Besuch an besonders heißen Arbeitsplätzen Wenn die Teerpappe in Lingen beim Arbeiten matschig wird

Von Johannes Franke

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ein Dachdecker auf der Baustelle: Bei hohen Temperaturen sind solche Handwerker großen Belastungen ausgesetzt. Foto: dpaEin Dachdecker auf der Baustelle: Bei hohen Temperaturen sind solche Handwerker großen Belastungen ausgesetzt. Foto: dpa

Lingen. An diesem Mittwoch sollen die Temperaturen in der Region noch einmal an der 30 Grad-Marke kratzen. Es gibt Unternehmen in der Region, in denen in den vergangenen Wochen besonders viel Schweiß geflossen ist. Dachdecker beispielsweise arbeiten unter Extrembedingungen, und auch in der Wäscherei herrschen extrem hohe Temperaturen.

Viele Bauhandwerker aus der Region sind auf Klein- und Großbaustellen tätig. Überall drücken die Termine. Ein generelles Recht auf Hitzefrei gibt es auf dem Bau nun mal nicht. Auch andere Berufsgruppen wie Straßenbauer und Erntehelfer sind den Großteil des Tages in der Sonne. Auch für sie ist die Hitze eine echte Belastung und kann gesundheitsgefährdend sein.

Das heißt: So früh wie möglich anfangen, häufiger Pausen machen, in den Schatten gehen und reichlich trinken. Eine so außergewöhnliche Situation über einen längeren Zeitraum habe er in den vergangenen Jahren nicht erlebt, erklärt der Dachdeckermeister. Während der Hitzeperiode war die Belegschaft morgens eher angefangen, um zwei bis vier Stunden unter nicht ganz so heißen Bedingungen zu arbeiten. Eher anzufangen, sei aber nicht überall möglich, berichtet Teepker aus der betrieblichen Praxis: „In einem Industriegebiet lässt sich das machen. Aber wenn ein Auftrag in einer Wohnsiedlung abzuarbeiten ist, gibt es wegen des Lärms schnell Ärger mit der Nachbarschaft.“

Um 5 Uhr morgens Arbeitsbeginn

Je nach Baustelle und Situation hätten die Dachdecker bereits um 6 Uhr, manchmal bereits um 5 Uhr mit der Arbeit begonnen. Das bedeutete eher Feierabend, um nicht der Gluthitze ausgesetzt zu sein. „Eine andere Chance hat man sonst fast gar nicht“, so der Geschäftsführer. Es komme auch drauf an, welche Arbeiten verrichtet werden müssten. Kleine Reparaturarbeiten seien körperlich nicht so belastend. Aber in der prallen Sonne würde der Dachdecker sehr beansprucht. Seine Mitarbeiter hätten aber alles gut durchgestanden. „Und ich selber war auch hin und wieder mit dabei, war aber ganz schön platt“, sagt er rückblickend.

Ob gemessene oder gefühlte Temperaturen, das spiele dann keine Rolle mehr. „Unsere Leute haben für sich persönlich herausgefunden, wann und wo sie anfangen zu arbeiten“, berichtet Teepker. Als Arbeitgeber informiere man über Gefahren durch Hitze, Ozon und UV-Strahlungen, versorge die Mitarbeiter mit kalten Getränken, schaffe Möglichkeiten, zusätzliche Pausen einzulegen. „Aber irgendwann ist man auch durchgebräunt“, lacht der Dachdeckermeister.

Wer körperlich arbeitet, schwitzt an heißen Tagen bis zu fünf Liter pro Arbeitsschicht aus. „Bis zu vier Liter sind dem Körper wieder zuzuführen“, heißt es auf der Homepage der Berufsgenossenschaft Bau. Die Arbeitsleistung sei an extrem heißen Tagen auch nicht mehr gegeben, „doch da kann ich den Mitarbeitern keinen Vorwurf machen“, betont Teepker. Viele Tätigkeiten ließen sich praktisch nicht mehr ausführen. Schweißbänder seien nicht mehr exakt zu verlegen, Teerpappe ließe sich nur schwerlich verarbeiten. „Es wird matschig, das läuft weg und ist vom Handling nicht mehr angenehm. Und wenn man dann noch mit einem Brenner die Dachpappen entsprechend bearbeiten muss, kommen schnell 200 Grad zusammen“, beschreibt Teepker eine Extremsituation am Arbeitsplatz. „Bei Privatkunden, wo es auf einen Tag nicht ankam, haben wir um Aufschub gebeten. Das hat auch alles gut geklappt“, erläutert der Dachdeckermeister. Denn jeder hatte Verständnis für die Männer vom Dach.

Nicht nur an heißen Tagen sorgt die Heißmangel in der Textilpflege und Wäscherei „Clean & Wash“ für warme Temperaturen. Marina Skibner und ihre Mitarbeiterinnen sind froh, dass dieser Sommer sich bald dem Ende zuneigt. Foto: Johannes Franke

Auch die Mitarbeiter Textilreinigung Clean & Wash sind froh, dass es wieder etwas kühler ist. Denn jetzt herrschen in den Räumen in der Lingener Waldstraße wieder erträglichere Temperaturen. „Das war schon sehr anstrengend für uns, aber meine Mitarbeiterinnen und ich haben die Hitzeperiode gut überstanden“, sagt Marina Skibner rückblickend.

Morgens um 4.30 Uhr war sie schon aufgestanden, damit bereits ab 6 Uhr gemangelt werden konnte. Mangelwäsche fällt immer an, und wenn die Maschinen bis zu 200 Grad heißen Dampf ablassen, dann werden die Räume fast unerträglich erhitzt. Das sei schon eine sehr anstrengende und schweißtreibende Arbeit gewesen. „Deshalb haben wir diese Tätigkeit auf drei Tage reduziert, immer nur drei bis vier Stunden gemangelt, um uns und die Kunden nicht noch mehr zu belasten“, sagt die Chefin.

Dampfpuppe sorgt für zusätzliche Wärme

Hinzu kommen noch weitere Geräte, die für zusätzliche Wärme sorgen. Die Bügeleisen und vor allem die Dampfpuppe, an der Sakkos unter Dampf aufbereitet werden, ließen die Mitarbeiterinnen zusätzlich schwitzen. Doch nun seien die Temperaturen und das Klima in den Räumen wieder kühler und angenehmer. „Wir sind einiges gewöhnt, doch es war körperlich sehr anstrengend“, betont eine Mitarbeiterin.

Einen so extremen, lang anhaltenden Sommer mit Höchsttemperaturen draußen und drinnen hätten alle noch nicht erlebt. Selbst eine Mitarbeiterin, die seit mehr als 20 Jahren ihren Beruf in diesem Tätigkeitsbereich ausübt, kann sich an diese extremen Bedingungen nicht erinnern. Nur gut, dass die modernen Geräte mit integrierten Kühlsystemen ausgestattet sind und die Klimaanlage zudem für eine Abkühlung sorgt. „Sonst hätten wir noch viel mehr Wasser trinken müssen“, betont Marina Skibner.

Vorfreude auf den Winter

Sie blickt schon einige Monate nach vorne und freut sich über die Temperaturen im Winter. „Draußen ist es kalt, aber dann haben wir es hier richtig kuschelig“, lacht sie. „Dann laufen alle Geräte, doch jetzt reduzieren wir die Kapazitäten, um es einigermaßen erträglich zu halten.“ Die Sonne scheint bereits morgens auf die großen Fensterflächen und heizt den vorderen Bereich schnell mit auf.

„Als Chefin bin ich für die Mitarbeiterinnen und meine Familienangehörigen, die hier arbeiten, verantwortlich“, betont sie. Neben den besonders zu erfüllenden Auflagen in der modernen Chemietextilreinigung beachte sie zudem ihre Fürsorgepflicht. „Aber wir sind ja nicht die Einzigen, die bei den ungewöhnlichen Temperaturen arbeiten müssen“, betont sie und erinnert an die Bäcker, Dachdecker, Straßenbauarbeiter und andere Berufe. „Irgendjemand muss ja die Arbeit ausführen, und meine Familie hilft mir dabei. Wie sollte ich es denn sonst schaffen“, lacht sie und bedient eine hereinkommende Kundin.

Mehr aus Lingen lesen Sie in unserem Ortsportal.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN