Am 14. Oktober in Lingen Gottesdienst nimmt verstorbene Obdachlose in den Blick

Das Thema Obdachlosigkeit und die Trauer um Verstorbene steht im Mittelpunkt eines Gottesdienstes am 14. Oktober in Lingen. Foto: ColourboxDas Thema Obdachlosigkeit und die Trauer um Verstorbene steht im Mittelpunkt eines Gottesdienstes am 14. Oktober in Lingen. Foto: Colourbox

Lingen. Ein Gottesdienst, der das Thema Obdachlosigkeit und die Trauer um verstorbene Freunde und Bekannte von Menschen in den Blick nimmt, die auf der Straße leben, ist in Lingen geplant. Er findet am Sonntag, 14. Oktober, in der Kirche St. Bonifatius statt. Dazu sind alle Bürger herzlich eingeladen.

Zur Vorbereitung des Gottesdienstes traf sich eine Gruppe junger Leute aus dem Team der Stadtgottesdienste mit Pastoralreferentin Eva Schumacher, Kaplan Kristian Pohlmann, Dekanatsreferent Holger Berentzen, Gabriele Becker vom SKM Lingen und Heinz Graver (Name von der Redaktion geändert) im Pfarrzentrum von St. Bonifatius. Graver hat über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg selbst die Erfahrung gemacht, ohne festen Wohnsitz zu sein. Was es bedeutet, „auf Platte zu sein“, wie dieser Zustand umgangssprachlich heißt, hat er hautnah erlebt.

Wenn sich Durchreisende in der Stadt Lingen aufhalten, nehmen sie häufig Kontakt zum Korczak-Haus des SKM an der Rheiner Straße auf. Das Haus und die dort tätigen Sozialarbeiter bieten Gespräche, Möglichkeiten zum Aufenthalt und zur Übernachtung an.

Gabriele Becker hatte bei diesen Gesprächen den Wunsch von Obdachlosen nach einem Gedenkgottesdienst für verstorbene Freunde und Bekannte vernommen, denen sie zuvor auf ihren Reisen von Ort zu Ort immer wieder einmal begegnet seien. Becker trug diesen Wunsch daraufhin an die Bonifatius-Kirchengemeinde und Pfarrer Thomas Burke heran. Dieser kontaktierte Berentzen, der mit dem Vorbereitungsteam der Stadtmesse und Pastoralreferentin Schumacher Verbindung aufnahm.

Die jungen Leute aus dem Vorbereitungsteam kommen aus den Kirchengemeinden der Pfarreiengemeinschaft Lingen-Süd. Neben der Besichtigung des Korczak-Hauses des SKM war der Gruppe auch das Gespräch mit Graver wichtig: Wie vielschichtig die Gründe für eine Obdachlosigkeit sein können, dass Betroffene auf ihren Wegen auch Freundschaften mit anderen Obdachlosen pflegen, dass Geschenke untereinander von großer Bedeutung sind: Dies alles erfuhr die Gruppe aus erster Hand.

„Abseits-Chor“

Graver ist froh, dass er inzwischen wieder einen festen Wohnsitz hat. Kürzlich hat er selbst einem Bekannten, der ohne Wohnsitz ist, Obdach gegeben. „Er rollte seine Isomatte vor dem Bett aus, im Bett wollte er nicht schlafen“, beschrieb er die Veränderungen, die das Leben auf der Straße verursachen.

Der Gottesdienst am 14. Oktober dient dazu, Betroffenen einen Raum zu geben und dabei auch jene einzubinden, die um verstorbene obdachlose Menschen trauern. Musikalisch wird er vom "Abseits-Chor“ aus Osnabrück mitgestaltet. Der Chor besteht vorrangig aus Besucherinnen und Besuchern der Osnabrücker Tageswohnung für wohnungslose Menschen, aktuell und ehemals Wohnungslosen, Menschen in schwierigen Lebenssituationen sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern der Tageswohnung und der Straßenzeitung „abseits“.



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN