Kammerorchester mit Schwächen Geigerin Anna Wassenberg überzeugt im Lingener Theater

Von Daniel Lösker

Großer Beifall für Anna Wassenberg und das Lingener Kammerorchester unter der Leitung von Lulzim Bucaliu. Foto: Daniel LöskerGroßer Beifall für Anna Wassenberg und das Lingener Kammerorchester unter der Leitung von Lulzim Bucaliu. Foto: Daniel Lösker

dloe Lingen. Die junge Geigerin Anna Wassenberg überzeugt mit Dvoraks Violinkonzert an der Seite des Lingener Kammerorchesters und unter der Leitung von Lulzim Bucaliu.

Antonin Dvoraks einziges Violinkonzert zählt zu den großen romantischen Werken seiner Gattung. Dennoch ist es im Vergleich zu anderen dem breiten Publikum weniger bekannt.

Virtuose Passagen

Dies zu ändern, hat sich die erst 18 Jahre alte Geigerin Anna Wassenberg zur Aufgabe gemacht. Durchaus erwachsen interpretiert sie die von slawischen Einflüssen geprägte Partie. Höchst virtuose Passagen bewältigt Wassenberg zumeist souverän, zeigt jedoch ihre wahre Stärke vor allem in den klangschönen Passagen des zweiten Satzes. Und das ist durchaus dem Werk entsprechend. Ist es doch jenes „Adagio“, das mit seiner opulenten Länge, die nicht nur mathematisch zentrale Rolle des Werkes einnimmt. Typisch für die Musik des Böhmen, und ganz besonders für seine sogenannte „slawische Periode“ sind die liedhaften Passagen, die Wassenberg formvollendet auszunutzen weiß.

Harmonisches Miteinander

Begleitet wird sie dabei vom Lingener Kammerorchester unter der Leitung von Lulzim Bucaliu. Dieser ist kein Freund großer Gesten. Nüchtern und souverän führt er seine Musiker durch die Partitur. Das ist gut für die junge Solistin und das Orchester. Entsteht so ein durchaus harmonisches Miteinander, welches meistens überzeugen kann.

Ouvertüre zum Schluss

Eine Ouvertüre an den Schluss eines Konzertes zu setzen ist ein gewisses Kuriosum, hat aber seinen Grund darin, dass mit der sogenannten „Unvollendeten“ von Franz Schubert ein Opus vorliegt, welches, wie der Name sagt, keinen eigentlichen Schlusssatz vorweist. Die Praxis, ein anderes Werk quasi als finalen Höhepunkt zu wählen, ist wohl der Angst entsprungen, dass das Publikum nicht mit einem langsamen Satz verabschiedet werden kann. Wie auch immer.

Rhythmische Probleme bei Brahms

Das Lingener Kammerorchester und Dirigent Bucaliu wählen Johannes Brahms‘ „Akademische Festouvertüre“ und erweisen sich selbst damit keinen Gefallen. Bucaliu hat alle Hände voll zu tun, die Grundfesten irgendwie zusammenzuhalten. Wenn auch einem Laienorchester die ein oder andere Schwäche zugestanden werden muss, sind es hier denn doch der Defizite zu viel. Zeigten vor allem die Hörner und einige andere Blechbläser in der vorangegangen Schubert-Sinfonie unüberhörbare Intonationsschwächen, so sind es nun bei Brahms vor allem rhythmische Probleme.

Gestaltung gelungen

Das ist schade, ist doch die Interpretation, soll heißen, die musikalische Gestaltung, gerade bei Schubert, durchaus als gelungen zu betrachten. Ernst in der Sache, forsch, wo es nötig, rhythmisch variabel zeigen die Lingener mit Hingabe einen guten Sinn für die Anforderungen der „Unvollendeten“, die doch eigentlich so vollendet scheint. Vielleicht wäre etwas mehr Vertrauen in diese Tatsache nötig, denn der lächelnd leichte sowie hoffnungsvolle, wenn auch unerfüllte Charakter des Schubert’schen „Adagios“ ist durchaus einem Konzertfinale würdig.


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