Übergabe mit ökumenischem Gottesdienst JVA in Lingen-Damaschke bekommt die "alte" Boni-Orgel

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Gefängnisseelsorger Pfarrer Frank Kribber und Krankenhausseelsorger Sebastian von Melle (an der Orgel) freuen sich, dass die „alte“ Krankenhausorgel eine neue Bestimmung in der JVA Lingen-Damaschke gefunden hat. Foto: Elisabeth TonderaGefängnisseelsorger Pfarrer Frank Kribber und Krankenhausseelsorger Sebastian von Melle (an der Orgel) freuen sich, dass die „alte“ Krankenhausorgel eine neue Bestimmung in der JVA Lingen-Damaschke gefunden hat. Foto: Elisabeth Tondera

Lingen. Die alte Orgel aus dem Bonifatius-Hospital wird am 14. Oktober 2018 mit einem öffentlichen ökumenischen Gottesdienst an die Seelsorge der JVA in Lingen-Damaschke übergeben.

Die kleine Orgel an der Rückwand der Kapelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lingen-Damaschke passt perfekt zu den neuen Stühlen, die vor nicht langer Zeit die Bänke ersetzt haben. Auch die Orgel steht in der Kapelle erst seit einem knappen Jahr. Das Ganze wirkt, als sei es ein Einrichtungsensemble aus einem Guss. Doch dies ist nicht der Fall. Die elektronische Orgel, die sich so homogen in den Raum einfügt, stand bis vor einem Jahr in der Kapelle des Bonifatius Hospitals.

Zufällig in Lingen geblieben

„Es war ein Zufall, dass die Orgel herkam. Der Orgelbauer, der die neue Hybridorgel in der Kapelle des Bonifatius-Hospitals eingebaut hatte, sollte sie mitnehmen. Sie stand schon im Bulli“, sagt der katholische Gefängnisseelsorger Pfarrer Frank Kribber und erzählt, wie das Instrument schließlich in der Kapelle der JVA landete.

Orgel ersetzt Keyboard

Johannes Hartz, der seit Jahrzehnten ehrenamtlich die katholischen Gottesdienste in allen Justizvollzugsanstalten im Emsland musikalisch begleitet, arbeitet als Krankenpfleger im Bonifatius Hospital. Er bekam mit, dass die Orgel abtransportiert werden sollte und fragte den Krankenhausseelsorger und Musiker Sebastian von Melle, ob es nicht möglich wäre, die Orgel der JVA in Damaschke zu vermachen. Dort stand dem Musiker in der Kapelle bislang nur ein ausgedientes Keyboard zur Verfügung. Von Melle, der Hartz gelegentlich als Organist in der JVA vertritt, veranlasste, dass die Orgel im Krankenhaus blieb. Hartz informierte den Gefängnisseelsorger, der gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Pastor David Gotthilf die Orgel besichtigte. Beide waren der Meinung, dass es ein ideales Instrument für die Kapelle der JVA sei.

Leitung des Boni stimmt zu

Daraufhin nahm von Melle Kontakt zur Geschäftsleitung des Krankenhauses auf, und diese entschied, die Orgel der JVA zu spenden. „Das Schöne an dieser Geschichte ist, dass alles über die Kontakte zur Krankenhausseelsorge gelaufen ist“, freut sich der Gefängnisseelsorger. 

Instrument schafft Atmosphäre

Auch von Melle begrüßt es, dass die alte Krankenhausorgel in einem Kirchenraum in der Nähe erklingt. „Wir hatten überlegt, was wir damit anfangen können. Es gab sogar die Idee, die Orgel nach Russland zu schicken, aber dafür wäre der Transport zu aufwendig“, erzählt er. „Die Musik spielt eine ganz wichtige Rolle im Gottesdienst, und eine Orgel schafft festliche Atmosphäre“, sagt Pfarrer Kribber.  

Sie freuen sich über die neue Orgel in der Kapelle der JVA Damaschke (von links): der evangelische Gefängnisseelsorger Thomas Gotthilf und sein katholischer Amtsbruder Frank Kribber. Foto: Wilfried Roggendorf


Für Johannes Hartz hat das Spiel auf einem „echten“ Kircheninstrument eine ganz besondere Qualität, zumal die zweiwöchentlichen Messen nicht nur von Inhaftierten besucht werden. Da die JVA Damaschke eine Abteilung des offenen Vollzuges ist, sind alle Gottesdienste öffentlich. „Ostern und Weihnachten ist die Kapelle randvoll“, berichtet Kribber.  

Gottesdienst mit Kolpingern

Einmal im Monat feiern die Kolpinger von der Kolpingfamilie Lingen Zentral, mit der Johannes Hartz eng verbunden ist, die Messe mit. „Das hat schon eine lange Tradition“, sagt Pfarrer Kribber und erzählt, dass es nach diesen Gottesdiensten anschließend ein Kirchencafé in der Kapelle gibt und die Kolpinger mit den Inhaftierten ins Gespräch kommen. „Da verschwimmen die Grenzen, es gibt kein klassisches Drinnen und Draußen, alles spielt sich in einem Raum ab, man geht vom Altar direkt zum Kaffeetisch. Wir feiern nicht nur Gottesdienst, es hat auch mit dem Alltag zu tun“, stellt der Geistliche fest. 

Einweihung am Sonntag

Die Orgel wird am 14. Oktober um 10.15 Uhr im Rahmen eines öffentlichen ökumenischen Gottesdienstes in der Kirche der JVA Damaschke, Grenzweg 39 in Lingen eingeweiht. Neben Inhaftierten werden Mitglieder der Kolpingfamilie Lingen Zentral, Vertreter der Anstaltsleitung und des Bonifatius-Hospitals daran teilnehmen.


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