"Was zählt" Schüler der Lingener Berufsschulen werden zu Poetry Slammern

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Milena Stein, Andrea Kloppe und Hennes Mey (vorne im Bild, von links) schreiben konzentriert an ihren Texten. Die drei Berufsschüler haben am Workshop Slam Poetry teilgenommen und werden ihre Texte auf der Bühne vorstellen. Foto: Jessica LehbrinkMilena Stein, Andrea Kloppe und Hennes Mey (vorne im Bild, von links) schreiben konzentriert an ihren Texten. Die drei Berufsschüler haben am Workshop Slam Poetry teilgenommen und werden ihre Texte auf der Bühne vorstellen. Foto: Jessica Lehbrink

Lingen. Slam Poeten wissen mit Worten umzugehen, Geschichten und Anekdoten mal ernst, mal belustigend zu verpacken. Darin haben sich nun auch mehr als 30 Schüler der Berufsbildenden Schulen Technik und Gestaltung, Agrar und Sozial sowie Wirtschaft in Lingen ausprobiert. Zwölf von ihnen werden anlässlich des Reformationstages am 30. Oktober ihre Texte vortragen.

Als Schulpastor der Berufsbildenden Schulen in Lingen ist Gernot Wilke-Ewert auch für den Religionsunterricht zuständig. Nicht verwunderlich ist es also, dass er sich mit seinen Schülern dem neuen staatlichen Feiertag, dem Reformationstag, widmet – doch das auf eine besondere Art und Weise: „Ich kam auf die Idee, einen Poetry Slam zu veranstalten.“ Schon in der Vergangenheit sei diese Form der Lyrik gut bei Schülern und Gästen angekommen. Dafür holte sich Wilke-Ewert einen waschechten Profi mit an Bord: Jens Kotalla. Er ist nicht nur selbst erfahrener Slammer, sondern auch das Gesicht der Veranstaltungen rund um den Poetry Slam in Lingen – zunächst wieder bei der Landesmeisterschaft für Niedersachsen und Bremen am 26. und 27 Oktober. 

Die richtigen Worte finden 

Kotalla führte die Jugendlichen in einem Workshop an die Kunst des Textens – und war überrascht. Potential hätten laut ihm alle. „Es sind alle konzentriert dabei und nach kurzen Schreibübungen kommen auch schon wirklich gute Ergebnisse“, meint der Fachmann. Neben anfänglichen Phantasieübungen, dem Finden von Metaphern und verknüpfen von Bildern ging es vor allem darum andere Begriffe zu finden, einen Satz mit simplen Wortänderungen spannender zu machen. „Ein Auto fährt über die Straße“ wird zu „Ein Auto rast über die Straße“, nennt Kotalla als Beispiel. Das mache das ganze dynamischer.

Beim Workshop zum Thema Slam Poetry konnten sich Schüler der Berufsbildenden Schulen in Lingen hilfreiche Tipps von Profi Jens Kotalla (rechts im Bild) holen. Foto: Jessica Lehbrink


„Was zählt“ lautete das Thema, welches durch die Landeskirche Hannover und das Evangelische Schulwerk gegeben wurde. Was für die Nachwuchsschreiber zählt? "Das eigene Leben, Liebe, Freundschaft, soziale Gerechtigkeit, Glaube und Kirche" sagt Wilke-Ewert. Er findet, dass Kirche und Poetry Slam durchaus Parallelen haben. „Predigten sind auch Reden, so wie ein Slam eine Art Rede ist. Außerdem passt das Ganze auch zum Feiertag, denn der Reformationstag an sich soll dazu dienen, über viele Dinge nachzudenken.“ 

Wertchätzung für die Großmutter

Überrascht von ihrem Schreibtalent war Andrea Kloppe. Die 17-jährige Schülerin der BBS Agrar und Soziales wollte mit dem Workshop insbesondere „ihren Horizont erweitern“. „Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas kann“, zeigt sie sich bescheiden. In ihrem Text beschäftigt sich Kloppe mit vielen Themen, die sie bewegen, angefangen bei aktuellen Geschehnissen in der Welt über Rassismus, Politik, Freunden bis hin zur Familie beziehungsweise ihrer Großmutter, die eine besondere Wertschätzung in ihrem Text erfährt.

Die 18-jährige Milena Stein von der BBS Wirtschaft hat sich schon vermehrt mit Slam Poetry auseinander gesetzt, besucht gerne entsprechende Veranstaltungen und probiert sich auch privat an eigenen Texten. Dass sie gerne als Besucherin bei Poetry Slams ist, habe ihr im Workshop sehr geholfen. „Ich kann es generell empfehlen, einfach mal zu einem Slam in Lingen zu gehen“, sagt sie überzeugt.

Gedanken loswerden

Noch wenig Kontakt mit der Kunst des etwas anderen Dichtens hatte der ebenfalls 18-jährige Hennes Mey von der BBS Technik und Gestaltung. „Wir hatten das Thema Slam Poetry im Deutschunterricht. Vorher kannte ich es nur wenig bis gar nicht“, erzählt der Schüler. Probleme beim Finden von Worten habe er aber nicht – im Gegenteil: „Man kann seine Gedanken so einfach los werden, sie ordnen.“

Sieger fährt nach Hannover

Alle drei Schüler sollen am 30. Oktober bei der Schulveranstaltung in den Berufsbildenden Schulen auf der Bühne stehen. Zudem werden sie von Profi-Slammer Florian Stein aus Bochum im zweiten Teil der Show unterstützt. Aus den insgesamt zwölf Teilnehmern soll dann ein Sieger gekürt werden, der am 6. Dezember im Congress Centrum Hannover auf der Bühne stehen wird.


Gottesdienste zum Reformationstag

Am 31. Oktober finden zum Reformationstag einige Gottesdienste in den Lingener Kirchen statt: ökumenischer Gottesdienst in der Kreuzkirche um 11 Uhr mit Superintendent Bernd Brauer und Monsignore Reinhard Molitor, Gottesdienst in der evangelisch-reformierten Kirche um 11 Uhr sowie in der Johanneskirche um 15 Uhr und ein Abendgottesdienst in der Brögbern Christuskirche um 18 Uhr sowie die „Churchnight“ in der Trinitatiskirche.

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