Projekt aus Südafrika Berührende Theatermomente in Lingen

Von Meike Blunk

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Mit der emotional ergreifenden Szenen- Collage „Broken“ und ihrem kraftvollem Gesang berührte die Jugendtheatergruppe M.U.K.A. aus Johannesburg im Kulturforum St. Michael die Zuschauer. Foto: Meike BlunkMit der emotional ergreifenden Szenen- Collage „Broken“ und ihrem kraftvollem Gesang berührte die Jugendtheatergruppe M.U.K.A. aus Johannesburg im Kulturforum St. Michael die Zuschauer. Foto: Meike Blunk

Lingen. Ein authentisch spielfreudiges Ensemble aus Johannesburg gastierte jetzt auf Einladung der Hilfsorganisation „Project Help"Lingen und des TPZ im Kulturforum St. Michael und schuf mit ihrer kraftvollen Inszenierung „Bro-ken“ berührende Momente, die unter die Haut gingen.

Der Projektbegleiter der Kinder-Kultur-Karawane, Wolfgang Schramm, begrüßte die Zu-schauer, indem er kurz skizzierte, was es mit der seit 1999 bestehenden Initiative und dem Projekt M.U.K.A („Most United Knowledgeable Artists“) auf sich hat. Die mehrfach ausgezeichnete Kinder-Kultur-Karawane (unter anderem UNESCO-Weltaktionsprogramm, Ökumenischer Förderpreis von Brot für die Welt) ermöglicht jedes Jahr verschiedenen Jugendkulturgruppen aus Afrika, Lateinamerika und Asien für längere Zeit in Europa zu gastieren.

Lebenserfahrungen

Johannesburg gilt als zweitgefährlichste Stadt der Welt. Viele Kinder und Jugendliche leben auf der Straße und die Kriminalität, Gewalt und der Drogenhandel sind in Schulen allgegenwärtig. Dieser Probleme nimmt sich M.U.K.A. seit 1995 an, indem Lehrer und Theaterpädagogen mit Kindern und Jugendlichen in die musisch-theatrale Arbeit gehen und Stücke inszenieren, die ihre Situationen und Lebenserfahrungen widerspiegeln.

Ohne aufwändige Requisiten

Die leere große Bühne des Kulturforums wurde ohne aufwendige Requisiten oder Kostüme von den sechs Jugendlichen auf unglaublich präsente wie kraftvolle Weise zum Leben erweckt, die ihresgleichen sucht. Sie erzählten in einzelnen ineinander übergehenden Spielsequenzen von der Polizistin Babsie, die ihre Kinder Bruce und Zodwa nach der Ermordung ihres Mannes, der ebenfalls Polizist war, allein durchbringen muss. Ihr Mann hatte vor seiner Ermordung dafür gesorgt, dass der Drogenkönig Fa eine zehnjährige Gefängnisstrafe antreten musste. Diese ist nun vorüber und Fa will sich rächen.

Hoffnung

Da der Vater nicht mehr lebt, macht er sich an Bruce und Zodwa heran, setzt sie unter Druck und steckt einen Beutel der Droge Nayope in Bruces Rucksack. Nayope ist eine leicht zu bekommende und schnell süchtig machende Droge, die auch unter Jugendlichen und Kindern grassiert und für Hass, Heuchelei und Gewalt untereinander sorgen. Babsie entdeckt den Beutel und kann es kaum glauben. In der Hoffnung, dass es etwas anderes sein könnte, probiert sie öfter davon und stirbt wenig später an den Folgen wie aber vor allem am gebrochenen Herzen.

Enorme Präsenz

Durch ihre enorme Präsenz gelang es den Spielern, mit einfachen stilistischen Mitteln, ihre Realität darzustellen, aber auch ihren Mut und ihre Lebenskraft. Dies zeigte sich vor allem in ihren raumfüllenden Gesängen und dynamisch akzentuierten Choreografien. Nach herzlichem Applaus vom Publikum eröffnete Schramm eine Gesprächsrunde, in der die Spieler noch einmal deutlich machten, wie wichtig die kulturelle Arbeit für sie, als Prävention von Gewalt, Kriminalität und Drogenkonsum ist.

Workshop 

Am Samstag gab es für alle Interessierten die Gelegenheit, an einem dreistündigen Workshop teilzunehmen, den die afrikanischen Jugendlichen selber durchführten.


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