Auszeichnung für Lingener Geschäft Darum ist Willenbrock Deutschlands bester Wein-Fachhändler

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Hendrick und Isa Willenbrock von der gleichnamigen Weinfachhandlung wurden vom Deutschen Weininstitut als Deutschlands bester Fachhändler 2018 ausgezeichnet. Foto: Julia MauschHendrick und Isa Willenbrock von der gleichnamigen Weinfachhandlung wurden vom Deutschen Weininstitut als Deutschlands bester Fachhändler 2018 ausgezeichnet. Foto: Julia Mausch

Lingen. Ein Weinhandel, der in einer einstigen Tankstelle beheimatet ist und kuriose Veranstaltungen wie "Winzer-Battles" auf die Beine stellt: Das gehört zum Konzept von Hendrick und Isa Willenbrock, Inhaber des Weinfachhandels Willenbrock. Sie sind "Deutschlands bester Wein-Fachhändler 2018".

Es ist Mittwochmorgen, als Hendrick und Isa Willenbrock in ihrem Geschäft an der Bernd-Rosemeyer-Straße in Lingen an der Probier-Theke sitzen. Vor ihnen steht eine kleine Glasskulptur. "Was es genau darstellt, wissen wir um ehrlich zu sein nicht", sagt Isa Willenbrock und muss lachen. Ob nun Weinkühler oder einfach nur Kunstwerk – fest steht: Willenbrocks sind die Einzigen, die diese Trophäe in diesem Jahr in der Hand halten. Sie sind "Deutschlands bester Weinfachhandel 2018".

"Verdeckte" Einkäufer im Geschäft

Am Sonntag haben sie  auf dem Weinfachhändlertag in Heilbronn die Auszeichnung bekommen. Dass sie als Sieger hervorgehen, wussten sie nicht. Dass sie jedoch unter den Top Ten sind schon, seit einem ungewöhnlichen Kundenbesuch in ihrem Geschäft vor ein paar Wochen. Zwei Kunden ließen sich von einem ihrer Mitarbeiter beraten. Sie wollten alles über deutsche Weine wissen, stellten Fragen, forderten Antworten. Zunächst nichts Ungewöhnliches, bis sie an der Kasse ihre Identität preisgaben: Es waren "verdeckte" Einkäufer des Deutschen Weininstituts. 

Aus einer Tankstelle ist eine Wein-Tankstelle geworden. Grafik: Hofschröer


Sie wollten herausfinden, wie fachkundig das Personal und wie gut die Beratung ist. Das sind Bewertungskriterien des Wettbewerbs. Zwar hatten sich die Willenbrocks zuvor mit einem Exposé beworben, mit den verdeckten Einkäufer dann aber doch nicht gerechnet. Die Institutsmitarbeiter schauten sich das 450 Quadratmeter große Geschäft an, notierten sich, wie die Weine präsentiert werden. Übersichtlich sollte es sein. Eine Anforderung, die die Willenbrocks laut Jury erfüllen – jedoch auf unkonventionelle Weise. Die Weine sowohl von unbekannteren Winzern als auch von renommierten Erzeugern sind nicht nach ihren Ursprungsländern sortiert, sondern nach ihren Geschmacksgraden: lieblich, halbtrocken, trocken. "Wir denken ganz einfach, wir denken auch an Nicht-Weinkenner", lautet die Begründung von Isa Willenbrock. Bei 650 Sorten (davon mehr als 50 Prozent Deutsche), die die Weinhandlung im Angebot hat, sonst den passenden Süßgrad zu finden: schwierig. 

"Winzer-Battles" und "Bier-Kämpfe"

Schnell ins Geschäft rein, schnell wieder raus – das ist dann aber doch nicht die Ambition, die die Willenbrocks haben. "Wir wollen den Einkauf zum Erlebnis machen", sagt Isa Willenbrock. Beratung gepaart mit Unterhaltung. So treten beim "Winzer-Battle" Winzer mit Weinen gegeneinander an und bei "Wein vs. Bier" besteigt der Inhaber selbst den Ring: Bei einem Fünf-Gänge-Menü misst sich der Wein-Sommelier mit dem Lingener Bier-Sommelier Markus Quadt, ob denn nun Wein oder Bier besser zum Essen passt.  Das klingt nach Spaß, "ist es auch", sagt Hendrick Willenbrock, gibt jedoch zu, dass hinter dem Erfolgskonzept der Weinhandlung viel Arbeit steckt. 


"Sie wollte den Emsländern das Weintrinken beibringen"Hendrick Willenbrock über seine Mutter Ingeborg Willenbrock


1982 eröffnete seine Mutter Ingeborg Willenbrock die Weinhandlung. Damals diente eine Garage als Verkaufsraum. "Sie wollte den Emsländern das Weintrinken beibringen", erinnert sich der Sohn. Zwar seien seine Eltern Lingener, berufsbedingt lebten sie aber mehrere Jahre in Süddeutschland. Erst als Hendrick Willenbrock in die zweite Klasse kam, ging es ins Emsland zurück. 1994 stieg er dann selbst mit ins Geschäft ein. "Ich wollte unbedingt Kaufmann werden", nennt er seine Ambitionen. Zwar war die Garage schon seit 1988 gegen die Geschäftsräume am Espenweg in Altenlingen getauscht worden, dennoch war der Laden nur halbtags geöffnet. Mit dem Junior änderte sich das. Die Mitarbeiterzahl wurde nach oben geschraubt. 


Bei der Preisverleihung: Hendrick und Isa Willenbrock zusammen mit Sohn Jos. Foto: Willenbrock


24 Jahre ist das nun her. 30 Mitarbeiter sind heute beschäftigt – und das an drei Standorten. Seit 2003 gibt es eine weitere Filiale in Rheine, seit 2011 eine in Nordhorn und auch im Internet ist der Weinhändler mit einem Shop präsent. In Lingen befindet sich Willenbrock nicht mehr nahe des Telgenkampsees, sondern im Zentrum. Genauer gesagt an der Bernd-Rosemeyer-Straße. Aus der einstigen Nitag-Tankstelle ist eine Wein-Tankstelle geworden. Als „Juwel der Stadt“ hatte Oberbürgermeister Dieter Krone 2017 das Millionenprojekt der Bauherrengemeinschaft Bailer-Hofschröer-Willenbrock bezeichnet. Zwar sind sich Hendrick und Isa Willenbrock bewusst, dass die Optik des Geschäfts außergewöhnlich ist, darauf reduzieren lassen, wollen sie sich nicht. "Wir haben den Preis nicht nur wegen dem Gebäude bekommen", sagt der Geschäftsmann und hat dafür auch einen Beweis: Die Auszeichnung zum Deutschlands besten Weinfachhandel haben sie nämlich schon 2013 gewonnen – damals noch in den Räumen in Altenlingen.

"Ein Bibliothekar muss viel lesen, wir müssen halt viel trinken"Hendrick Willenbrock


Es ist die Mischung, die der Jury bei den Willenbrocks gefällt. Präsentation der Weine, fachkundige Beratung und qualifiziertes Personal. Der Weinhandel ist ein Ausbildungsbetrieb. "Ein Mitarbeiter lässt sich gerade zum Wein-Sommelier ausbilden", sagt Hendrick Willenbrock. Generell würden regelmäßig Schulungen stattfinden. Weine, die der Lingener aus ganz Europa von Messen mitbringt, werden verkostet. "Ein Bibliothekar muss viel lesen, wir müssen halt viel trinken", scherzt Willenbrock. Natürlich werde bei einer Weinprobe der Alkohol wieder ausgespuckt. Doch am Probieren der Weine geht kein Weg vorbei, schließlich "müssen die Mitarbeiter wissen, was sie da verkaufen". 

Geld für weitere Schulungen

Die Schulungen haben sich ausgezahlt, mit Blick auf den Preis und mit Blick auf die "verdeckten Kunden". "Sie wurden schließlich nicht von uns Vorgesetzten bedient, sondern von unserem Personal." Isa und Hendrick Willenbrock bezeichnen deswegen den Preis nicht als ihren Verdienst, sondern den des Teams. Und mit dem Lernen ist es nicht vorbei: Neben Trophäen, Urkunden und Plaketten haben die drei Erstplatzierten Gutscheine für Mitarbeiterschulungen bekommen. Für die Willenbrocks sind es insgesamt 1000 Euro. 


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