Spielerinnen gesucht Probetraining in Lingen: "Football ist Schach mit Kühlschränken"

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Letzte Anweisungen vom Coach, bevor es beim Training der Meppen Titans für die Damen und die Jugend an die nächste Übung geht. Foto: Jessica LehbrinkLetzte Anweisungen vom Coach, bevor es beim Training der Meppen Titans für die Damen und die Jugend an die nächste Übung geht. Foto: Jessica Lehbrink 

Lingen. Seit drei Jahren hat sich in Meppen der American Football etabliert. Dabei kann es auch etwas rauer zur Sache gehen. Noch lange kein Grund, um abgeschreckt zu sein, verrät Karsten Rolfes von den Meppen Titans. Er ist Headcoach der Frauenmannschaft, die sich wie die Jugend noch im Aufbau befindet. Die Redaktion war bei einem Probetraining in Lingen dabei.

Einige Runden um den Platz, rückwärts und seitwärts laufen, in die Hocke, auf und ab: Nach einigen Minuten stehen die ersten Schweißperlen auf der Stirn. Die Wangen werden rot. Das Aufwärmen ist die Basis. Später folgen dann einige Drills wie Positionstraining und einzelne Spielzüge. Es ist das Probetraining der Meppen Titans, genauer gesagt der Jugend und der Damen – allerdings nicht wie gewohnt in Hemsen bei Meppen. Trainiert wird heute im Lingener Emslandstadion.


Es ist ein neues Konzept, das in den nächsten Tagen und Wochen ausprobiert wird. Den Lingener Teammitgliedern der Jugend und anderen Interessierten soll somit der längere Weg nach Meppen erspart bleiben, erklärt Jugendtrainer Christian Dudek. Er erlebt mit dem Herrenteam derzeit eine tolle Saison. Neun von zehn Spielen haben die Meppen Titans gewonnen und sind somit Meister der Landesliga Nord in der Gruppe C. Die Playoffs werden nun darüber entscheiden, ob die Männer von der sechsten in die fünfte Liga aufsteigen. Karsten Rolfes zeigt sich optimistisch.

Zu wenige Frauen

Heute überlässt er das Training den anderen Coaches, gibt hier und da ein paar Hinweise am Rande. „Momentan sind es bei den Trainings der Frauen vielleicht acht Leute. Das ist zu wenig“, sagt der 30-Jährige, der seit Stunde eins bei den Meppen Titans spielt. Seine Position: Wide Receiver. Er soll in der Endzone für die nötigen Punkte mit einem Touchdown sorgen. „Der Sport begeistert mich einfach und ich fühle mich aufgehoben. Es vergeht eigentlich kein Tag ohne Football“, schwärmt die Spielnummer 13 über seine Leidenschaft.


Beim Probetraining der Meppen Titans am 3. September in Lingen trainierten die Damen zusammen mit der Jugend. Foto: Jessica Lehbrink

Insbesondere bei den Frauen gestaltet sich die Nachwuchsförderung jedoch nicht ganz einfach. „Es ist schwierig, Frauen für diesen Sport zu begeistern. Ich glaube, viele sind davon abgeschreckt, dass es ein Körperkontaktsport ist“, meint Rolfes. Dabei sei die Verletzungsgefahr nicht größer als bei anderen Sportarten wie beispielsweise Fußball. Bestimmte Voraussetzungen müssen nicht mitgebracht werden, erklärt Rolfes: „Es ist ein Sport für jeden – egal ob dünn oder dick, groß oder klein.“ Viel wichtiger noch: Es ist kein Spiel, das lediglich daraus besteht, einen Ball zu fangen und seinen Gegner umzustoßen oder ihm auszuweichen. Es sei anspruchsvoll und taktisch. „Football ist wie Schach mit Kühlschränken“, zitiert Rolfes den Sport- und Showmoderator Frank „Buschi“ Buschmann.


"Ready! Set! Hut!": Auch die Frauen müssen beim Training der Meppen Titans alles geben, so wie Lisa Eikens, die sich in die Schaumstoffpolsterung wirft. Foto: Jessica Lehbrink


Noch immer läuft das Training. Nun wird geübt, den Ball zu fangen, ihn in einer bestimmten Position festzuhalten, auch wenn dabei ein Hindernis auf den Spieler wartet. In diesem Fall sind es Schaumstoffpolster, die von Spielern des Herrenteams gehalten werden und auf die „mit ordentlich Wums“ zugerannt wird. „Ready! Set! Hut!“, ruft Rolfes, der sich nun doch aktiver beteiligt und den Ball den Trainierenden zuwirft. Bei manchen müssen die erfahrenen „Schaumstoffträger“ ordentlich pusten und sogar einige Schritte nach hinten weichen. Andere wiederum rennen noch etwas zaghafter auf das Hindernis zu.

Großer Teamzusammenhalt

Was besonders auffällt: Trotz frecher Sprüche und manchem Hieb von der Seite, scheinen viele wie eine große Familie, und das, obwohl einige sich erst seit ein paar Monaten kennen. Das ist auch das, was Football ausmacht, sagt Lisa Eikens aus Stavern: „Wer echten Teamzusammenhalt erleben will, der sollte Football spielen.“ Im Team hat sie einige Freunde gefunden, mit denen sie privat viel unternimmt – auch mit den Männern. „Ich habe schon immer gerne Football geguckt und es interessant gefunden. Als ich dann über Facebook auf eine Frauenmannschaft aufmerksam wurde, bin ich einfach mal zum Probetraining gegangen – und es hat mir Spaß gemacht“, betont Eikens. Gestärkt werden soll der Teamgeist auch zum Ende des Trainings. Dann gibt es nicht nur Rückmeldung von den Coaches, sondern auch einen sogenannten Huddle, für den alle im Kreis zusammenkommen und den Namen der Mannschaft stolz hinausbrüllen.

Wer sich für American Football interessiert und sich darin einmal ausprobieren möchte, den heißen die Coaches der Meppen Titans beim Training willkommen: Die Männer trainieren dienstags und donnerstags von 20 bis 22 Uhr (Hemsen), die Jugend dienstags und donnerstags (Hemsen) sowie montags und mittwochs (Lingen) von 18 bis 20 Uhr, die Frauen montags und mittwochs von 19 bis 21 Uhr (Hemsen). Kontakt kann über Facebook sowie per Mail an info@meppen-titans.de aufgenommen werden.


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