Im Centralkino gezeigt Film über das Schicksal der Juden in Breslau berührt Lingener

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Nach dem Dokumentarfilm "Wir sind Juden aus Breslau" sprach die Regisseurin Karin Kaper (rechts) mit den Besuchern. In Zusammenarbeit mit dem Lludwig-Windhorst-Haus, der katholisch-sozialen-Akdademie des Bistums Osnabrück und dem Fortum Juden Christen im Altkreis Lingen wurde der Film im Centrfalkino vorgeführt, wofür sich Studienleiterin Agnes Kläsner vom LWH bedankte. Foto: Johannes FrankeNach dem Dokumentarfilm "Wir sind Juden aus Breslau" sprach die Regisseurin Karin Kaper (rechts) mit den Besuchern. In Zusammenarbeit mit dem Lludwig-Windhorst-Haus, der katholisch-sozialen-Akdademie des Bistums Osnabrück und dem Fortum Juden Christen im Altkreis Lingen wurde der Film im Centrfalkino vorgeführt, wofür sich Studienleiterin Agnes Kläsner vom LWH bedankte. Foto: Johannes Franke

Lingen. Etwa 70 Besucher haben sich in Lingen den Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ im Centralkino angesehen. Nach der Aufführung sprachen sie mit der Regisseurin Karin Kaper über das Schicksal der Holocaust-Überlebenden.

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt dieses fast zweistündigen  Films. Geboren zwischen 1921 und 1931 erinnern sie sich an ihre Kinder- und Jugendzeit in Breslau, der drittgrößten deutschen Stadt, in der einstmals die drittgrößte jüdische Gemeinde mit 25.000 Juden beheimatet war. Nach der Machtergreifung 1933 einte sie die Verfolgung und ständige Furcht vor dem Tod unter der Nazi-Schreckensherrschaft. Das jüdische Leben in Breslau, einschließlich der Synagoge, wurde zerstört, sollte nicht mehr existieren. Wer es schaffte, floh ins Exil oder überlebte wie durch ein Wunder die Gräueltaten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern.

 In den USA, England, Frankreich und auch Deutschland bauten sie sich ein neues Leben auf. Einige wirkten wesentlich bei der Gründung des Staates Israel mit. Die betagten Frauen und Männer erinnern sich nicht nur an ihre vergangenen jüdischen Lebenswelten in Breslau, sondern schildern ihre späteren Erfahrungen, veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Gedreht wurde in den New York, Washington, Tel Aviv, Jerusalem, London, in Südfrankreich und immer wieder in Breslau, dem heutigen Wrocław. „Es brauchte viel Fingerspitzengefühl, um ihr Leben behutsam, emotional aufzugreifen. 

Wir legten Wert darauf, die jetzt 85 bis 95-Jährigen selbst sprechen zu lassen“, berichtet Karin Kaper. Einige hatten noch nie etwas vor der Kamera gesagt, andere stehen in der Öffentlichkeit, wie die deutsch-britische Cellistin Anita Lasker-Wallfisch. Sie hielt am 31. Januar zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ die Rede im Deutschen Bundestag. Zu den bekannten Persönlichkeiten zählten auch der im Mai 2016 verstorbene Fritz Stern und der am 30. September 2018 gestorbene Walter Laqueur.

Erstaunliche Begegnungen

 Die Überlebenden seien für ihr Alter noch sehr rege und aktiv sowie sehr interessiert daran, was das Publikum gesagt habe. Vor allem wollen sie wissen, wie die Jugendlichen auf den Film reagieren. „Denn was momentan in Europa passiert, verfolgen sie schon“, betont Karin Kaper. Sie und Dirk Szuszies begleiteten den Workshop deutscher und polnischer Jugendlicher in Wrocław, wo die Schüler mit einigen Zeitzeugen das „Jüdische Leben, Sterben und Überleben in Breslau“ thematisierten. So entsteht dramaturgisch ein Wechsel zwischen historischen und aktuellen Aufnahmen, Einzelinterviews und Dialogen mit erstaunlichen Begegnungen. 

Die Lebensgeschichten der jetzigen Wissenschaftler, Künstler oder Publizisten decken ein großes Spektrum an Erfahrungen ab, das sie den Jugendlichen vor Ort sowie allen Zuschauern weitergeben. So verschmelzen die Ebenen der Vergangenheit und Gegenwart, der Furcht und Hoffnung. „Wir haben ihre Lebenserinnerungen erfahren und sind jetzt verpflichtet, sie weiterzugeben“, erklärt eine Schülerin in ihrer berührenden Ansprache.

"Wenn wir nicht aufpassen, holt uns diese Zeit wieder ein"

 Parallel sieht man den „Marsch der gegenseitigen Achtung“. Er wird filmisch konterkariert mit erschreckenden Aufmarschszenen einer polnischen Rechtsgruppierung. Die Filmemacher setzen hier ein klares und wichtiges Ausrufezeichen: „Seid wachsam. Denn wenn wir nicht aufpassen, holt uns diese Zeit wieder ein, die nie mehr geschehen darf!“, appellieren die Berliner Regisseure. „Wir sind Juden aus Breslau“ ist ein lehrreiches Zeitdokument, ein Mahnmal gegen das Vergessen und ein Auftrag, eine friedvolle, tolerante Zukunft zu gestalten.



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