Martina Fockenbrock Nachfolgerin Viel Lob in Lingen für Streitschlichter Rainer Bartsch

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Nach 20-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Schiedsmann in Lingen wurde Rainer Bartsch (Mitte) von Oberbürgermeister Dieter Krone verabschiedet. Rechts im Bild Luisa Bartsch. Foto: Stadt LingenNach 20-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Schiedsmann in Lingen wurde Rainer Bartsch (Mitte) von Oberbürgermeister Dieter Krone verabschiedet. Rechts im Bild Luisa Bartsch. Foto: Stadt Lingen

Lingen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg hat der Lingener Rainer Bartsch als ehrenamtlicher Schiedsmann Streitigkeiten zu schlichten versucht, um eine Gerichtsverhandlung zu vermeiden. In der letzten Ratssitzung wurde er verabschiedet. Seine Nachfolgerin ist Martina Fockenbrock.

Bartsch war für den Bezirk I in Lingen östlich der Bahnlinie zuständig. Westlich der Bahnlinie (Bezirk II) ist der Lingener SPD-Ratsherr Ralf Plaggenborg ehrenamtlich im Einsatz.

"Schlichten ist besser als richten", zitierte Oberbürgermeister Dieter Krone in seinen Dankesworten an die Adresse von Bartsch den Leitspruch der Schiedsleute. Diesem Spruch habe sich auch Rainer Bartsch verpflichtet gefühlt. Dass er in diesen 20 Jahren viermal wiedergewählt worden sei, dokumentiere das große Vertrauen, dass der Stadtrat in Bartsch gesetzt habe, sagte Krone. Für diese Leistung sprach ihm der Oberbürgermeister seinen ausdrücklichen Dank aus. In diesen Dank bezog Krone ausdrücklich Bartschs Ehefrau Luise mit ein, die stets viel Verständnis für dessen ehrenamtliche Tätigkeit gezeigt habe.


Nicht jeder Hausbesitzer lächelt, wenn der Nachbar mit einer Heckenschere überstehende Teile des Rhododendronstrauchs abschneidet. Foto: Kai Remmers/dpa


"Zwistigkeiten zu schlichten, unterschiedliche, wenn nicht gegensätzliche Interessen friedlich auszugleichen – vielleicht hat Sie genau das gereizt: Darauf einzuwirken, dass Nachbarn wieder in Frieden miteinander leben beziehungsweise dass Konflikte, die im menschlichen Zusammenleben nie ausbleiben, nicht eskalieren, sondern zu einer Lösung geführt werden", sagte Krone, an Bartsch gewandt. Der Oberbürgermeister hob insbesondere die ruhige, sachliche Art hervor, mit der Bartsch versucht habe, besänftigend auf die Streitenden einzuwirken. "Mit Ihrer Kunst der Gesprächsführung haben Sie es oft geschafft, beide Parteien gemeinsam nach einer Lösung suchen zu lassen", lobte Krone. Mit Erfolg: Bei zwei Dritteln der von Bartsch durchgeführten Schlichtungen sei es zu einer Einigung gekommen.

Dieser dankte Krone für die Worte und wünschte seiner Nachfolgerin Martina Fockenbrock viel Erfolg bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Dass diese nicht leichter wird, ließ der erfahrene Schiedsmann ebenfalls nicht unerwähnt. "Vor 20 Jahren war es einfacher, der Egoismus hat zugenommen", blickte Bartsch zurück. 


Viel Erfolg wünschte Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone Schiedsfrau Martina Fockenbrock in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Foto: Stadt Lingen


Krone wünschte Bartschs Nachfolgerin im Amtsbezirk I, Martina Fockenbrock für ihr neues Amt "ein offenen Ohr für die verschiedenen Parteien, ein glückliche Hand in der Führung der Gespräche und das Geschick, mit den richtigen Worten die unterschiedlichen Auffassungen und Parteien zum Einlenken zu bringen." Die Mutter von vier Kindern aus Lingen sagte zu ihren Beweggründen, dass ihre Kinder inzwischen erwachsen seien und sie sich ehrenamtlich betätigen wolle. "Ich werde mein Bestes geben", unterstrich die neue Schiedsfrau.

Der nachfolgende Tagesordnungspunkt passte recht gut dazu, ging es dort doch um die Einführung einer neuen "Lingener Ehrenamtskarte". "Es ist uns ein großes Anliegen, das Lingener Ehrenamt zu würdigen - und zwar nicht nur mit einem feuchten Händedruck", sagte Krone. Mit der Karte verbunden sind eine Reihe von Vergünstigungen und Ermäßigungen für den Besitzer oder die Besitzerin verbunden. Voraussetzung ist, mindestens 250 Stunden jährlich oder fünf Stunden wöchentlich ehrenamtlich tätig zu sein und ehrenamtliche Arbeit zu leisten, deren Entschädigung nicht über einen Auslagenersatz hinausgeht. "Die Ehrenamtskarte, die man ins Portmonee stecken kann,  ist wie ein kleiner Orden", meinte Annette Wintermann, Vorsitzende des Sozialausschusses. 


Schiedsmann/frau

Sehr oft werden Streitigkeiten direkt vor das Gericht getragen, obwohl diese vom Schiedsmann geklärt werden könnten. Der Schiedsmann ist ein ehrenamtlich tätiges Organ der Rechtspflege, das die Aufgabe der Streitschlichtung in bestimmten Strafsachen und bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten wahrnimmt. In etwa der Hälfte der Fälle kommt es meist so schon zur Einigung. Schiedsmänner/-frauen üben ihre ehrenamtliche Aufgabe als Schlichter bei bestimmten strafrechtlichen Delikten und bei zivilrechtlichen Streitigkeiten aus. Wegen Hausfriedensbruch, Beleidigung, Verletzung des Briefgeheimnisses, Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung ist die Erhebung einer Privatklage des Verletzten mit dem Ziel der Strafverfolgung erst zulässig, nachdem ein Sühneversuch vor dem Schiedsmann erfolglos geblieben ist. Auf Antrag einer der beiden Parteien findet auch in zivilrechtlichen Rechtsstreitigkeiten über vermögensrechtliche Ansprüche, wenn der Anspruch auf Zahlung von Geld gerichtet ist oder wenn sein Gegenstand in Geld geschätzt werden kann, eine Sühneverhandlung vor dem Schiedsmann statt. (Quelle: Amtsgericht Lingen)

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN