Auf Antrag der Grünen Lingener Politik diskutiert über Brand bei Hagedorn

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Ein Brand hat am 5. Juli 2018 einen Teil des Nitrocellulose-Lagers der Lingener Chemiefirma Hagedorn zerstört. Foto: Hermann BojerEin Brand hat am 5. Juli 2018 einen Teil des Nitrocellulose-Lagers der Lingener Chemiefirma Hagedorn zerstört. Foto: Hermann Bojer

Lingen. In der jüngsten Sitzung des Lingener Umweltausschusses haben Vertreter des Unternehmens, der Gewerbeaufsicht und der Feuerwehr über das Feuer beim Chemieunternehmen Hagedorn im Ortsteil Schepsdorf informiert. Dort hat am 5. Juli 2018 ein Teil des Nitrocellulose-Lagers gebrannt.

"Wir waren betroffen, verärgert und wütend", erklärte Grünen-Ratsherr Michael Fuest, warum seine Fraktion eine Behandlung des Themas im Umweltausschuss gefordert habe. Immer wieder komme es bei Hagedorn zu Zwischenfällen. "Es muss weiter unser Ziel sein, den Betrieb zu verlegen", sagte Fuest. Es gehe nicht darum, den Betrieb zu gefährden, aber die Sicherheit der Bevölkerung gehe vor.

Brandursache steht noch nicht fest

Jürgen Bobe, stellvertretender Leiter des Gewerbeaufsichtsamtes (GAA) Osnabrück, sagte, dass die Ermittlungen der Polizei zur Brandursache noch nicht abgeschlossen seien. Ein hierzu in Auftrag gegebenes Sachverständigengutachten stehe noch aus. "Welche Maßnahmen als Konsequenz aus dem Brand getroffen werden müssen, hängt vom Ergebnis dieses Gutachtens ab", erklärte Bobe. Die Gewerbeaufsicht überwache das Unternehmen alle anderthalb Jahre systematisch. Die letzte Überprüfung am 18. April 2018 habe keine Mängel ergeben. Dies gelte auch für eine Explosionsschutz-Prüfung des Tüv im Januar 2018.

Siebenstelliger Betrag in Sicherheitstechnik investiert

Rund 14 Tonnen Nitrocellulose seien am 5. Juli verbrannt, sagte Gerd Hoffmann, Geschäftsführer der Hagedorn NC GmbH. Insgesamt seien rund 500 bis 600 Tonnen des Materials im Werk gelagert. Hoffmann betonte, dass seit 2012 rund 4,5 Millionen Euro in das Werk Schepsdorf investiert worden seien. Dabei sei auch ein siebenstelliger Betrag in die Sicherheitstechnik geflossen. Seit Oktober 2017 befindet sich das Unternehmen nicht mehr in der Insolvenz. "Wir müssen wirtschaftlich arbeiten, aber nicht zu Lasten der Sicherheit", erklärte der Hagedorn-Geschäftsführer.

Regelmäßige Begehungen durch die Feuerwehr

Stadtbrandmeister Ralf Berndzen erklärte, die Feuerwehr sei bei einem Störfallbetrieb wie Hagedorn zu regelmäßigen Begehungen verpflichtet. Zudem habe im März 2017 eine Übung mit allen sechs Lingener Ortsfeuerwehren in dem Werk stattgefunden. "Diese hat uns bei den Löscharbeiten im Juli geholfen", versicherte Berndzen. Hoffmann bestätigte die regelmäßige Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Seine Aussage "Die Feuerwehr kennt unseren Betrieb aus dem Eff-Eff" sorgte jedoch für gequältes Gelächter im Umweltausschuss. CDU-Ratsherr Günther Reppien, Berndzens Vorgänger als Stadtbrandmeister, sagte, dass nach den Bränden in den 1990er-Jahren im Hagedorn viel gemacht worden sei. "Die danach erfolgte Einteilung in Brandabschnitte hat jetzt eine weitere Ausbreitung des Brandes verhindert", erklärte Reppien.

Absage an Wunsch nach Verlegung

Hoffmann erteilte der von Fuest angeregten Verlagerung des Unternehmens eine klare Absage: "Dies würde 40 bis 50 Millionen Euro kosten. Das Geld haben wir nicht", sagte der Hagedorn-Geschäftsführer. Ratsherr Thomas Brümmer (CDU) erkundigte sich nach einer möglichen Gefährdung der Bevölkerung beim jüngsten Brand. Zudem wollte der Christdemokrat wissen, wie die Häufigkeit der Zwischenfälle bei Hagedorn im Verhältnis zu vergleichbaren Betrieben zu bewerten sei.

Keine Zwischenfälle in vergleichbarem Betrieb

Bobe vom GAA Osnabrück erklärte, dass beim Brand keine Gefährdung der Bevölkerung festgestellt worden sei. Es gebe in Deutschland nur noch einen weiteren Betrieb, das Unternehmen Dow-Chemical in Walsrode, das Nitrocellulose herstelle. Dieses falle jedoch in die Zuständigkeit des GAA Celle. Wie eine Nachfrage unserer Redaktion beim zuständigen Landkreis Heidekreis ergab, ist es bei Dow Chemical in den letzten Jahrzehnten zu keinen Zwischenfällen gekommen. "Das ist seit 30 Jahren kein Thema. Von Bränden und Explosionen ist das Unternehmen weit entfernt", erklärte ein Sprecher des Heidekreises.

Bendick: Bevölkerung muss in Umgebung des Werks wohnen können

Sozialdemokrat Bernhard Bendick erklärte, auch seine Fraktion sei für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Hagedorn. Trotzdem müsse die Bevölkerung in der Umgebung weiter wohnen können. Ein solches klares Bekenntnis zur Bevölkerung fehle in den Ausführungen Hoffmanns.


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