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Restrukturierung – Weniger Schichtarbeit Trotz Insolvenz gute Perspektive bei Hagedorn in Schepsdorf

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Lingen. Trotz der „geplanten Insolvenz“ der Hagedorn AG sind Christian Kuhlmann, Leiter Personal Hagedorn AG, und Paul Hemelt, technischer Leiter der Hagedorn NC in Schepsdorf, guter Dinge, dass es für die hiesige Niederlassung eine Zukunft gibt. Um eine Restrukturierung komme das Unternehmen aber nicht herum.

„Diese Insolvenz ist ein gravierender Einschnitt in unsere Unternehmensgeschichte. Dennoch haben wir eine realistische Chance, gestärkt daraus hervorzugehen“, bedauert und hofft der Personalleiter zugleich.

Auf die Frage, in welchen Schritten man die Restrukturierungsmaßnahme einleiten werde, antwortete Kuhlmann: „Wir fahren zurzeit vier Schichten an sechs Tagen. Wir brauchen in Zukunft aber nur drei Schichten an fünf Tagen – das ist unser erstes Ziel, und das gilt es zu realisieren, wenn wir in Schepsdorf weiter produzieren wollen.“ Einbrüche am Markt bei Absatz und Preisen ließen eine andere Möglichkeit kaum zu. „Wir müssen unsere wirklich exzellenten Produkte günstiger am Markt platzieren. Deshalb müssen wir einfach effektiver produzieren“, erläutert der Personalchef und ergänzt: „Wir stehen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft im Gespräch und genießen auch von diesen Seiten volle Unterstützung.“

Als Grund für die Insolvenz benennt Kuhlmann gescheiterte Verhandlungen über eine Verlängerung bestehender Kreditlinien. Alternative Anschlussfinanzierungen hätten nicht mehr rechtzeitig realisiert werden können. Kuhlmann: „Der Kauf eines Unternehmens in Italien ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Daraufhin habe der Aufsichtsrat der Hagedorn AG am 11. Mai die Vorstände Dirk Brenscheidt und Herbert Nagorski wegen unterschiedlicher Auffassung über die zukünftige Geschäftsentwicklung abberufen.

Neu zum Vorstand bestellt worden sei Dirk Brauch, der auch die Geschäftsführung der Hagedorn NC übernommen habe. Brauch gehörte dem Vorstand der Hagedorn AG bereits von 1989 bis 2007 an. „Wir freuen uns alle sehr, mit Dirk Brauch nun einen Mann im Vorstand zu haben, der bereits über Jahrzehnte die Geschicke des Unternehmens geführt hat“, betont Kuhlmann. Brauch genieße nicht nur in der Geschäftsführung, sondern auch in der Belegschaft ein hohes Ansehen. Kuhlmann: „Es ist jetzt für uns immens wichtig, Gläubiger, Kunden und Lieferanten von unserem neuen Geschäftsmodell zu überzeugen – und das muss uns jetzt gelingen.“

Für alle insolventen Gesellschaften (für Hagedorn Plastirol Deutschland GmbH sowie sämtliche Auslandsgesellschaften wurde kein Insolvenzantrag gestellt) wurde der Bad Iburger Insolenzanwalt Stephan Michels vom Gericht zum vorläufigen „Sachwalter“ bestellt. Gemeinsam mit dem Vorstand will er sich in den nächsten Tagen einen Überblick über die Vermögensverhältnisse und Sanierungsperspektiven verschaffen.

Weiteren Angaben zufolge läuft der Geschäftsbetrieb sämtlicher Unternehmen der Hagedorn-Gruppe unverändert weiter. Alle Gläubiger der insolventen Gesellschafter würden zeitnah vom Vorstand und dem „Sachwalter“ informiert.

Alle Mitarbeiter der insolventen Hagedorn-Gesellschaften hätten nun für bis zu drei Monaten Anspruch auf Insolvenzgeld, das anstelle der Löhne und Gehälter von der Agentur für Arbeit gezahlt werde. Michels und sein Team bemühten sich derzeit um eine Vorfinanzierung dieser Ansprüche durch eine Bank, um eine zeitnahe Lohnersatzleistung zu erzielen, hieß es.


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