mit der Musik. Das Ambiente ist klasse, und die Band ist authentisch. Da meine Mutter aus Süddeutschland kommt, spreche ich leider kein Platt, aber ich verstehe es mittlerweile gut und höre es auch gern. Ich würde mich freuen, wenn unsere Tochter es zumindest auch versteht oder vielleicht sogar einmal spricht“.

Der Kulturkreis Impulse rund um Barbara Bründermann (rechts) hat die Gäste mit Weggen und Spiegeleiern bewirtet. Foto: Christiane Adam


In der Konzertpause gab es ein standesgemäßes Essen, das das Team des Kulturkreises Impulse vorbereitet hatte: Weggen mit wahlweise Schinken oder Käse, darauf ein Spiegelei. Das Angebot ist gern angenommen worden, auch von der Band Strauhspier, die nach der Pause behaupteten, sie kämen gern einmal wieder, „vor allem zum Spiegeleieressen“. Da die drei ut Reene letztlich ja auch Emsländer sind – nicht selten war „de Eämse“ (die Ems) Gegenstand ihrer Lieder – werden sie wohl sicherlich nicht zum letzten Mal in Freren engagiert worden sein.

Gesang mit dem Publikum

Nachdem „Herrn Pastor sien Kauh“ zwar nicht in sämtlichen Strophen, dafür aber unter Beteiligung des gesamten Publikums gesungen worden war, verabschiedete Carsten Ahrend die Band. „Ik glöv, dat was ne gute Veranstaltung int Rahmen von „PlattSatt“. Ik könnt mi vörstellen, dat wi us nochmal weerseit“ (Ich glaube, das war eine gute Veranstaltung im Rahmen von „PlattSatt“. Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns nochmal wiedersehen“). Der plietsche (kluge) „Aushilfsmoderator“ nahm dabei die Gelegenheit wahr, für das plattdeutsche Theater in Thuine Werbung zu machen.

Weitere Veranstaltungen bis Sonntag sind auf der Homepage der Emsländischen Landschaft beschrieben: http://www.emslaendische-landschaft.de/plattdeutsch/plattsatt-das-niederdeutsche-festival .


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