Zahlenverhältnis 25:6 Im Lingener Rathaus sind mehr Chefs als Chefinnen

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Lingens Gleichstellungsbeauftragte Angelika Roelofs und Oberbürgermeister Dieter Krone. Das Bild entstand im Februar bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen des Gleichstellungsbüros. Foto: Elisabeth TonderaLingens Gleichstellungsbeauftragte Angelika Roelofs und Oberbürgermeister Dieter Krone. Das Bild entstand im Februar bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen des Gleichstellungsbüros. Foto: Elisabeth Tondera

Lingen. Lingens Gleichstellungsbeauftragte Angelika Roelofs und Oberbürgermeister Dieter Krone haben in der letzten Sitzung des Stadtrates ihren Bericht über Maßnahmen zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern vorgestellt. Ein Thema war die Schieflage bei der Besetzung von Führungspositionen im Rathaus. Hier dominieren die Männer im Verhältnis von 25 zu 6.

Roelofs ist in der Funktion als Gleichstellungsbeauftragte seit 25 Jahren im Lingener Rathaus tätig. Zu ihren zentralen Aufgaben gehört es, innerhalb der Kommune Benachteiligungen aufgrund des Geschlechtes abzubauen und zur Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der Verwaltung beizutragen. "Gleichstellungsarbeit lebt auch von der Vernetzung", erläuterte sie bei der Vorstellung ihres Berichtes im Ratsitzungssaal. So wirkt Roelofs in mehreren Arbeitskreisen mit und initiiert verschiedene Veranstaltungen wie den jährlichen Weltfrauentag.  Der Zukunftstag im Frühjahr, an dem zwischen 150 und 180 Mädchen und etwa 100 Jungen teilnehmen, trägt ebenfalls mit die Handschrift der Gleichstellungsbeauftragten. Der Tag bietet die Möglichkeit, mit Vertretern verschiedener Berufsgruppen ins Gespräch zu kommen, um den Blick bei der Berufswahl zu erweitern.

Gewalt gegen Frauen

Ein zentrales Thema der Gleichstellungsbeauftragten ist Gewalt gegen Frauen. Auf der ganzen Welt wird jedes Jahr im November Opfern von Gewalt gedacht. Unter dem Motto „Nein zu Gewalt gegen Frauen“ wird auch in Lingen vor dem Rathaus eine Flagge gehisst. Ab 2019 werden in der Stadt Wen-Do-Kurse angeboten, Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen, kündigte Roelofs an.

Führungskräfte zumeist männlich

Wie ist es um die Geschlechtergerechtigkeit im Lingener Rathaus bestellt? Rein zahlenmäßig haben die Frauen aufgeholt, wie aus dem Bericht von Oberbürgermeister Dieter Krone deutlich wurde. Danach hat die Zahl der Frauen, die in der Verwaltung beschäftigt sind, zwischen 2011 und 2017 von 284 auf 350 zugenommen, während die Zahl der Männer von 362 im Jahr 2011 auf 261 sechs Jahre später gesunken ist. Beim Vergleich der Vollzeitstellen befinden sich Frauen (237) und Männer (248) in der Verwaltung fast auf gleicher Höhe. Krass ist der Unterschied aber beim Vergleich der Anzahl der Führungskräfte. Hier stehen aktuell 25 Männer sechs Frauen gegenüber. 2014 lag das Verhältnis einmal bei 23:7 und 2011 bei 25:5. Nur eine Führungskraft, nämlich die Gleichstellungsbeauftragte Roelofs selbst, übt ihre Führungsaufgabe in Teilzeit aus. Den Worten von Krone zufolge gelte es, die Bemühungen zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf noch mehr zu intensivieren.

Für die CDU-Fraktion sprach Irene Vehring Roelofs ihren Dank für deren Arbeit aus. Deutlich kritisierte sie aber das Zahlenverhältnis bei den Führungskräften. Es müsse mehr Möglichkeiten geben, solche Positionen auch in Teilzeitform auszuüben. Dies forderte auch die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Edeltraut Graeßner, die die Gleichstellungsbeauftragte gleichzeitig darum bat, bei ihrer Arbeit auch den Kontakt zu Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden zu suchen. 

Was das Zahlenverhältnis bei den Führungskräften anbelangt, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Michael Fuest, dass man sich diese "auch nicht aus den Rippen schneiden" könne. Als Beispiel verwies er auf die immer noch nicht erfolgte Nachbesetzung der Stelle von Karin Schreiner im Fachdienst Umwelt. Dass sich im Zahlenverhältnis bei den Führungskräften in den letzten Jahren kritisiert hat, kritisierte auch Margitta Hüsken für die Bürgernahen. "So selbstverständlich, dass Frauen gleichberechtigt sind, ist das nicht", betonte die BN-Ratsfrau. Jens Beeck (FDP) sah in der Umsetzung von Maßnahmen zur Gleichberechtigung am Arbeitsplatz in der Verwaltung auch eine Möglichkeit, "die Attraktivität der Kommune als Arbeitgeber zu stärken".



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