Römische Augenblicke im LWH Lingen Fotograf Brech gibt Bekanntem eine neue Perspektive

Von Margrit Lehmkuhl-Wiese

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Lingen. Mit dem Blick auf Rom in unterschiedlichsten Facetten hat sich Christoph Brech ausführlich auseinandergesetzt. Fotos von ihm sind jetzt im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus noch bis zum 28. September zu sehen.

Fernweh habe ihn angesichts der Bilder der Ausstellung „Römische Augenblicke“ des Malers und Fotografen Christoph Brech ergriffen, sagte LWH-Leiter Michael Reitemeyer zur Eröffnung. Ein Gefühl, dass die Besucher vielleicht auch teilten, denn fast alle Anwesenden sind schon mal in Rom gewesen.

Auch in den späteren Gesprächen wurde deutlich, dass die sogenannte Ewige Stadt einen hohen Bekanntheits- und Erinnerungswert hat.

„Auge eines Entdeckers“

Darauf baut auch der Künstler Brech und fügt mit seinen malerisch konzipierten Fotografien neue, unbekannte Facetten einer Stadt hinzu, die durch Touristenströme und ewig gleiche stereotype Motiveschon fast „zu Tode“ fotografiert wurde. Christiane Hoffmanns, Kulturredakteurin aus Düsseldorf versuchte, im Gespräch mit Christoph Brech zu verdeutlichen, dass der sich in Venedig, Taipeh, Barcelona, München, Dresden, Wien und eben auch Rom mit seiner Kamera bewegende Künstler das Auge eines Entdeckers habe. So sei er während eines Stipendiums 2006 in der Villa Massimo der Deutschen Akademie in Rom in der Stadt an bekannten Orten gewesen und habe ihnen aber schatzartige ungewöhnliche Perspektiven abgerungen. 2010 bis 2013 forschte sein fotografischer Blick dann in den Vatikanischen Museen. Ohne Zensur merkte der Fotograf an.

Blick für das Übersehene

Brech bestätigte die Herausforderung in der Kunst, dem Bekannten neue Perspektiven abzuringen und den Blick für das Übersehene, das Doppelbödige, für die Mythen des Alltags zu öffnen. Seine großformatigen, kontrastreichen Farbfotografien, gestaltet durch natürliches Licht, oft einfallend durch ungeahnte Öffnungen, kontrastiert durch manchmal heftige Schlagschatten, entsprechen nicht unbedingt den Erinnerungsbildern im Kopf der Betrachter an die bekannten Bauwerke Roms, zeigen aber deren Lichtzauber. „Das Auge sieht die Realität“, sagt Brech, aber auch diese neue Ansicht sei die Realität. Der Blick hinter die Dinge. Er arbeite mit den malerischen Augenblicken der Fotografie und gerade die digitale Fotografie eröffne Farbräume, die man nicht schöner mit Künstlerfarben malen könne.

Spiel von Licht und Schatten

Der Gang durch die noch bis September gezeigte Fotoausstellung bestätigt die Vorliebe des Fotografen für das Spiel von Licht und Schatten und die Dramaturgie der so geschaffenen Räume. Sie fordern die Fantasie der Betrachter heraus wie Bühnenbilder, dort in diesem speziellen Raum das eigene Stück der Erinnerungen an Rom entstehen zu lassen. Kunst entstehe im Kopf des Betrachters, sagt Brech.

Auch Videoinstallationen

Gezeigt werden auch drei Videoinstallationen, untermalt mit Musik. Konvex, konkav verzerrt bewegt sich in einem dort gezeigten Film eine Kamera, montiert auf ein Auto, durch Rom, und in rätselhafter Schönheit entstehen und vergehen Farben und Formen und lassen ahnen, wie malerisch eine Stadt sein kann, obwohl gleichzeitig der heftige Autoverkehr durch die Straßen tobt.


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