Fünf weitere Stolpersteine Geboren in Lingen, ermordet in Auschwitz und Treblinka

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Für die vier Geschwister von Meyer Herz sind vor dem Standort des ehemaligen Hauses Herz an der Wilhelmstraße 21 (auf dem heutigen Parkplatz des Bonifatius-Hospitals) in Lingen bereits vier Stolpersteine verlegt worden. Am 18. September 2018 folgt ein Stolperstein für Meyer Herz. Foto: Carsten van BevernFür die vier Geschwister von Meyer Herz sind vor dem Standort des ehemaligen Hauses Herz an der Wilhelmstraße 21 (auf dem heutigen Parkplatz des Bonifatius-Hospitals) in Lingen bereits vier Stolpersteine verlegt worden. Am 18. September 2018 folgt ein Stolperstein für Meyer Herz. Foto: Carsten van Bevern

Lingen. Bislang erinnern in Lingen 44 sogenannte Stolpersteine an die Schicksale der in der Stadt geborenen jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Die vermutlich letzte Verlegung von fünf weiteren Stolpersteinen am Dienstag, 18. September, wird der Künstler Gunter Demnig daher persönlich vornehmen.

Erinnert werden wird auf diesen fünf Stolpersteinen an Mitglieder der Lingener Familien Os, Lewald, Herz und Moses. Genauer an Meyer Herz sowie Johanna Moses, Julia und Andreas Os und Johanna Lewald als Enkel des Ehepaares Elieser und Kreile Os. "Die Aktenlage für diese Personen ist sehr dürftig. Das spricht dafür, dass sie aus nicht so privilegierten Familien stammen", erklärten Anne Scherger und Benno Vocks, die gemeinsam die Verlegung organisiert sowie die Lebenswege der Personen erforscht haben, in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Für die vier Geschwister von Meyer Herz sind vor dem Standort des ehemaligen Hauses Herz an der Wilhelmstraße 21 (auf dem heutigen Parkplatz des Bonifatius-Hospitals) in Lingen bereits vier Stolpersteine verlegt worden. Am 18. September 2018 folgt dort ein fünfter Stolperstein für Meyer Herz. Foto: Carsten van Bevern

Die erste Verlegung wird am Dienstag, 18. September, um 9 Uhr an der Wilhelmstraße 21 stattfinden. Vor dem ehemaligen Haus Herz und dem heutigen Parkplatz des Bonifatius-Hospitals wird künftig ein Stolperstein an Meyer Herz erinnern. Für seine im Holocaust ermordeten Geschwister Clara, Johanna, Arthur und Joseph liegen dort bereits Steine.

Der am 28. August 1876 in Lingen geborene Meyer Herz war von Beruf Viehhändler und lebte mit seiner in Herzlake geborenen Frau Clara, geborene Süskind, in Kassel. Von dort aus wurden beide am 7. September 1942 mit einem sogenannten "Altentransport" nach Theresienstadt verschleppt und drei Wochen später in das nördlich von Warschau gelegene Vernichtungslager Treblinka gebracht und dort ermordet.

Mehrere Mitglieder der Familie Herz sind auf dem Jüdischen Friedhof in Lingen beigesetzt worden. Foto: Carsten van Bevern

Vier Stolpersteine sind für die im Holocaust umgekommenen Enkel des Ehepaares Elieser und Kreile Os. Diese waren Anfang des 19. Jahrhunderts aus den Niederlanden in das deutsche Grenzgebiet eingewandert. Beide sind auf dem Jüdischen Friedhof in Lingen beerdigt worden. "Ihre Grabsteine sind noch heute erhalten", erklärte Scherger, die auch die Geschichte dieses Friedhofs erforscht hat.

71 Grabsteine befinden sich aktuell auf dem Jüdischen Friedhof an der Weidestraße in Lingen. Der Vorsitzende des Forums Juden-Christen im Altkreis Lingen, Heribert Lange, bietet am Montag, 17. September 2018, ab 17 Uhr dort eine öffentliche Führung an. Foto: Carsten van Bevern

An der zweiten Station an der Burgstraße 49 wohnte ihr Sohn Bernhard Os mit seiner Familie. Der Gedenkstein erinnert an deren 1878 geborene Tochter Johanna, die am 23. Juli 1942 gemeinsam mit ihrem Mann Max Moses in das sogenannte "Altersghetto Theresienstadt" transportiert wurde und dort im Juli 1943 starb.

An der dritten Station wird an der Georgstraße 38 mit zwei Stolpersteinen an die Geschwister Julia und Andreas Os gedacht. Ihre Eltern wohnten dort auf dem Anwesen der früheren Gastwirtschaft Thiele. Die 1877 geborene Julia ist nach den Recherchen von Anne Scherger und Benno Vocks später wahrscheinlich bei Verwandten im niederländischen Almelo untergekommen, von dort im Oktober 1943 ins Lager Westerbork verschleppt und später in Auschwitz ermordet worden.

Elieser und Kreile Os sind Anfang des 19. Jahrhunderts aus den Niederlanden nach Deutschland eingewandert und auf dem Jüdischen Friedhof in Lingen beerdigt worden. Foto: Carsten van Bevern

Ihr 1891 geborener Bruder lebte in Essen und ging bereits 1935 wahrscheinlich zu Verwandten nach Enschede. Später lebte er im Untergrund, wurde entdeckt, kam im März 1944 nach Westerbork und wurde schließlich in Auschwitz ermordet.

Ganz in der Nähe wird künftig an der Georgstraße 57 an Johanna Lewald, geborene Os, erinnert. Wie ihre Eltern war sie später nach Hannover gezogen, hatte dort den Schlachter Ferdinand Lewald geheiratet und war mit ihm mit einem "Altentransport" nach Theresienstadt gebracht worden. Ihr Mann wurde dort ermordet, sie nach einem weiteren Transport am 11. Juli 1944 in Auschwitz.

Am 13. Dezember 2016 sind an der Lindenstraße 45 vor dem Hotel Altes Landhaus Stolpersteine für Ihno ten Brink und seine Mutter Rieckchen verlegt worden. Foto: Carsten van Bevern

Die von verschiedenen Sponsoren ermöglichte Verlegung der Steine wird jeweils rund 20 Minuten dauern, Schüler des Franziskusgymnasiums und vom Georgianum werden dabei an die jeweiligen Personen erinnern.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN