Verwaltung kündigt rechtliche Schritte an Pornoseite greift Neugeborenen-Daten von Webseite der Stadt Lingen ab

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Die Daten von Kindern, die im Juni und Juli 2018 in Lingen geboren wurden, sind von Unbekannten abgegriffen worden, um eine Pornoseite in Suchmaschinen besser auffindbar zu machen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpaDie Daten von Kindern, die im Juni und Juli 2018 in Lingen geboren wurden, sind von Unbekannten abgegriffen worden, um eine Pornoseite in Suchmaschinen besser auffindbar zu machen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Lingen. Eine pornografische Webseite hat die Namen und Adressen von Neugeborenen abgegriffen, die auf der Internetseite der Stadt Lingen in der Familienchronik veröffentlicht sind. Die Stadtverwaltung hat dies bestätigt, bei der Polizei sind bis Donnerstagnachmittag mindestens zwei Anzeigen gegen Unbekannt eingegangen.

Wo wohnt noch einmal die Mutter vom neugeborenen Mäxchen? Wer mit einer solch alltäglichen Frage die Google-Suche betraut, der erhält in Lingen und Umgebung dieser Tage ein überraschendes wie unangebrachtes erstes Ergebnis: eine Pornoseite, die in Tokelau (Neuseeland) registriert ist und die nach einem Klick auf das Suchergebnis unverbindliche Liebesspiele mit Frauen aus der eigenen Umgebung verspricht.

Stadt-Seite offenbar kopiert

Eine direkte Eingabe des Links (www.yasiaminas. tk; sollte ohne Sicherheitsvorkehrungen nicht aufgerufen werden) führt auf eine Kopie der städtischen Internetseite, auf der statt der normalen Überschriften Hinweise auf Dating-Seiten, Hacker-Dienste oder pornografisches Material eingepflegt sind. Die städtische Internetseite www.lingen.de ist weiterhin normal abrufbar; offenbar wurde mit einer Kopie der Seite Schindluder getrieben. Die Unterseite der offiziellen Stadt-Internetpräsenz, von der die Daten gezogen worden sind, ist derzeit jedoch nicht am Netz. Bislang waren dort immer Vorname, Name, Geburtsdatum und Adresse der Neugeborenen aufgeführt.

Auf Seite selbst nicht sichtbar

Das freiwillige Angebot der Stadt, die Namen aller in Lingen gemeldeten und geborenen Kinder bei Einverständnis der Eltern zu veröffentlichen, haben die unbekannten Betreiber - höchstwahrscheinlich über einen „Datenklau“-Automatismus - genutzt, um die Daten der Kinder im Hintergrund der Pornoseite einzupflegen. Dadurch soll diese Seite besser von Suchmaschinen wie Google auffindbar gemacht werden. Offenbar wurden in diesem Fall sämtliche (geschriebenen) Inhalte der Familienchronik-Unterseite der städtischen Webseite „gezogen“. Auf der Pornoseite selbst sind die geklauten Daten nicht sichtbar, sie werden offenbar "nur" auf jener Programmierebene genutzt, die von Google angesteuert wird.

Neugeborene von Juni und Juli 2018 betroffen

Die Stadt Lingen bestätigte unserer Redaktion auf Anfrage, dass nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Verwaltung die Daten der Kinder betroffen sind, die im Juni und Juli 2018 in Lingen geboren wurden. Dies können Neugeborene aus der Stadt selbst sein oder aus Umlandgemeinden, die im Bonifatius-Hospital zur Welt kamen. Die Eltern haben ihre Einverständnis zur Veröffentlichung in der Familienchronik gegeben.

Stadt kündigt rechtliche Schritte an

In ihrer schriftlichen Stellungnahme betont die Stadt Lingen, dass die entsprechende externe Seite mit "obszönen Inhalten" mittlerweile für www.lingen.de gesperrt worden ist. Dadurch kann die in Tokelau registrierte Webseite nicht mehr auf die städtische Präsenz zugreifen. Zudem hat die Stadt den "Missbrauch über Google angezeigt" und wird rechtlich gegen die missbräuchliche Nutzung vorgehen. Auch werde geprüft, ob sich solche Fälle auf technischem Wege verhindern lässt.

Betroffene können Missbrauch melden

Dass die Sperrung dieser einen Webseite zukünftig einen ähnlich gelagerten Datenklau verhindert, ist unwahrscheinlich. Die Betreiber solcher Webseiten wechseln oftmals die (virtuelle) Herkunft ihrer Seiten. Gleichwohl kann Missbrauch solcher Daten bei Google aufgezeigt werden, wie dies die Stadt Lingen getan hat. Dies kann auch jeder Betroffene bei Google via Online-Eingabe versuchen; der Internetriese geht mit der Löschung von Daten jedoch recht sparsam um - immerhin sind Daten und das Auffinden dieser sein größtes Kapital. Zudem bleiben Daten meist im Internet, selbst wenn sie via Google nicht mehr auffindbar sind.

Polizei prüft strafrechtliche Relevanz

Bei der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim in Lingen sind unterdessen mindestens zwei Anzeigen gegen Unbekannt im Zusammenhang mit dem Datenklau von der städtischen Webseite gestellt worden. Das hat Pressesprecher Dennis Dickebohm auf Anfrage unserer Redaktion am Donnerstagnachmittag bestätigt. Es könne sein, dass sich weitere Anzeigen noch "im Geschäftsgang" der Polizei befänden, betonte er. "Aktuell sind die Anzeigen als sonstige Ereignisse vermerkt worden", erklärt Dickebohm. Die Polizei prüfe derzeit, welche strafrechtliche Relevanz diese Fälle haben. Diese Frage konnte bislang noch nicht eindeutig geklärt werden.


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