Parteiübergreifende Kritik Forstverwaltung will in Lingen mitten im Wald bauen

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In dem Waldstück links am Baccumer Haarweg möchte die Landesforstverwaltung einen Betriebshof errichten. Dies wurde im Planungs- und Bauausschuss der Stadt parteiübergreifend kritisiert. Foto: Thomas PertzIn dem Waldstück links am Baccumer Haarweg möchte die Landesforstverwaltung einen Betriebshof errichten. Dies wurde im Planungs- und Bauausschuss der Stadt parteiübergreifend kritisiert. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Auf wenig Gegenliebe ist im Lingener Planungs- und Bauausschuss die Absicht der Niedersächsischen Landesforstverwaltung gestoßen, in einem Baccumer Waldstück einen Betriebshof mit Lagerhalle und Bürotrakt zu errichten.

Stadtbaurat Lothar Schreinemacher stellte das Vorhaben, das im Waldstück an der Kreuzung der Straßen Haarweg und An der Schonung entstehen soll, vor. Dort soll eine rund 20 Meter lange und zwölf Meter breite Lagerhalle in Holzständerbauweise errichtet werden, an die sich ein zehn mal zwölf Meter großer Büro- und Sozialtrakt anschließt. Zufahrten soll es sowohl vom Haarweg als auch der Straße An der Schonung aus geben.

Ratsmitglieder bezeichnen Vorhaben als Frechheit

Ratsdame Margitta Hüsken (Bürgernahe) zeigte sich entsetzt von der Größe des geplanten Gebäudes: „Es ist eine Frechheit der Forstverwaltung, den Wald abzuholzen und dort ein solches Gebäude hinzusetzen.“ Auch SPD-Ratsherr Stefan Wittler nannte das Bauvorhaben eine Frechheit. CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling lehnte das Vorhaben mit deutlicher Kritik ab: „Von uns Verlangen die bei Bauvorhaben, 25 Meter Abstand zum Wald zu halten und selber bauen die mittendrin.“ Stadtbaurat Lothar Schreinemacher teilte mit, dass es gegen das Bauvorhaben keine Handhabe gebe, da ein Forstbetrieb privilegiert sei.

Ankauf einer Gewerbeimmobilie gescheitert

Die Niedersächsischen Landesforsten erklärten auf Nachfrage unserer Redaktion, dass das Forstamt im Raum Lingen einen Bereich zum Lagern von Materialien, Abstellen von Fahrzeugen und den Bürobetrieb für die in der Region tätigen Forstwirte und Förster benötige. Die Nutzung erfolge sporadisch beziehungsweise kurzzeitig, da der eigentliche Arbeitsplatz der Förster und Forstwirte der Wald sei. „Der Ankauf einer geeigneten Gewerbeimmobilie in der Nähe des jetzigen Baugeländes ist vor einigen Jahren gescheitert, weil der Verkäufer abgesprungen ist. Das jetzige Baugelände im Wald ist so ausgesucht worden, dass keine Störung in Wohngebieten durch Verkehr oder ähnliches entstehen. Es wird Abstand zur Straße gehalten, eine Düne am Straßenrand bleibt als bewaldeter Puffer“, erklärte ein Sprecher der Landesforsten.

Möglichkeit zum privilegiertem Bauen selten genutzt

Am ausgesuchten Gelände seien die notwendigen Ver- und Entsorgungsleitungen in unmittelbarer Nähe vorhanden. Das Forstamt nutze die Möglichkeit zum privilegierten Bauen im Außenbereich – also im eigenen Wald – äußerst begrenzt. Der Eingriff in den Wald werde an anderer Stelle durch eine deutlich größere Aufforstungsfläche ausgeglichen. Das Bauen am Waldrand werde vom Forstamt als Träger öffentlicher Belange wegen der zu erwartenden Konflikte durch Gefahren für Gebäude im Nahbereich von Wald, Verkehrssicherung, Waldvermüllung, der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der Erholungswirkung durch verbaute Waldränder und der Beeinträchtigungen auf den Wald zum Beispiel durch Mastställe in Waldnähe in der Regel abgelehnt beziehungsweise kritisch beurteilt. Das entspricht auch den Vorgaben der Raumordnungspläne.

Landschaftsbild wird nicht beeinträchtigt

Bei der eigenen Planung in Baccum werde eine Baumlänge Abstand zum umgebenden Wald eingehalten. „Das Landschaftsbild ist durch die Straße bereits beeinträchtigt. Emissionen auf den Wald gibt es durch den Betriebshof nicht“, erklärten die Landesforsten abschließend.


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