Gründung im Jahr 1918 Von der Fleischmehlfabrik in Brögbern zum Sonac-Werk

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Fabrik der Firma Sonac (früher: Fleischmehlfabrik) in Lingen-Brögbern ist im Jahr 1918 gegründet worden. Mit Mitarbeitern und Ehrengästen wurde das 100-jährige Bestehen gefeiert. In dem Werk verarbeiten 65 Mitarbeiter jährlich bis zu 250.000 Tonnen Schlachtnebenprodukte, weitere 16 Mitarbeiter sind für das Einsammeln von sogenannten risikobehafteten Tieren der Kategorien I und II zuständig. Foto: SonacDie Fabrik der Firma Sonac (früher: Fleischmehlfabrik) in Lingen-Brögbern ist im Jahr 1918 gegründet worden. Mit Mitarbeitern und Ehrengästen wurde das 100-jährige Bestehen gefeiert. In dem Werk verarbeiten 65 Mitarbeiter jährlich bis zu 250.000 Tonnen Schlachtnebenprodukte, weitere 16 Mitarbeiter sind für das Einsammeln von sogenannten risikobehafteten Tieren der Kategorien I und II zuständig. Foto: Sonac

Lingen. Seit 100 Jahren gehört "die Fleischmehlfabrik" zum Lingener Ortsteil Brögbern. Inzwischen ist daraus längst ein hochmodernes Sonac-Werk zur Behandlung und Weiterverarbeitung von Schlachtnebenprodukten des weltweit agierenden Darling-Konzerns mit aktuell 83 Mitarbeitern geworden.

58 Prozent einer geschlachteten Kuh landet als Filet, Braten oder Schinken auf dem Teller, werden also von Metzgern oder der fleischverarbeitenden Industrie zu Nahrungsmitteln verarbeitet. 60 Prozent sind es bei Hühnern und 62 Prozent bei Schweinen. Und was passiert mit dem Rest der Tiere?

Da kommen Firmen wie die im südlichen Emsland jahrzehntelang nur als Fleischmehlfabrik bekannte und heute unter dem Namen Sonac firmierende Einrichtung ins Spiel. "Unsere Aufgabe ist, aus diesen Stoffen möglichst hochwertige Produkte zur Produktion von Dünger, von Futtermitteln, Seifen und letztlich auch zur Nahrungs- und Pharmaproduktion herzustellen. Wir investieren jedes Jahr viel Geld, um das anbieten zu können, was der Markt verlangt", erklärte Sonac-Deutschland-Geschäftsführer Stefan Niehaus jetzt auf der Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen des Werkes in Lingen-Brögbern.


Das Sonac-Werk, jahrzehntelang in Lingen als Fleischmehlfabrik bekannt, besteht 2018 seit 100 Jahren. Hier das Werk im Jahr 1955. Foto: Sonac-Archiv


Begonnen hat alles mit der 1917 noch in Zeiten des Ersten Weltkriegs entstandenen Idee, in Brögbern eine Kadaververnichtungs- und Verwertungsanlage zu bauen und dafür ein 2,71 Hektar großes Grundstück zu kaufen. "Am 1. September 1918 wurde dann die Fleischmehlfabrik Wagner, Lühn & Sohn gegründet", erklärte der heutige Werkleiter Tino Linke in seinem historischen Rückblick. 

Im gleichen Jahr trat die Polizeiverordnung über die Beseitigung von Tierkadavern in Kraft. Kadaver aus den Landkreisen Bentheim, Meppen, Lingen und später Bersenbrück mussten nun per Pferdefuhrwerk nach Brögbern gebracht werden. Die Kapazität lag bei 20 Tonnen in der Woche. Angeliefert wurden in den Anfangsjahren laut Linke wöchentlich aber lediglich acht bis zehn Tierkörper, was ein bis zwei Tonnen entsprach.

Daraus wurde Fett, Tierkörpermehl und Fleischextrakt hergestellt. Zudem erhielt man Häute, Hörner, Hufe und Roßhaare. Gesellschafter waren inzwischen Julius Wagner, Friedrich Oberthür sowie Walter Schulz-Wagner. Das wirtschaftliche Umfeld blieb aufgrund zu geringer Anlieferungen, zu geringen Erlösen und stetig notwendiger Investitionen schwierig, nebenbei wurden daher rund zehn Hektar Land bewirtschaftet.

Erstmals klar geregelt wurde der Umgang mit Kadavern laut dem Werkleiter durch das 1939 erlassene Tierkörperbeseitigungsgesetz, das Rohmaterial musste nun 30 Minuten lang bei 130 Grad behandelt werden. 1970 war die Tiermehlfabrik zudem der erste Betrieb in Deutschland, der separat Blutmehl herstellte. Die Einführung weiterer Produktionsmethoden und der Bau einer Kläranlage im Jahr 1974 folgten. Die Kapazität lag 1975 schon bei 37.500 Tonnen, und 1981 wurden 20 Mitarbeiter beschäftigt. 


Das Sonac-Werk (früher: Fleischmehlfabrik) liegt in Lingen-Brögbern an der Ulanenstraße und der B 213. Foto: Sonac


1987 trat nach dem Tod seiner Mutter schließlich der 1956 noch auf dem Werksgelände geborene heutige Brögberner Ortsbürgermeister und eigentlich als Lehrer ausgebildete Ludger Ströer mit seinen vier Geschwistern in den Gesellschafterkreis ein, wurde 1988 Prokurist und 2000 Leiter des Werkes. Nach dem Verkauf an den US-Konzern Darling schieden laut Ströer die verbliebenen deutschen Gesellschafter schließlich aus: "Ich kann mich noch gut an die hier verbrachte Kinder- und Jugendzeit, meine Mitarbeit in nahezu allen Bereichen und die nicht einfachen Diskussionen im Ortsrat erinnern." Denn Lärm- und vor allem Geruchsemissionen der Fabrik waren in Lingen immer wieder ein strittiges Thema. Heute ist er noch als Berater dort tätig.

1988 wurde die Kapazität auf 81.500 Tonnen, 1990 auf 106.900 Tonnen und 1993 auf 151.440 Tonnen erweitert, zudem wurden zwei Bio-Abluftfilter eingebaut. Nach dem Zusammenschluss mit zwei weiteren Betrieben firmierte man ab 2000 als SNP Lingen GmbH & Co. Stete Anpassungen der Produktion an die Marktbedingungen prägten auch die weitere Firmengeschichte. 2000 lag die Kapazität schließlich bei gut 193.000 Tonnen. Aus SNP wurde Vion und aus der SNP Lingen die Rendac Lingen zur Kadavereinsammlung und die Sonac Lingen zur Verarbeitung von Schlachtnebenprodukten. Weitere Standorte wurden in Damme und Bösel entwickelt.


2018 wurde im Sonac-Werk in Lingen-Brögbern unter anderem in den Verladeplatz für letztlich zu verbrennende risikobehaftete Tierkörper der Kategorien I und II investiert. Diese Tiere werden seit einigen Jahren in Spezialcontainern transportiert, sodass Gerüche vermieden werden. Maximal 20.000 Tonnen werden emslandweit von der Gesellschaft Rendac Lingen gesammelt. Foto: Sonac


2014 verkaufte der wirtschaftlich strauchelnde Vion-Konzern schließlich diese Sparte an den US-Konzern Darling. Seitdem wurde laut dem Werksleiter Linke "kräftig in Lärm- und Geruchsminderungsmaßnahmen investiert". So werden Kadaver seit 2016 direkt in Sammelcontainern abgefahren, die Biofilter saniert und stark belastete Abluft in der modernisierten Dampfkesselanlage mitverbrannt. Maßnahmen, die nach Aussage des Lingener Stadtbaurates Lothar Schreinemacher "sicher auch dazu geführt haben, dass wir in diesem heißen Sommer über unser Umwelttelefon keine vermehrten Beschwerden registriert haben". Zudem bedankte er sich wie Kreisrat Marc-André Burgdorf "für die Treue des Unternehmens zu diesem Standort und die stets gute Zusammenarbeit."


Die Ehrengäste der offiziellen 100-Jahr-Feier der "Fleischmehlfabrik" (heute Sonac) in Lingen-Brögbern (von links): Stefan Niehaus, Geschäftsführer der Darling Ingredients Germany Holding GmbH als Muttergesellschaft von Sonac/Rendac, Lingens Stadtbaurat Lothar Schreinemacher, der Erste Kreisrat Marc-André Burgdorf, der Lingener Sonac-Werkleiter Tino Linke, der frühere Gesellschafter Radulf Oberthür und Brögberns Ortsbürgermeister Ludger Ströer, der 1956 auf dem Werksgelände geboren worden ist, der Gesellschafterfamilie angehörte und später auch als Prokurist und Werkleiter dort tätig war. Foto: Carsten van Bevern


Die Möglichkeit für Nachbarn, den Betrieb zu besichtigen, und eine Feier für alle Mitarbeiter runden das Festwochenende ab. Zudem verzichtete das Unternehmen auf alle Geschenke und bat die Festgäste stattdessen um eine Spende zur Einrichtung des neuen Spielplatzes im Bereich des neuen Baugebietes gegenüber der Volksbankfiliale in Brögbern. "Das Geld wird dafür auf jeden Fall reichen", versprach Sonac-Geschäftsführer Niehaus unter dem Applaus der Gäste.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN