Galakonzert in der Boni-Kapelle Hector Olivera bietet in Lingen Orgelklang auf Weltniveau

Von Sebastian von Melle

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Maestro Hector Olivera spielte in der Kapelle des Bonifatius-Hospitals Lingen ein Orgelkonzert auf Weltniveau. Foto: Sebastian von MelleMaestro Hector Olivera spielte in der Kapelle des Bonifatius-Hospitals Lingen ein Orgelkonzert auf Weltniveau. Foto: Sebastian von Melle

Lingen. Der weltweit gefeierte Organist Maestro Hector Olivera aus den USA hat bei seinem Galakonzert am 31. August 2018 das Bonifatius-Hospital Lingen in eine „Emsphilharmonie“ verwandelt. Mit seiner spieltechnischen Perfektion sorgte er bei den 140 jungen und älteren Zuhörern für Freudentränen und stehende Ovationen.

Olivera ist ein Ausnahmetalent. 1946 in Buenos Aires geboren, ging es früh mit seiner Karriere steil bergauf. Los Angeles, Atlanta, London, Paris: diszipliniert, quicklebendig und unerhört vielseitig versteht er es, große und kleine Säle mit Wohlklang zu füllen, er zaubert in Kathedralen und Kapellen. Ob digitale oder Pfeifenorgel: In beiden Welten ist Olivera souverän, sodass die 2017 geweihte Lingener Hybrid-Orgel das perfekte Instrument für ihn war. Hier treffen 61 Pfeifen aus Zinn auf etwa 280 Orgel- und Orchesterstimmen, perfekt getunt und aufeinander abgemischt.


Unterstützt wurde Hector Olivera von seinem Talisman, dem grünen Frosch Harry Helmut. Foto: Sebastian von Melle


Mit der beeindruckend rauschenden Toccata des Kanadiers Denis Bédard eröffnete Olivera den Abend in federnder Rhythmik. Der Spieltisch stand vor dem Altar, so konnte das Publikum in die Noten und vor allem auf die flinken Hände und Füße des Maestros schauen. Ein Programmheft gab es nicht, denn der Künstler entschied die Auswahl der Stücke spontan. Nach dem Cantabile op. 37,1 von Joseph Jongen die fulminante Bach-Toccata in C, BWV 564 mit virtuosem Pedal-Solo. Bezaubernd und wie vieles andere auswendig gespielt, folgte „Der Kuckuck und die Nachtigall“ von Händel, von Olivera kurzfristig ins Programm aufgenommen. Sein Landsmann Astor Piazzolla war vertreten mit dem langsamen Tango „Oblivion“. Über dem Streicherklang erhob sich täuschend echt das digitale Bandoneon, in argentinischen Kirchen durchaus etabliert. Mit den Turmglocken des „Carillon of Westminster“ von Louis Vierne ging es erhaben in die Pause. 


Gebannt lauschten die 140 Gäste den Tönen, die Hector Olivera aus der Orgel hervor zauberte. Foto: Sebastian von Melle


Auch im zweiten Teil zauberte Olivera zusammen mit seinem grünen Frosch-Talisman „Harry Helmut“ einen Glücksmoment nach dem anderen in den Orgelsalon der Bonifatiuskapelle. Dazu gehörte Meyerbeers sinfonischer „Coronation March“ aus der Oper „Le prophète“ ebenso wie das mit Celesta perlende „Ave Maria“ von Bach/Gounod. Mit ein wenig Musikkunde erläuterte der Amerikaner Tonfolgen wie B-A-C-H oder A-L-A-I-N (oder auch H-A-R-R-Y) und interpretierte gekonnt Duruflés impressionistische „Prélude et Fugue sur le nom d'Alain“. Kontemplativ beginnend baut sich das Stück über zehn Minuten auf, bevor der Jubel strahlend zum Durchbruch kommt.

Zwei Stücke aus eigener Feder machten die Faszination derer perfekt, die das Privileg hatten, Hector Olivera zu erleben. Für seine Bearbeitung des Liedes „Welch ein Freund ist unser Jesus“ griff er tief in das Repertoire amerikanischer Stilistik, und für „Joyful joyful“, eine Paraphrase der Ode an die Freude, holte er noch einmal alles aus der Zaubermaschine, diesmal verstärkt durch eigens eingespielte Soundeffekte, die er mittels Playback hinzumischte. Da ließ ein kleiner Mann die Orgel fast explodieren wie ein großes Orchester. Fantastisch! Als Zugabe Widors Toccata F-Dur, und es gab kein Halten mehr. Oliveras Auftritt wird Lingen noch lange bewegen.


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