Interview mit dem ADFC "Radfahren in Lingener Fußgängerzone würde funktionieren"

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Soll das Radfahren in der Lingener Innenstadt erlaubt werden? Foto: Wilfried RoggendorfSoll das Radfahren in der Lingener Innenstadt erlaubt werden? Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Über eine mögliche Öffnung der Lingener Fußgängerzone wird derzeit lebhaft diskutiert. Darüber und die Situation von Radfahrern in Lingen allgemein hat unsere Redaktion mit Theresia Debeerst, Axel Haming und Helmut Reimann vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Lingen gesprochen.

Warum wird die Diskussion über eine Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer teilweise so angespannt geführt? 

Debeerst Ich habe keine Begründung dafür. Die Diskussion hat mit dem Vorschlag der Bürgernahen angefangen, die Burgstraße teilweise für Radfahrer freizugeben. Dieser Vorschlag basiert auf dem am 21. Januar 2016 einstimmig im Stadtrat beschlossenen Konzept für den klimafreundlichen Fuß- und Radverkehr. Im Straßenverkehr herrscht allgemein Aggression. Diese könnte sich auf die Diskussion übertragen.

Haming Egal ob Radfahrer, Fußgänger oder Autofahrer, jeder urteilt aus seinem jeweiligen Blickwinkel. 

Sollte ein Teilstück der Burgstraße für Radfahrer geöffnet werden oder gleich die ganze Fußgängerzone?

Debeerst In der Burgstraße ist das kein Problem. Aber es würde auch im Rest der Fußgängerzone funktionieren. Wenn das Miteinander in anderen Städten gelingt, warum nicht in Lingen?

Reimann Das sehe ich genauso. Schließlich möchte auch kein Radfahrer einen Unfall verursachen.

Haming Es gibt viele Fußwege in Lingen mit dem Zusatzschild „Radfahrer frei“. Da funktioniert das Miteinander von Radfahrern und Fußgängern auch, obwohl diese Wege manchmal nur zwei Meter breit sind.

Halten sie die verstärkten Kontrollen von Radfahrern in der Fußgängerzone für richtig?

Reimann Regeln sind von allen einzuhalten, auch die Stadt muss die Straßenverkehrsordnung respektieren und zum Beispiel die Radwegebenutzungspflicht im gesamten Stadtgebiet überprüfen.

Debeerst Die „bösen Radfahrer“ in der Innenstadt zu kontrollieren ist medienwirksam. Allerdings wenn man das Radfahren fördern will, sollten eher die positiven Aspekte herausgestellt werden. Außerdem gibt es gefährlichere Verstöße, die geahndet werden könnten, wie das Linksfahren …

Haming .… oder das Fahren ohne Licht. Aber man sollte nicht nur die Radfahrer kontrollieren. Ich erlebe es jeden Morgen, dass Autofahrer viel zu schnell und zu dicht an mir vorbeifahren. Da wird gar nicht kontrolliert

Was könnte die Stadt Lingen für Radfahrer besser machen?

Haming (zieht lachend eine lange Liste mit Vorschlägen für eine Berichterstattung unserer Redaktion zu Radfahrthemen aus der Tasche) Für den Alltagsradfahrer ist der ständige Wechsel zwischen verpflichtendem Radweg und der Pflicht, auf der Straße fahren zu müssen, ein großes Problem.

Debeerst Die Stadt führt touristische Radrouten mitten durch die Fußgängerzone. Das ist nicht richtig. Diese Straßen sollten dann sowohl für Radtouristen als auch für Lingener Bürger freigegeben werden oder die Routen müssten anders geplant werden. Zudem habe ich noch nie eine Autoroute gesehen, die über eine Straße führt, auf der kein Auto fahren darf.

Wie beurteilen Sie Kompromisse, wie beispielsweise die geplanten Schutzstreifen für Radfahrer am Langschmidtsweg und der Nordhorner Straße?

Debeerst Die Planer müssen mit den Breiten der Straßen arbeiten, die da sind. Im Langschmidtsweg macht der Schutzstreifen die Autofahrer darauf aufmerksam, dass dort Radfahrer fahren können. An der Nordhorner Straße könnte aber ein reiner Radstreifen kommen.

Haming Die Straßen müssen für den fließenden und nicht für den ruhenden Verkehr da sein. Am Willy-Brandt-Ring beispielsweise wäre bei einem Verzicht auf die Parkplätze genug Platz für einen breiteren Radstreifen vorhanden.

Warum haben Radfahrer bei einigen anderen Verkehrsteilnehmern einen schlechten Ruf?

Reimann Die Radfahrer sind zum Teil vom motorisierten Verkehr ausgeschlossen, beispielsweise Kinder und Jugendliche. Diese Gruppe hat keine Führerscheinprüfung, muss aber gleichzeitig kompliziertere Regeln einhalten als die Autofahrer. Vielleicht machen sie deshalb mehr Fehler im Verkehr. Mich stört aber, dass im Sprachgebrauch bei einem Radfahrer, der einen Fehler macht, vom „Rowdy“ oder „Rüpel“ die Rede ist, während beim Autofahrer verharmlosend vom „Verkehrs- oder Temposünder“ gesprochen wird.


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