Der Gefängnis-Club hat Jubiläum SSC 93 Lingen feiert sein 25-jähriges Bestehen

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Olaf Mengering, Vorsitzender des SSC 93 Lingen, ist stolz auf das vielfältige Sportangebot seines Vereins. Foto: Wilfried RoggendorfOlaf Mengering, Vorsitzender des SSC 93 Lingen, ist stolz auf das vielfältige Sportangebot seines Vereins. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Der Spiel- und Sport-Club 1993 Lingen feiert sein 25-jähriges Bestehen – und dies nicht etwa mit einer öffentlichen Veranstaltung, sondern nur mit Mitgliedern und geladenen Gästen. Dies hat seinen Grund: Der SSC 93 ist ein Sportverein, dessen Mitglieder zur Hälfte Inhaftierte der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lingen-Damaschke sind.

Vorsitzender Olaf Mengering und Kassenwart Jörg Sentker sind Bedienstete der JVA. Sie erinnern an die Anfänge des Vereins. "Schon 1989 haben ehemalige Kollegen mit dem Gedanken gespielt, einen Sportverein zu gründen", sagt Sentker. Im offenen Vollzug sollte der Versuch unternommen werden, die Inhaftierten im und durch den Sport zu integrieren. "Wir wollten in den Landessportbund aufgenommen werden und am regulären Spielbetrieb im Fußball und Tischtennis teilnehmen", beschreibt Sentker das Ziel. Am 28. Januar 1993 setzten dann neun Bedienstete der JVA den Gedanken in die Tat um und gründeten den SSC 93.

Schwankende Mitgliederzahl

Die Mitgliederzahl des jungen Vereins stieg rasch an. "Obwohl wir niemanden der Inhaftierten zwingen, Mitglied zu werden", betont Mengering. Bis zu 170 Mitglieder hatte der Verein einmal. Davon waren rund 50 Bedienstete der JVA und 120 Inhaftierte. Aktuell hat der SSC 93 nur noch knapp über 100 Mitglieder. Grund für den Mitgliederschwund ist nicht etwa ein gesunkenes Interesse am Vereinsport. "Früher hatten wir bis zu 440 Inhaftierte. Heute sind es nur noch rund 160", erläutert Mengering den kleiner gewordenen Kreis, aus dem der SSC 93 seine Mitglieder gewinnen kann.

Angebote nach Interesse der Mitglieder

Außerhalb der JVA wird der SSC 93 meist nur als in der untersten Kreisklasse spielende Fußballmannschaft wahrgenommen. Doch er ist ein Breitensportverein mit vielfältigem Angebot. "Rund zehn Jahre lang haben wir am Spielbetrieb im Tischtennis teilgenommen", sagt Mengering. "Unser ehemaliger Vorsitzender Günter Lux, heute ist er Ehrenvorsitzender, hat Surfkurse angeboten", fügt Sentker hinzu. Drei Jahre lang habe der Verein sich auch an der Badminton-Hobbyliga beteiligt und auch Tennis sei im Angebot gewesen. Heute werde neben Fußball und Tischtennis auch Kraftsport betrieben. Auch das deutsche Sportabzeichen können die Mitglieder des SSC 93 im Verein ablegen. "Das Angebot richtet sich auch nach den Interessen unserer Mitglieder", erläutert Mengering.

Nur noch Heimspiele

Die Fluktuation bei den Mitgliedern ist stark. Der SSC-Vorsitzende, der auch Sportübungsleiter der JVA ist, macht dies am Beispiel der Fußballmannschaft deutlich: "Einige Spieler stehen mir nur vier Wochen lang zur Verfügung, andere eine ganzes Jahr oder mehr." Zur Rückserie 2016/2017 musste Mengering das Team mangels Spieler sogar vom Spielbetrieb abmelden. Jetzt hat der SSC 93 wieder eine Mannschaft, die in der 4. Kreisklasse Emsland-Süd antritt. "Wir werden wohl 30 bis 50 verschiedene Spieler in der gesamten Saison einsetzen", erklärt Mengering. Kurze Haftdauer, Blitzentlassungen, weil plötzlich eine Geldstrafe doch bezahlt wird, oder heimatnahe Verlegungen nennt Mengering als Gründe. Dass die Fußballer des SSC 93 in dieser Saison im Gegensatz zu früher nur Heimspiele bestreiten werden, hat nichts damit zu tun, dass sie Inhaftierte sind. "Ich betreue die Mannschaft alleine. Wir haben somit keine weiteren Fahrer, um zu Auswärtsspielen zu gelangen", erklärt Mengering.

Auch Inhaftierte zahlen Mitgliedsbeitrag

Zum Integrationsgedanken des SSC 93 gehört auch, dass die Inhaftierten einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von zwei Euro zahlen müssen. Zum einen wird damit vermittelt, dass auch der Sport nicht umsonst sein kann. Zum anderen helfen auch diese Beiträge dabei, Sportgeräte beispielsweise für den Fitnessraum der JVA anzuschaffen, die nur aus dem begrenzten Budget der JVA nicht gekauft werden könnten. "Diese Geräte dürfen aber natürlich alle Inhaftierten nutzen", betont Mengering. Und außerdem werde aus den Mitgliedsbeiträgen auch ein Teil des Festnachmittags zum 25-jährigen Vereinsjubiläum am Samstag finanziert.






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