Debatte im Jugendhilfeausschuss Erzieherinnen sorgen sich um Betreuungsstunden in Lingener Kitas

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Lingen. Bei einer Enthaltung hat der Jugendhilfeausschuss der Stadt Lingen im Zusammenhang mit der Beitragsfreiheit in niedersächsischen Kindergärten Neuregelungen in Abstimmung mit dem Landkreis Emsland beschlossen.

Wie mehrfach berichtet, hat der Landtag den beitragsfreien Besuch des Kindergartens ab Vollendung des dritten Lebensjahrs für maximal acht Stunden täglich beschlossen. Bei einer Betreuung darüber hinaus wird pro zusätzlicher halber Stunde ein pauschaler Elternbeitrag von acht Euro pro Monat für Kinder im Alter von drei Jahren bis zur Einschulung festgelegt. Durch eine Übergangsregelung für das aktuelle Kitajahr soll eine finanzielle Mehrbelastung für Eltern verhindert werden.

„Bedarf für Kita-Plätze gedeckt“

Nach Einschätzung von Dezernentin Monika Schwegmann führt die Neuregelung im Schnitt zur Halbierung der bisherigen Elternbeiträge. Sie freute sich, dass es in einer außergewöhnlichen Kraftanstrengung mit allen Beteiligten gelungen sei, zum 1. August 140 zusätzliche Kitaplätze in der Stadt zu schaffen und den Bedarf zu decken. Auf Nachfrage von Ibrahim Hassan (Grüne) teilte sie mit, dass in der neuen Kita in der früheren Gebrüder-Grimm-Schule sogar noch Plätze frei seien. Die Dezernentin geht davon aus, dass sich der Bedarf für die Kitabetreuung weiter erhöht. Zur Begründung verwies sie auch auf steigende Geburtenzahlen in Lingen. Kamen vor vier Jahren noch 436 Kinder zur Welt, so waren es 2017 schon 584 Jungen und Mädchen. (Weiterlesen: Beitragsfreie Kitas: Wie hoch ist die Mehrbelastung in Lingen?)

„Müssen wir uns einen neuen Job suchen?“

Die Diskussion im Ausschuss drehte sich vor allem um die Frage, ob Eltern weiterhin bereit sind, kostenpflichtige Sonderöffnungszeiten ab der neunten Betreuungsstunde in Anspruch zu nehmen. In der Einwohnerfragestunde äußerten mehrere Erzieherinnen die Befürchtung, dass dies nicht der Fall sein wird und sich dadurch ihre Arbeitszeit um bis zu fünf Stunden reduziere. „Müssen wir uns dann einen neuen Job suchen?“, fragten sie. Gudrun Erdal, Leiterin der Kita Trinitatis, regte an, dass auch die Stadt wie die Stadt Oldenburg die Kosten für die neunte Betreuungsstunde übernimmt.

„Kein Anlass für Schwarzmalerei“

Ausschussmitglied Heiner Rohoff rief dazu auf, intensive Gespräche mit den Eltern zu führen, damit dieses Szenario nicht Wirklichkeit wird. Susanne Janßen (SPD) sah wie Vertreter der Verwaltung keinen Anlass für Schwarzmalerei. Horst Flachmann, Fachdienstleiter Jugendarbeit, betonte: „Wir haben in Lingen im Gespräch mit allen Beteiligten immer gute Lösungen gefunden.“ Ausschussvorsitzender Björn Roth (CDU) sagte: „Es wäre doch paradox, wenn die Regelung dazu führte, dass Erzieherinnen Stunden reduzieren müssten. Vielleicht sieht die Lage in einem Jahr ganz anders aus.“ (Weiterlesen: Viele Eltern wollen bessere statt kostenlose Kitas)

Auch Sprachförderung in den Kitas“

Ebenfalls einstimmig verabschiedete der Ausschuss die Umsetzung der Sprachförderung in den Kindergärten, die bislang Aufgabe der Grundschulen war. Die Verwaltung wird beauftragt, das vorhandene „Regionale Konzept zur alltagsintegrierten Sprachbildung und Sprachförderung im Elementarbereich der Stadt Lingen“ entsprechend zu erweitern. Zudem soll die Verwaltung die Qualifizierung und Fortbildung von Personal auf den Weg bringen und spätestens bis zum Beginn des Kindergartenjahres 2021/22 abgeschlossen haben. Ferner ist die Verwaltung gehalten, dass die vom Land zur Verfügung gestellten Finanzmittel bereits ab dem Kindergartenjahr 2018/19 vollständig eingesetzt werden können.

„Enormer Zeitdruck“

Fachbereichsleiter Frank Botterschulte verwies in diesem Zusammenhang auf den enormen Zeitdruck, den die Gesetzgebung des Landes für die Kommunen bedeute. Der Stadt seien nur die Monate Juni und Juli eingeräumt worden, um sich auf die Neuregelung einzustellen. Der Fachkräftemangel sei auch bei dieser Aufgabe eine besondere Herausforderung.


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