"Den Tod ins Leben zurückholen“ Beeindruckende Patomime im Lingener Professorenhaus

Der Pantomime Christoph Gilsbach entführte die Zuschauer im Professorenhaus in eine faszinierende Bilderwelt. Foto: Elisabeth TonderaDer Pantomime Christoph Gilsbach entführte die Zuschauer im Professorenhaus in eine faszinierende Bilderwelt. Foto: Elisabeth Tondera

Lingen. Die Pantomime "Das Leben" wurde für Trauernde entwickelt, um ihnen ohne viele Worte einen Raum für eine Auseinandersetzung mit ihrer Trauer zu geben. Jetzt war sie im Lingener Professorenhaus zu sehen.

Das Stück heißt „Das Leben“, aber der Tod ist stets anwesend. Er hockt in einer Ecke der Bühne des Professorenhauses, eine unbewegliche Gestalt im grauen Kapuzengewand, an Stelle des Gesichts gähnt eine schwarze Leere. Der weißgewandete Pantomime mit seinen anmutigen Bewegungen, der lebhaften Mimik und den anrührenden Geschichten vom Leben steht im krassen Kontrast zu dieser beunruhigenden Figur.

Schwieriges Thema

Jeanette Richter vom Lingener Hospiz, auf dessen Einladung der Pantomime  Christoph Gilsbach nach Lingen kam, dankte den Anwesenden, dass sie trotz des herrlichen Wetters gekommen waren, um sich mit dem schwierigen Thema Tod auseinanderzusetzen. „Der Lingener Hospiz und Christoph Gilsbach haben eins gemeinsam: Wir wollen den Tod ins Leben zurückholen“, sagte Jeanette Richter.

Theologe und Seelsorger

Der Theologe und Seelsorger am Universitätsklinikum in Münster Ulrich Laws, der die Veranstaltung mit dem Pantomimen moderierte, bestätigte Richters Worte: „Der Tod ist ein Teil des Lebens. Heute soll es ausschließlich um das Leben gehen.“ Laws unterbrach mehrmals den pantomimischen Bilderreigen, um mit den Zuschauern ins Gespräch zu kommen. Anregungen dafür gab es reichlich.  

Große darstellerische Kraft

Gilsbach spielt verschiedene Situationen aus dem menschlichen Leben vom Kind bis zum Greis. Der Pantomime verfügt über eine darstellerische Kraft, die es ihm möglich macht, sich ohne jegliche Hilfsmittel in jede beliebige Figur zu verwandeln. Er ist das Kind, das einen Apfel pflückt, dabei ungewollt Insekten zertritt, einen Wurm zerdrückt und dabei unbewusst mit dem Tod in Berührung kommt. Er ist eine junge Schöne, die ihren Körper freudig bewundert. Er ist ein Soldat und ein Mensch auf der Höhe des Erfolgs, ein Gescheiterter und ein Greis. Alle Figuren kommen mit dem Tod in Berührung, ohne dabei ihre Lebenskraft einzubüßen.  

Verfremdete Wirklichkeit

In der Pantomime kommt wie in kaum einer anderen Darstellungsart die traumhafte Fremdartigkeit dieser Welt zum Ausdruck. Die Wirklichkeit wird nicht abgebildet, sondern verfremdet; es wird eine künstlerische Wirklichkeit geschaffen, die dem Betrachter das Gewöhnliche und Vertraute in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.

Bilder ohne Sprache

Christoph Gilsbach entführt die Zuschauer in diese faszinierende Bilderwelt, eine Welt, die durch die Ausklammerung der Sprache und die artistische Beherrschung des Körpers mit der Welt des Zirkus verwandt ist, aber auch uralte Theatertraditionen aufgreift. Der Pantomime versteht es meisterhaft, kraft seiner darstellerischen Kunst Situationen und Emotionen in poetische Bilder zu bannen, die aufmerksam und betroffen machen, nachdenklich, traurig und fröhlich stimmen. Wenn er einen Menschen auf der Höhe des Erfolgs darstellt, sind die anfängliche Euphorie, Selbstzufriedenheit und Stolz, dann die zunehmende Verwunderung über unvorhergesehen Einschränkung, seine Verzweiflung und sein Verhandeln mit dem Tod sichtbar. Großartig spielt er den Moment aus, in dem sich der überhebliche, erfolgsverwöhnte Mensch in einen verzweifelten Sterblichen verwandelt.

Staunen – lachen – nachdenken

Die Zuschauer entdecken Vertrautes in den Bildern, in manchen finden sie sich selbst wieder, sie staunen, lachen, manchmal haben sie Tränen in den Augen. In den kurzen Pausen teilen sie ihre Gedanken ausführlich mit dem Theologen, der das philosophische Gespräch lenkt.


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