Schädling vermehrt sich rasant Viele Fichten in Lingen müssen wegen Borkenkäfern gefällt werden

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Förster Clemens Niers zeigt die Gänge, die der Borkenkäfer in diese Fichte gebohrt hat. Er hat den Baum mit einem roten Ring als Zeichen dafür, dass er gefällt werden muss, markiert. Foto: Wilfried RoggendorfFörster Clemens Niers zeigt die Gänge, die der Borkenkäfer in diese Fichte gebohrt hat. Er hat den Baum mit einem roten Ring als Zeichen dafür, dass er gefällt werden muss, markiert. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Die Wälder des südlichen Emslandes leiden in diesem Jahr unter einer besonders schweren Borkenkäferplage. Der heiße und trockene Sommer hat die Bäume gestresst und perfekte Bedingungen für den kleinen Käfer geschaffen, der nun ganze Waldabschnitte zerstört. Besonders betroffen sind unter anderem die Fichtenwälder in der Stadt Lingen, in denen jetzt viele Bäume gefällt werden müssen.

Clemens Niers, verantwortlicher Förster des Reviers Engelbertswald, blickt traurig auf die zahlreichen Fichten im Forstgebiet Herzford. Sie sind vom Borkenkäfer befallen. Viele der großen Bäume, die sein Vater als sein Vorgänger gepflanzt hat, seien nicht mehr zu retten. Bis der Wald wieder in dem Zustand vor der Plage sei, könnte es Jahre dauern. „Mein Nachfolger wird sich um den wiederaufgeforsteten Wald kümmern müssen“, sagt Niers.

Nachbarbäume häufig auch betroffen

Seine Aufgabe sei es jetzt, die betroffenen Fichten fällen zu lassen, damit nicht noch mehr Wald bedroht wird. „Ich habe festgestellt, dass rund 1400 von ungefähr 100.000 Fichten in meinem Gebiet von der Plage betroffen sind. So einen massiven Befall habe ich noch nie erlebt“, erklärt Niers. „Das Schlimme ist, dass es oft nicht reicht, nur die offensichtlich befallenen Bäume zu fällen. Oft sind auch die Nachbarbäume bereits betroffen.“

Erste Bäume sind im Revierabschnitt Herzford schon gefällt worden. Förster Clemens Niers untersucht sie auf einen möglichen Befall mit Borkenkäfern. Foto: Wilfried Roggendorf


In diesem Jahr hätten sich die Borkenkäfer aufgrund des trockenen und heißen Sommers besonders schnell vermehren können. „Normalerweise schützen sich die Bäume vor den Käfern, indem sie sie in Harz einschließen. Das war Ihnen in diesem Jahr nicht möglich, weil sie aufgrund des trockenen Wetters gar kein Harz mehr produzieren konnten“, sagt Niers. „Statt einer Generation Käfer haben wir deswegen in diesem Jahr schon die dritte.“

Mit Harz versucht die Fichte, sich gegen den Befall mit dem Borkenkäfer zu wehren. Doch in diesem trockenen Sommer kann sie nicht genug Harz produzieren und verliert den Kampf gegen den Holzschädling. Sie muss gefällt werden. Foto: Wilfried Roggendorf


Rote Nadeln, Bohrlöcher und Harztropfen

Wenn der Revierförster nach den befallenen Bäumen sucht, benutzt er auch ein Flugzeug. „So verschaffe ich mir einen Überblick über die betroffenen Stellen. Rot gefärbte Nadeln weisen meist auf einen Borkenkäfer-Befall hin“, erklärt Niers. Vom Boden aus erkenne man die Bäume außerdem an Harztropfen auf der Rinde, Bohrlöchern und einem massiven Verlust von grünen Nadeln.

Vom Flugzeug aus verschafft sich Clemens Niers einen Überblick über die befallenen Bäume. Aus der Luft kann er die wegen des Borkenkäfers rot-braun verfärbten Nadeln gut erkennen. Foto: Clemens Niers


Schon 200 Käfer können das Ende eines Baumes bedeuten

Niers nimmt eine Machete und schält ein Stück eines befallenen Baumes ab. Er findet das Nest eines Borkenkäfers. „Jeder Käfer, der sich in einen Baum bohrt, lockt drei Weibchen an und vermehrt sich“, erläutert Niers und zeigt, wo der Käfer bereits seine Larven abgelegt hat, die als kleine weiße Punkte zu erkennen sind. Um einen Baum zu vernichten, brauche es je nach Größe der Fichte nur rund 200 Käfer, die sich in die Rinde  bohren und sich dort vermehren.

Die Larven des Borkenkäfers sind als weiße Punkte zu erkennen. In einem trockenen Sommer wie in diesem Jahr können die Käfer sich in drei Generationen vermehren. Foto: Wilfried Roggendorf


Niers hat in dem Nest einen der Übeltäter gefunden, einen Buchdrucker, eine Unterart des Borkenkäfers. Er ist nur rund fünf Milimeter groß. „Buchdrucker findet man meistens am Stamm eines Baumes, während zum Beispiel der Kupferstecher eher in der Baumkrone sitzt“, erklärt der Revierförster.


Beim Buchdrucker handelt es sich um eine Unterart des Borkenkäfers. Er ist rund fünf Milimeter groß und greift Fichten vorwiegend im unteren Bereich des Stammes an. Foto: Wilfried Roggendorf


Die einzige Möglichkeit für Niers und seine Kollegen, den Baumbestand zu retten, sei es, befallene Bäume zu fällen und möglichst weit aus dem Wald zu entfernen, damit die Käfer keine weiteren Bäume angreifen. „Am besten wäre es, wenn wir das Holz direkt zum Sägewerk bringen könnten. Allerdings sind diese derzeit überlastet mit dem Holz von den Sturmschäden, die Friederike Anfang des Jahres hinterlassen hat“, erklärt Niers. „Für uns ist das Problem mit dem Borkenkäfer deswegen vor allem ein wirtschaftliches.“ Derzeit gebe es ein Überangebot an dicken Fichten auf dem Markt, der Preis für einen Festmeter sei um zehn Euro auf 70 Euro gefallen. „Wir schätzen des bisherigen Schaden durch den Borkenkäfer auf rund 100.000 Euro“, sagt der Revierförster. Und er befürchtet, dass der Preis für Fichtenholz noch weiter fallen wird.

Trockener und milder Winter könnte die Lage verschlimmern

Das Schlimmste stehe aber vielleicht noch bevor. „Je nachdem, wie der Winter wird, können wir im Frühjahr einen Befall mit noch größerem Ausmaß als in diesem Jahr erwarten“, sagt Niers. Sollte der Winter relativ trocken und mild werden, könnten viele Käfer überleben und im nächsten Jahr noch heftiger zuschlagen.


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