In über 50 Jahren keine rote Karte "Sir Heinz" pfeift ab: Lingener Schiedsrichter beendet nach 50 Jahren Karriere

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Schiedsrichter Heinz Heil hatte für die Spieler, wie hier 2011 in der Halle für Patrick Bloom vom "Team Mittendrin", immer ein nettes Wort und ein Lächeln übrig. Foto: Wilfried RoggendorfSchiedsrichter Heinz Heil hatte für die Spieler, wie hier 2011 in der Halle für Patrick Bloom vom "Team Mittendrin", immer ein nettes Wort und ein Lächeln übrig. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. "Sir Heinz", wie der für den ASV Altenlingen pfeifende Unparteiische Heinz Heil von vielen respektvoll genannt wird, pfeift am Montag, 3. September 2018, um 17 Uhr in Schepsdorf das Endspiel der Betriebssport-Oldierunde. Damit geht eine Ära zu Ende: Es wird nach über 50 Jahren des letzte Spiel des 79-jährigen Schiedsrichters sein.

In der Wohnung von Heil hängen viele Urkunden, die Ehrungen durch den emsländischen und den niedersächsischen Fußballverband sowie den Kreissportbund bezeugen. Doch mindestens ebenso wichtig wie die Anerkennung durch die Verbände ist Heil, der am 21. November 1967 in Wilhelmshaven seine Schiedsrichterprüfung ablegte, der gegenseitige Respekt auf dem Spielfeld. "Noch heute grüßen mich Spieler, die ich vor Jahren einmal gepfiffen habe", sagt Heil.

In über 50 Jahren keine rote Karte

Dass die Spieler Heinz Heil mit viel Respekt begegnen, hat seinen Grund: In den über 50 Jahren, in denen Heil Fußballspiele bis auf Verbandsebene geleitet hat, zeigte er nie eine rote Karte. "Ich habe immer nur den Finger gehoben und gesagt: Jetzt reicht es. Entweder Du siehst die Karte aus der Gesäßtasche oder Du gehst freiwillig", berichtet der Unparteiische. Heils erhobener Finger wurde zu einer Art Markenzeichen. Einmal habe er durch das auf Kipp stehende Fenster der Schiedsrichterkabine gehört, welche Worte ein Trainer seiner Mannschaft vor Anpfiff mit auf den Weg gab: "Der Heinz ist heute da. Wenn er den Finger hebt, macht Schluss mit den Fouls und hört auf, zu meckern."

Gefühl für die Spieler

Heil hatte immer die Fähigkeit, sich in die Situation der Spieler hineinzuversetzen. Dies zeigte sich vor allem bei vielen Spielen, die er im Behindertenfußball geleitet hat. Warum dies so ist, begründet der Bäcker- und Konditormeister auch mit seiner beruflichen Erfahrung: "Ich habe als Ausbilder Azubis, die nur die Hilfsschule besucht hatten, durch die Prüfung gebracht, auch, weil ich ein Gefühl für diese Menschen hatte. Das habe ich dann im Fußball übernommen."

Dank von Spielern und Vereinen

Die Spieler und die Vereine danken Heil für diese Art der Spielleitung. So verabschiedete der BV Clusorth-Bramhar Heil nach dessen letztem Punktspiel trotz einer 2:7-Niederlage gegen die dritte Mannschaft des SV Meppen mit einem Präsentkorb. Auf dem Wohnzimmertisch des Unparteiischen liegen die Einladungen zu den Jubiläumsfeiern des SSC 93 Lingen und des SV Eintracht Schepsdorf. Dies zeigt, wie beliebt Heinz Heil auf den Sportplätzen des südlichen Emslandes ist.

Betriebssport hat immer Spaß gemacht

Neben dem offiziellen Spielbetrieb stand Heil auch rund 40 Jahre dem Lingener Betriebssport als Schiedsrichter zur Verfügung. "Das hat einfach  immer nur Spaß gemacht", sagt Heil. So verwundert es nicht, dass er sein letztes Spiel bei den Betriebssportlern leitet.

Etwas ruhiger angehen lassen möchte es Heinz Heil, der nach über 50 Jahren als Fußballschiedsrichter jetzt die Pfeife an den Nagel hängt. Foto: Wilfried Roggendorf

Schiedsrichtertätigkeit als Ausgleich

Für Heil ist die Schiedsrichtertätigkeit immer ein Ausgleich gewesen. "Runterkommen und nicht immer nur an Backen, Backen und nochmals Backen denken", war seine Motivation. Ans Aufhören habe er eigentlich nie gedacht. Und fit ist der 79-Jährige auch noch: "Wenn ich mit 75 nur im Mittelkreis gestanden hätte, dann hätte ich mich geschämt", sagt Heil augenzwinkernd mit Blick auf den ein oder anderen Kollegen.

Spiele jetzt als Zuschauer genießen

"Irgendwann muss aber Schluss sein", sagt Heil. Über die Ostertage seien seine Spiele wegen schlechten Wetters abgesagt worden. "Da bin ich in die Gegend von Oldenburg – dort habe ich Anfang der 1970er-Jahre gewohnt, bevor ich 1974 nach Lingen gekommen bin – gefahren, habe mir da ein Spiel angeschaut und übernachtet. Und das hat mir sehr gut gefallen", berichtet Heil. Dies sei für ihn so etwas wie der Wendepunkt gewesen. Statt auf dem Platz zu stehen, möchte Heil demnächst das ein oder andere Spiel als Zuschauer genießen.

Anrufe ab sofort zwecklos

Noch immer bekommt Heil Anrufe von Vereinen, die ihn kurzfristig bitten, ein Freundschaftsspiel zu pfeifen – und dies oft nebst der Einladung zum anschließenden Grillen. Aber am Montagabend mit dem allerletzten Schlusspfiff kurz nach 18 Uhr wird dies "Schnee von gestern" sein, wie Heil es ausdrückt. Und die Schiedsrichterlegende versichert: "Solche Anrufe sind ab sofort zwecklos."




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