Forderung des Brandabschnittsleiters Süd Mehr Respekt und Geld für emsländische Feuerwehren

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Auch bei diesem Brand eines Pferdezuchtbetriebes in Wettrup Ende Juli 2018 behinderten Gaffer an den Zufahrtsstraßen die Löscharbeiten der Feuerwehr. Foto: Hermann BojerAuch bei diesem Brand eines Pferdezuchtbetriebes in Wettrup Ende Juli 2018 behinderten Gaffer an den Zufahrtsstraßen die Löscharbeiten der Feuerwehr. Foto: Hermann Bojer

Lingen. Mehr Geld für Fahrzeuge im Katastrophenschutz und mehr Respekt gegenüber den Einsatzkräften: Dies hat Andreas Wentker, Brandabschnittsleiter Süd und Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Emsland, im Gespräch mit unserer Redaktion gefordert.

Wentker hat kürzlich als Delegierter des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen an einer Tagung des Deutschen Feuerwehrverbandes in Erfurt teilgenommen. "Dort haben wir eine Resolution unter dem Motto ,Unsere Einsatzkräfte – unsere Sicherheit! Nein zur Gewalt gegen Feuerwehrangehörige' beschlossen, die auch vom deutschen Städte- und Gemeindetag mitgetragen wird", berichtet Wentker. Auslöser sei die Attacke eines Mannes Mitte September gewesen, der in Thüringen zwei Feuerwehrleute zunächst mit Benzin übergossen und sie dann mit einem Gasbrenner bedroht hat.

Aufklärung und Deeskalation

Solch drastische Attacken sind Wentker im Emsland noch nicht zu Ohren gekommen. Aber auch hier würden die verbalen Attacken gegen Einsatzkräfte zunehmen: "Ich schätze, die Angriffsrate ist in den letzten drei Jahren um 60 Prozent gestiegen." Der Brandabschnittsleiter setzt auf Aufklärung und Deeskalation. "Wir müssen auf Jugendliche einwirken. Gerade wenn sie alkoholisiert sind, fühlen die sich sehr stark", benennt Wentker eine Zielgruppe der Aufklärungsarbeit. Am Einsatzort müssten die Feuerwehrleute mit Menschen, von denen sie attackiert würden, kommunizieren. "Wir müssen unsere Kameraden schulen, mit solchen Konfliktsituationen umzugehen. Denn aggressives Vorgehen schafft nur noch mehr Aggression", sagt Wentker.

Mehr Hilfsangebote für betroffene Einsatzkräfte

Wentker verlangt eine konsequente Strafverfolgung von Angriffen auf Einsatzkräfte. "Der Respekt vor Uniformierten muss wieder steigen", erklärt er. Zugleich hat Wentker den Opferschutz im Blick. "Für betroffene Einsatzkräfte muss es mehr Hilfsangebote geben, beispielsweise in Form einer Rechtsberatung und von psychologischer Betreuung." 

Gaffer behindern Feuerwehrarbeit

Sorgen bereitet dem Brandabschnittsleiter auch die schnelle Veröffentlichung von Einsatzorten in sozialen Netzwerken. "Das trägt dazu bei, dass mehr Gaffer zur Einsatzstelle kommen." Diese würden teilweise auf Schlauchleitungen stehen, Zufahrten für die Rettungskräfte blockieren und fotografieren. "Es ist schon erschreckend, was bei einem Einsatz auf der Autobahn dann auf der Gegenfahrbahn passiert", ärgert sich Wentker. Würden Gaffer auf ihr Verhalten angesprochen, seien nicht selten verbale Angriffe die Folge.

Andreas Wentker, Brandabschnittsleiter Süd der emsländischen Feuerwehren, fordert mehr Geld für Katastrophenschutzfahrzeuge und mehr Respekt gegenüber seinen Kameraden. Foto: Ludger Jungeblut


Ein weiteres Anliegen ist Wentker der Ersatz von Feuerwehrfahrzeugen, die im Katastrophenschutz eingesetzt werden. Im Haushalt des Bundes, der solche Fahrzeuge finanziert, seien deutschlandweit rund 57 Millionen Euro eingeplant. "Hier fordern die Feuerwehren eine Erhöhung auf 100 Millionen Euro", sagt Wentker. Die Fahrzeuge seien teilweise 30 Jahre alt. "Im Emsland haben wir vier Tanklöschfahrzeuge und einen Wagen mit zwei Kilometer Schlauch, der beispielsweise bei Waldbränden zum Einsatz kommt", erläutert Wentker. Im Brandabschnitt Süd seien davon je ein Tanklöschfahrzeug in Emsbüren und Bawinkel stationiert.

Katastrophenschutzfahrzeuge brechen unter Händen weg

"Erst wenn ein Gutachter eines der Fahrzeuge ,kaputtgeschrieben' hat, darf die Planung einer Neuanschaffung beginnen", erläutert Wentker das Problem. Die Kommunen hingegen könnten bei von ihnen finanzierten Fahrzeugen mit einer solchen Planung bereits beginnen, wenn der Neubedarf absehbar werde. "Das Problem brennt uns unter den Fingernägeln, weil uns die Katastrophenschutzfahrzeuge unter den Händen wegbrechen", klagt Wentker. "Aus den kommunalen Feuerwehren kann ich Fahrzeuge für die Kreisbereitschaften im Katastrophenschutz nicht so einfach ziehen, weil der Brandschutz vor Ort gewährleistet bleiben muss." Daher sei es wichtig, dass der Bund Geld in die Hand nehme und ein Zeichen setze.

CBRN-Gruppe als Ersatz für ABC-Zug

Drei Kreisbereitschaften gebe es im Emsland. Gedanken darüber, ob diese – auch in anderen Landkreisen –  noch zeitgemäß aufgestellt sind, mache sich derzeit eine Steuerungsgruppe, in der das Innenministerium, die Polizeidirektion und die Feuerwehr vertreten seien. "Mit ersten Ergebnissen rechne ich Anfang 2019", erklärt Wentker. Schon Ende dieses Jahres solle hingegen eine Teilbereitschaft der bislang noch nicht einsatzfähigen CBRN-Gruppe (chemisch, biologisch, radiologisch, nuklear) hergestellt sein. Diese Gruppe stellen die emsländischen Feuerwehren als Ersatz für den im Oktober 2017 abgemeldeten ABC-Zug Bawinkel des Roten Kreuzes auf.





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