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29.10.2018, 18:00 Uhr KOMMENTAR

Misshandlungen in Emsbüren: Kultur des Hinsehens notwendig

Kommentar von Thomas Pertz

Die Betroffenheit in Emsbüren über die mutmaßlichen Misshandlungen, die ein Junge durch seine Mutter erleiden musste, ist groß. Symbolfoto: Gerten/dpaDie Betroffenheit in Emsbüren über die mutmaßlichen Misshandlungen, die ein Junge durch seine Mutter erleiden musste, ist groß. Symbolfoto: Gerten/dpa

Emsbüren. Das Martyrium des Jungen aus Emsbüren ist beendet. Das ist das Wichtigste.

Das Zweitwichtigste fehlt noch. Neben der Bestrafung der Mutter, die den Nachweis dieser Bezeichnung auf grausame Weise schuldig blieb, eine Erklärung dafür, warum dieses Martyrium über Jahre hinweg andauerte. Und dies, obwohl es unübersehbare Hinweise für die Qualen des Jungen gegeben hat.

Vorschnelle Schuldzuweisungen sind aber fehl am Platz. Die Ermittlungsbehörden und das Gericht sind nun am Zuge, um zu klären, wie es um die Verantwortung der unmittelbar Beteiligten steht, insbesondere des Jugendamtes beim Landkreis Emsland.

Gleichwohl stimmt nachdenklich, dass das Opfer die physische und psychische Gewalt nicht in der Anonymität deutscher Großstädte ertragen musste, sondern in einem heimeligen Örtchen wie Emsbüren. Wo jeder jeden kennt. Wo man stolz ist auf doch eigentlich funktionierende Nachbarschaften.

Wie kann die Wiederholung eines solchen Falles vermieden werden? Eine Kultur des Hinsehens – das gilt für Bürger wie Behörden gleichermaßen – wäre ein Anfang.


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