50 Jahre St. Michael Virtuose Streichmusik begleitet Festakt in Lingen

Von Peter Löning

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Mit Franz Liszts Version der „Tannhäuser Ouvertüre“ zeigte Julia Hermanski weit mehr als ein erstklassiges pianistisches Bravourstück. So krönte sie den Festakt zur 50-jährigen Grundsteinlegung von Sankt Michael. Foto: Peter LöningMit Franz Liszts Version der „Tannhäuser Ouvertüre“ zeigte Julia Hermanski weit mehr als ein erstklassiges pianistisches Bravourstück. So krönte sie den Festakt zur 50-jährigen Grundsteinlegung von Sankt Michael. Foto: Peter Löning

Lingen. Sicherlich hätte man gern mehr Publikum gesehen bei dem „Konzert mit Festakt“ zum 50-jährigen Jubiläum der Grundsteinlegung der ehemaligen Militärkirche Sankt Michael, dem heutigen Kulturforum St. Michael. Eingerahmt von angenehm klassischer Streichmusik, klangschön gestaltet von dem Mercator Ensemble, gab es zu Beginn erst einmal Grußworte.

Vorneweg sprach Christian Gnaß als Vorsitzender des Kulturforums Sankt Michael e.V. sowie auch in seiner Funktion als Geschäftsführer der Emco-Group Lingen, die sich wohl mit erheblichen finanziellen Mitteln und mit viel Manpower für den Erhalt des Gebäudes und auch für die Belange des Kulturforums eingesetzt hat. Pastor Thomas Burke, Pfarrer in St. Bonifatius, in deren Verantwortung dieses Bauwerk steht, sowie Oberbürgermeister Dieter Krone schlossen sich ihm mit kurzen Worten an. Gemeinsam wiesen sie auf eine zukünftig veränderte Nutzung der Kirche hin, beließen es aber bei Anspielungen auf einen Umbau. Wer sich damit im Vorfeld intensiv befasst hatte, konnte hier sicherlich eher folgen. Etwas Neues war erst einmal nicht zu erfahren. Auf Nachfrage gab es aber doch die Auskunft, dass ein mehrstöckiger Umbau im Inneren geplant sei, der unter dem Dach weiterhin einen Konzertsaal vorsehe, im Parterre hingegen entstehe eine Kita-Erweiterung. Genaue Pläne gebe es derzeit nicht, jedoch gehe man offenbar von einer Fertigstellung bis 2020 aus.

Denkmalschutz

Der ehemalige Berufssoldat und Vorsitzende der „Gesellschaft Katholischer Soldaten“, Wilhelm Terhorst, gab in seiner Rede einen sehr beeindruckenden Einblick in die doch junge Geschichte des Kirchenhauses, dessen Abriss durchaus zwischenzeitlich zur Diskussion gestanden habe. Er sprach von Enttäuschungen, von hitzigen Diskussionen und Demonstrationen, sowie von seinem letztlich erfolgreichen Betreiben, das Haus unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Auch erinnerte er an die ersten Kontaktaufnahmen des damaligen Musikforums und Harald Müller, die letztlich zu dem führten, was die Kirche heute ist: ein gern genutzter Konzert- und Veranstaltungsraum. Für die Umbauplanung äußerte er den Wunsch, einen Andachtsraum zu integrieren. Pastor Burke erwartet für diese „kommunikative Schnittstelle“, dass in der Verbindung von Kultur, Kindern, Umfeld und Kommunikation „sich ein großer Segen von hier in die Stadt bewegt“.

Im zweiten Teil der Veranstaltung, dem Konzertteil, trat dann die junge, großartige Pianistin Julia Hermanski auf, die sich selbst sehr verbunden sieht mit dem Kulturforum und der Michaelskirche, und das nicht nur als Trägerin des ihr hier verliehenen Jugendkulturpreises.

Tannhäuser Ouvertüre

Mit großer gestalterischer Ausdruckskraft, mit einem gehörigen Maß an Konzentration und erheblicher Virtuosität entführte sie das Publikum in Franz Liszts Klavierfassung der „Tannhäuser Ouvertüre“ in ungeahnt vielfarbige und eindrucksvolle Tiefen der Musik Richard Wagners. Die enorme Klangkraft eines großen sinfonischen Orchesters auf 88 Klaviertasten gebracht und in groß gehaltenen musikalischen Bögen zelebriert – das wurde unter ihren Fingern zum vollendeten Hörgenuss. Bravissimo!

In ausgezeichnetem Zusammenspiel im Duo mit dem erstklassigen Geiger Karol Strzelecki gab Julia Hermanski anschließend Franz Waxmans fingerbrecherische und überaus hörenswerte „Carmen-Fantasie“ über Themen von Georges Bizet.

Eine packende Interpretation sorgte für enorme Begeisterung und den Wunsch nach einer Zugabe, dem zartest zelebrierten „Reigen seliger Geister“ Christoph Willibald Glucks. Großartig!


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN