Unterbringung in Entziehungsanstalt Amtsgericht Lingen: Mann griff mit 4,4 Promille Krankenschwester an

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Zwei Wochen, nachdem er einen Jugendlichen mit einem Messer verletzte, griff ein heute 20-Jährgier extrem alkoholisiert eine Krankenschwester an. Nun schickte ihn das Amtsgericht Lingen in eine Entziehungsanstalt. Foto: imagoZwei Wochen, nachdem er einen Jugendlichen mit einem Messer verletzte, griff ein heute 20-Jährgier extrem alkoholisiert eine Krankenschwester an. Nun schickte ihn das Amtsgericht Lingen in eine Entziehungsanstalt. Foto: imago

Lingen Zwei Wochen, nachdem er einen Jugendlichen mit einem Messer verletzte, griff ein heute 20-Jährgier extrem alkoholisiert eine Krankenschwester an. Nun schickte ihn das Amtsgericht Lingen in eine Entziehungsanstalt.

Eine Jugendstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: So lautet das noch nicht rechtskräftige Urteil des Jugendschöffengerichts am Amtsgericht Lingen gegen den Angeklagten, der bereits wegen anderer Delikte unter Bewährung stand. Unter Einbeziehung eines vorangegangenen Urteils wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit sowie wegen vorsätzlichen Vollrausches schuldig gesprochen.

Jugendlichen mit Messer verletzt

In einer Märznacht 2017 hat der damals 18-jährige Angeklagte unter Alkohol- und Drogeneinfluss einen Jugendlichen in Spelle mit einem Messer attackiert und im Lendenbereich oberflächlich verletzt. Von schlimmeren Verletzungen blieb der Geschädigte auch deshalb verschont, weil die Klinge des Messers verbogen war. Dem Angriff vorausgegangen war ein Streit um ein verlorenes Handy, eine Blutprobe ergab beim Angeklagten einen Wert von 2,1 Promille.

Krankenschwester im Vollrausch attackiert

Mit sogar 4,4 Promille Alkohol im Blut ist der 20-Jährige nur gut zwei Wochen später als ohnmächtige Person mit einem Rettungswagen in ein Rheiner Krankenhaus gebracht worden. Der auf einem Behandlungstisch liegende Angeklagte erwachte plötzlich aus seinem komatösen Zustand und attackierte eine Krankenschwester: Er zerrte heftig an ihren Haaren, versetzte ihr Faustschläge und spuckte in ihr Gesicht. Erst herbeigerufene Krankenhausmitarbeiter konnten den Mann überwältigen. Die Krankenschwester musste sich in der Folge auch in psychologische und physiotherapeutische Behandlung begeben. Über ein halbes Jahr war sie in ihrer Berufstätigkeit eingeschränkt. Während ihrer Zeugenaussage wurde deutlich, wie sehr die Frau noch heute unter dem Erlebten leidet.

Zwei Therapien abgebrochen

Der Angeklagte hat Anfang 2018 eine Entgiftung sowie eine stationäre Drogenentwöhnungstherapie begonnen. Die Entgiftung musste er vorzeitig abbrechen, weil er einen Schokoriegel gestohlen hatte – ebenso die Therapie, weil sein impulsives Verhalten nicht tolerierbar war. Dennoch hat er anhand von Urinkontrollen nachgewiesen, seit Mitte Februar 2018 keine Drogen mehr konsumiert zu haben. Alkohol trinkt er weiterhin, denn damit „habe ich kein Problem“.

Keine guten Aussichten ohne Therapie

Ein Sachverständiger schloss in seinem Gutachten bezüglich der Messertat im Alkohol- und Drogenrausch eine verminderte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten nicht aus, bezüglich der Tat im Krankenhaus schloss er aufgrund der extrem hohen Alkoholwertes im Blut des 20-jährigen einen Vollrausch nicht aus. „4,4 Promille überlebt nur ein Mensch, der erheblich alkoholtrainiert ist“, sagte der Gutachter. Er sah die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt als gegeben. Er verwies darauf, dass es einigen Suchtkranken unter einem gewissen Druck wie einer bevorstehenden Gerichtsverhandlung durchaus willentlich gelingen könne, einige Zeit clean zu bleiben. Aber aller Erfahrung nach gelinge dies auf Dauer nicht ohne Therapie. Wenn der Angeklagte rückfällig werde, sei mit erheblicher Aggressivität zu rechnen, so der Gutachter, der eine langfristige stationäre Therapie empfahl.


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