Der erste Fallschirmsprung Mit 80 Jahren und 200 km/h der Erde entgegen

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Der Neu-Lingener Manfred Sandow hat mit 80 Jahren mit seinem Enkel Phillip Brinker ("Flippo") auf dem Flugplatz "Hungriger Wolf" in Itzehoe bei Hamburg seinen ersten Tandem-Fallschirmsprung absolviert. Der freie Fall aus 4000 Metern Höhe dauerte rund 50 Sekunden, danach schwebten beide 4 bis 5 Minuten am Fallschirm der Erde entgegen. Foto: Phillip BrinkerDer Neu-Lingener Manfred Sandow hat mit 80 Jahren mit seinem Enkel Phillip Brinker ("Flippo") auf dem Flugplatz "Hungriger Wolf" in Itzehoe bei Hamburg seinen ersten Tandem-Fallschirmsprung absolviert. Der freie Fall aus 4000 Metern Höhe dauerte rund 50 Sekunden, danach schwebten beide 4 bis 5 Minuten am Fallschirm der Erde entgegen. Foto: Phillip Brinker

Itzehoe. Einmal die Welt von oben mit ganz anderen Augen sehen. Für Manfred Sandow ging dieser Wunsch jetzt bei einem Tandem-Fallschirmsprung mit seinem Enkel Phillip Brinker in Erfüllung. Als Geschenk zu seinem 80. Geburtstag.

"Dass mein Enkel so gerne mit dem Fallschirm springt, das kann ich jetzt noch besser verstehen. Es ist einfach klasse und das Schönste, so frei über den Wolken zu schweben." Auch knapp zwei Wochen nach seinem ersten Tandem-Fallschirmsprung ist der Anfang des Jahres von Schale nach Lingen gezogene Manfred Sandow noch ganz begeistert von diesem Erlebnis. 


Mit 80 Jahren sprang Manfred Sandow am 23. August 2018 zum ersten Mal und gemeinsam mit seinem Enkel Phillip Brinker mit einem Fallschirm ab. Es war ein Geschenk seiner Familie (von links) Manfred Sandow und seine Frau Anna, seine Tochter Conni und Schwiegersohn Ulli Brinker. Foto: Carsten van Bevern


Ermöglicht hat ihm diesen Adrenalin-Kick seine Familie. "Am 9. Juli hat mein Vater seinen 80. Geburtstag gefeiert. Und da haben wir uns überlegt, ihm gemeinsam einen solchen Tandemsprung zu schenken", berichtet Conni Brinker. Sie selber ist bereits vor zwei Jahren mit ihrem Sohn über Schleswig-Holstein geschwebt. Ihr Mann, der Lingener Extrem-Radsportler Ulli Brinker, bereits zwei Mal. Auch für sie beide sei es jeweils "ein ganz außergewöhnliches Ereignis" gewesen.


Der Neu-Lingener Manfred Sandow hat mit 80 Jahren mit seinem Enkel Phillip Brinker ("Flippo") auf dem Flugplatz "Hungriger Wolf" in Itzehoe bei Hamburg seinen ersten Tandem-Fallschirmsprung absolviert. Für jeden gibt es vor dem Sprung eine 20-minütige Einweisung. Foto: Ulli Brinker


Manfred Sandow und seine Frau Anna waren auch schon vor zwei Jahren beim Besuch ihres Enkels auf dem Flugplatz  und beim Tandemsprung ihrer Tochter und ihres Schwiegersohnes dabei. "Kurz zuvor war ich aber gestürzt und habe mir meinen linken Fuß verletzt, da wollte ich lieber nicht springen. Die Landung war mir nicht geheuer, das Risiko wollte ich nicht eingehen."  Zwei Jahre später war die Überraschung zu seinem runden Geburtstag aber gelungen. Kurz habe er überlegt, sich den Sprung nun aber zugetraut und "sofort darauf gefreut, die Landschaft zwischen Nord- und Ostsee einmal aus der Luftperspektive entdecken zu können".


Nicht aufgeregt, aber konzentriert ist Manfred Sandow auf dem Weg zum Flugzeug, einer speziell umgebauten Cessna Caravan 208. Foto: Phillip Brinker


Eineinhalb Monate später war es soweit. Gemeinsam fuhren alle nach Hamburg und schließlich weiter zum Flugplatz "Hungriger Wolf" bei Itzehoe, den man von Hamburg aus in einer guten dreiviertel Stunde erreichen kann. In der von April bis Oktober dauernden Sprungsaison ist Phillip Brinker schon seit einigen Jahren fast jedes Wochenende dort zu finden. Nachdem eine Freundin 2011 sein Interesse am Fallschirmspringen geweckt hatte, ist er seit 2012 von diesem Sport begeistert. 1710 Sprünge stehen inzwischen in seinem Logbuch.


Im Absetzflugzeug geht es hinauf bis auf 4000 Meter. Die Spannung steigt. Foto: Phillip Brinker


"An normalen Wochenenden springe ich so 15 bis 20 Mal. Das ist für mich die totale Entspannung. Dort oben ist kein Raum für Probleme oder negative Gedanken. Das ist inzwischen für mich mehr als ein Hobby. Es ist eher eine Leidenschaft, ein Lebensgefühl", erklärt der gebürtige Lingener in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Seit einigen Jahren arbeitet er als Tourneebooker in Hamburg und somit ist der schön gelegene Flugplatz in Itzehoe und der Verein YUU Skydive Fallschirmsport seine sportliche Heimat geworden. Nach seiner Ausbildung zum Tandemmaster verdient er damit inzwischen auch Geld. "Diese Honorare investiere ich aber direkt in neue Ausrüstung. Oder aber im Winterhalbjahr in Sprungreisen in die USA oder Länder auf der Südhalbkugel." 


Aus 3000 bis 4000 Metern wird gesprungen, der freie Fall dauert rund 50 Sekunden, danach schwebten beide 4 bis 5 Minuten am Fallschirm der Erde entgegen. Foto: Phillip Brinker


Nun also ein Sprung mit seinem Großvater. "Dass mein Opa den Sprung ohne Probleme absolvieren würde, habe ich mir schon gedacht. Er war auch ausgesprochen locker, gar nicht aufgeregt und mehr gespannt darauf, was ihn erwarten würde", erinnert er sich an den 23. August. Eine Altersbegrenzung nach oben gibt es für Tandemsprünge auch nicht. Man sollte nur körperlich fit sein, nicht unter starken Herz- und Kreislaufschwächen oder extremen Rückenproblemen leiden, maximal 95 Kilogramm wiegen und mindestens 1,40 Meter groß sein. "Der Mitspringer sollte nur bei der Landung seine Beine hochnehmen können, da wir meist auf dem Po landen", ergänzt Brinker, der auch schon einmal mit einer Rollstuhlfahrerin gesprungen ist. 


Bei der Landung müssen die Beine angehoben werden, denn gelandet wird meist auf dem Po. Foto: Ulli Brinker


An diesem ganz besonderen Tag für seinen Opa war es sehr warm und es war gutes Flugwetter, nur etwas diesig. Schließlich erfolgte die Freigabe. Manfred Sandow erhielt noch einen Spezialoverall, Lederkappe, eine Sprungbrille und wie jeder Tandemspringer eine 20-minütige Einweisung. Mit einer Cessna 208 Caravan ging es in 20 Minuten schließlich hinauf in 4000 Meter Höhe. Schon an den Flug erinnert er sich gerne. "Ein tolles Erlebnis. Ganz anders, als in so einem Ferienflieger nach Mallorca zu fliegen." Dann war es soweit. Als letztes Tandempaar "rutschten" sie aus der Maschine. Die 50 Sekunden freier Fall mit bis zu 200 km/h vergingen sprichwörtlich "wie im Fluge" – für Sandow fühlte sich die Zeit eher wie vier oder fünf Sekunden an. "Das ist ganz normal beim ersten Sprung. Aus einem funktionierenden Flugzeug zu springen, das ist nicht normal meldet das Gehirn. Das ist Adrenalin pur", erklärt der erfahrene Tandemspringer.


Entspannung nach dem Sprung: Brinker springt seit 2012, aktuell stehen 1710 Absprünge in seinem Logbuch. Foto: Ulli Brinker


Schließlich öffnet sich der Schirm und beide schweben vier bis fünf Minuten ganz entspannt der Erde entgegen und nicht nur Manfred Sandow lässt entspannt den Blick schweifen. "An nicht so diesigen Tagen kann man gleichzeitig die Nord- und Ostsee, die Elbmündung mit dem Airbus-Werk und manchmal auch die Skyline von Hamburg sehen", berichtet Phillip Brinker. Aus diesem Grund kann sich auch sein Großvater einen weiteren Fallschirmsprung gut vorstellen. "Einen solchen Ausblick möchte ich auch gerne noch einmal haben."


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