Dankbare Bewohner Ehrenamtliche des „rollenden Lädchens“ machen Lingener Senioren schick

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Lingen. Gut erhaltene Kleidung zu niedrigen Preisen: Das ist das Prinzip von SkF-Fashion in Lingen – ein Angebot, das gut angenommen wird. In einem „rollenden Lädchen“, bespickt mit Kleidung, machen sich regelmäßig Ehrenamtliche auf, um Senioren in Lingener Pflegeeinrichtungen modisch zu beraten.

Anneliese Schmiedel ist zufrieden: Ein Paar weiße Sandalen hat sie erstanden. „Sind die auch modisch?“, möchte die Dame mit dem leicht bayerischen Dialekt wissen. „Das ist ein zeitloser Stil. Damit kommen Sie immer gut an“, versichert ihr Liesel Hodde. Sie ist eine von zehn Frauen, die in ihrer Freizeit regelmäßig in das Kursana Domizil Lingen kommen, um den Bewohnern dort eine Auswahl an Bekleidung anzubieten. Das „rollende Lädchen“ nennt sich dieser einmal monatliche Service, der sich aus dem Ladenlokal „Fashion“ des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) am Pferdemarkt heraus entwickelt hat.

Helfer kennen ihr Klientel

Brigitte Juth und Magdalena Zillger sind von Anfang an dabei. Sie erzählen, wieso sie sich seit fast zehn Jahren unentgeltlich für diese Aktion einsetzen, worauf es dabei ankommt und wie die Bewohner davon profitieren. Gute Kleidung zu guten Preisen – das ist das primäre Ziel, wenn das rollende Lädchen mit Secondhand-Oberbekleidung, Schuhen, Wäsche, aber auch dekorativen Utensilien wie Tischdeckchen, Figuren und anderem Zierrat in das Pflegeheim einrollt. Und nicht nur ins Kursana, sondern ebenso in die Seniorenresidenz Curanum und ins Alloheim Emsauenpark. „Wir schauen uns aus den gespendeten Kleidern am Pferdemarkt das aus, was für unsere spezielle Zielgruppe in Frage kommt und legen das im „Fashion“ beiseite. Wir kennen die gängigen Größen; wir haben den Überblick darüber, was fehlt. Beispielsweise schauen wir, je nach Saison, etwa ob Sommerjacken dabei sind“, schildert Juth die Auswahlkriterien. Hosen mit Gummizug seien wichtig; Schnürschuhe gingen hingegen gar nicht, betont sie.

Pfleger helfen bei Rollstuhlfahrern

Warum nicht, wird schnell klar, wenn man die Käufer sieht, die sich in dem für das „rollende Lädchen“ stets vorbereiteten Raum einfinden: Viele sind gehbehindert. Deshalb ist neben einer modischen Beratung auch viel Hilfe bei der Anprobe notwendig. „Allerdings dürfen wir niemanden aus dem Rollstuhl heben. Das müssen die Pfleger machen“, erläutert Zillger. Brigitte Oosterhert gehört zum sozialen Betreuungspersonal des Hauses und kümmert sich intensiv um die Bedürfnisse während der Öffnungszeit des rollenden Lädchens. „Die Bewohner sind immer glücklich, wenn sie hier stöbern können“, weiß die Betreuerin.

Kunden sind unheimlich dankbar

Damit spricht sie einen wichtigen Effekt des Angebots aus: Die soziale Komponente der Veranstaltung ist für die meisten Interessierten genauso wichtig oder sogar noch wichtiger als das reine Warenangebot. In dem Getümmel können sie erzählen und hören – auch Neuigkeiten aus der Stadt. „Die Leute sind unheimlich lieb und dankbar. Man wird auch mal in den Arm genommen, und wenn ich mal nicht da bin, werde ich direkt vermisst“, erzählt Hodde gerührt. Sie sei in einer Familie aufgewachsen, die selber ein Geschäft geführt habe, und nicht zuletzt deshalb mache ihr diese Tätigkeit einen Heidenspaß.

Einziger Mann im Team

Apropos Geschäft: Dass kaufmännisch alles korrekt läuft, dafür sorgt der einzige Mann im Team der Freiwilligen: Hermann Kossen, der Kassenwart. Bei erfolgreichem Verkaufsabschluss nimmt er das Geld und trägt alles in eine Liste ein. Unterstützt wird er dabei von Heike Linnemann. Sie ist als soziale Betreuerin im Kursana angestellt. „Manche Bewohner zahlen nicht bar. In diesem Fall ziehe ich das Geld vom Taschengeldkonto ab“, erklärt sie. Außerdem sorge sie dafür, dass die gekaufte Bekleidung, die im Haus gewaschen wird, direkt ein Namensschild erhält.

Etwas Positives tun

Kossen hat aber noch eine weitere, sehr wichtige Aufgabe: Denn wie würde ein rollendes Lädchen ohne Fahrer funktionieren? „Das ist meine Aufgabe. An einem Einsatztag bin ich etwa viereinhalb Stunden im Dienst. Aber ich weiß, ich tue hier etwas Positives, und solange alles harmonisch läuft, macht es mir Spaß“, unterstreicht er.

Diese zwei Aspekte sind die Motoren für den unentgeltlichen Einsatz des Teams: das Wissen, etwas Sinnvolles zu tun und die Freude an der Sache. Von der Pflegeeinrichtung werde das Team wertgeschätzt. Davon sind alle überzeugt. „Wir werden zum Grillfest eingeladen oder bekommen auch mal Blümchen“, freut sich Zillger. Sabine van Olfen ist Leiterin der sozialen Betreuung des Kursana Domizils und bestätigt: „Wir wissen dieses Angebot sehr zu schätzen“.

Neu im Team ist Margret Brinker. „Als meine Nachbarin mich gefragt hat, ob ich auch Lust dazu hätte, habe ich ja gesagt. Ich habe Zeit und ich möchte helfen. Dass für die Bewohner so ein günstiges Angebot gemacht wird, finde ich toll“, begründet die Lingenerin.


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