Ökumenische Horizonterweiterung Lange Nacht in Lingen zeigt Glaube und Kirche mal anders

Von Johannes Franke

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Til von Dombois und Band mit christlicher Popmusik in der Kreuzkirche. Foto: Johannes FrankeTil von Dombois und Band mit christlicher Popmusik in der Kreuzkirche. Foto: Johannes Franke

Lingen. Die Glocken der Innenstadtkirchen haben die sechste „Lange Nacht der Kirchen“ in Lingen am Samstagabend, 25. August 2018, eingeläutet. Die offenen Angebote in der St. Bonifatius-, Kreuz- und reformierten Kirche sowie im Gedenkort Jüdische Schule, dem Emslandmuseum und auf dem Markplatz wurden zu besonderen Erlebnissen und Begegnungen.

Als „Horizonterweiterung und in guter ökumenischer Verbundenheit“ eröffneten Kaplan Kristian Pohlmann von der Pfarreiengemeinschaft St. Bonifatius und Pastor Paul-Gerhard Meißner von der evangelisch-lutherischen Kreuzkirche auf dem Marktplatz die sechste „Lange Nacht der Kirchen.“.


Die Eröffnungsfeier auf dem Marktplatz mit Chören und Musikgruppen des Franziskusgymnasiums sowie mit Kaplan Kristian Pohlmann von der Pfarreiengemeinschaft der Bonifatiuskirche und Pastor Paul-Gerhard Meißner von der evangelisch-lutherischen Kreuzkirche (v.l. Mitte). Foto: Johannes Franke


Das Motto „Ihr seid nicht umsonst gekommen“ wirke anregend, Gott nahe zu sein und ihn neu zu entdecken. „Das ansprechende Programm macht neugierig, Kirche und Glauben noch einmal ganz anders zu erleben“, betonte Kaplan Pohlmann, um sich gemeinsam auf die Suche zu machen. Mit der Abend- und Nachtveranstaltung wurden Kirchengänger, Kulturinteressierte und Zufallsgäste angesprochen, die sich ungezwungen dem Programm und Räumen widmen konnten.


Mitglieder der Schulband Francis' Finest vom Franziskusgymnasium begeisterten mit ihren Grooves und aktuellen Popsongs. Foto: Johannes Franke


Ein großer Schwerpunkt lag auf der Musik: Chöre und Musikgruppen des Franziskusgymnasiums ließen auf dem Marktplatz geistliches und weltliches Liedgut erklingen. Das Repertoire der Unter- und Oberstufensänger, der Schulband Francis' Finest, der Instrumentalisten und Big Band begeisterte. Abgelöst vom Saxophonquartett Saxy Chants war Blues über Swing und Dixieland sowie Klassik bis zum Abschluss und Segen für die Nacht zu genießen. 


Das Saxophonquartett Saxy Chants spielte zum Abschluss auf dem Marktplatz mit vierstimmiger Klangvielfalt. Foto: Johannes Franke


Neues kennenlernen, christlicher Popmusik lauschen, mitsingen, mitklatschen: Das konnten die Besucher in der Kreuzkirche, wo Til von Dombrois mit seiner „Popkantor Band“ musikalisch überraschte. Im Anschluss präsentierten fünf regionale Wortkünstler als „Preacher Slammer“ Lyrik, Prosa bis zum modernen Gebet. Wenn Pastor Paul-Gerhard Meißner sonntäglich so predigt, wie bei seinem nachdenkenswerten Auftritt, dann müsste die Kirche schon deshalb immer voll sein.


Die Wortkünstler aus der Region erhielten für ihre nachdenklichen Texte viel Beifall als "Preacher Slammer. Pastor Paul-Gerhard Meißner beeindruckte ebenso sehr mit seinem Beitrag. Foto: Johannes Franke


Anspruchsvolle Musik in der reformierten Kirche. Der Calvinchor unter Leitung von Peter Alexander Herwig sang Lieder aus Taizé und Kirchengesänge aus verschiedenen Jahrhunderten.


Der Calvinchor unter der Leitung von Peter Alexander Herwig mit Liedern aus Taizé und Kirchengesängen in der reformierten Kirche. Foto: Johannes Franke


Das Konzert „Cantamus“ der Kirchengemeinde Maria Königin unter der Leitung von René Kollai präsentierten Gesänge als Ausdruck ihres Glaubens.


Der Chor Cantamus der Kirchengemeinde Maria Königin unter Leitung von René Kollai sang "Neue Geistliche Lieder" und Gospels in der reformierten Kirche. Foto: Johannes Franke


Hierbleiben, den Swinging Pipes lauschen, die Kantor Peter Müller hörbar machte, oder wechseln in die Bonifatiuskirche, wo die Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer als Erna Schabiewsky zweimal auftrat? Keine Unbekannte in Lingen, und deshalb kamen viele, um auf ganz spezielle Art und Weise ihre Gedanken über die Reformation, Martin Luther und die Kirche zu vernehmen. Recht hat sie: Vieles könnte so einfach sein, wenn in der Kirchen-Hierarchie der christliche Basis-Pragmatismus vor- und nachgelebt werde.


Die Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer machte sich als Erna Schabiewsky auf ihre spezielle Art und Weise Gedanken über die Reformation, Martin Luther und die Kirche - vor allem die Ökumene. Foto: Johannes Franke


Überall mal kurz hineinschnuppern oder länger verweilen? Beides war aufgrund der Zeitstruktur und der offenen Türen möglich. Die Geschichte und Verbreitung der Ikone des Muttergottesbildes von der „Immerwährenden Hilfe“ im Emslandmuseum vernehmen, oder im Gedenkort Jüdische Schule von Mitgliedern des Forums Juden Christen das Judentum begreifbar vorgestellt zu bekommen? Über Texte, Lieder und Filme sich theologisch der Auferstehung nähern? Zur Ruhe kommen beim Taizé-Gebet oder der Musikmeditation zur Nacht lauschen? Vielfältig und anspruchsvoll war die sechste lange Nacht der Kirchen, die um 23.30 Uhr ihren ökumenischen Abschluss fand mit Pfarrer Jens Brandebusemeyer und Pastor Philipp Wollek. 


Die ökumenischen Abschlussgebete und den Segen sprachen und spendeten Pfarrer Jens Brandebusemeyer (links) und Pastor Philipp Wollek. Foto: Johannes Franke



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN