Engagement der Diakonie Schulkinder im Emsland sollen nicht stigmatisiert werden

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Die Finanzierung des Schulbedarfs für Kinder aus einkommensschwachen Familien ist weiterhin ein Problem. Darauf verwiesen Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werks Emsland-Bentheim. Von links: Anne Coßmann-Wübbel, Ulla Bleker, Ulrike Appeldorn und Dagmar Wölk-Eilers. Foto: Ludger JungeblutDie Finanzierung des Schulbedarfs für Kinder aus einkommensschwachen Familien ist weiterhin ein Problem. Darauf verwiesen Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werks Emsland-Bentheim. Von links: Anne Coßmann-Wübbel, Ulla Bleker, Ulrike Appeldorn und Dagmar Wölk-Eilers. Foto: Ludger Jungeblut

Lingen. Bildungschancen für alle entsprechen nach Ansicht des Diakonischen Werks Emsland-Bentheim auch im Emsland immer noch nicht der Realität. Dashaben Fachkräfte der Diakonie anhand des Problems bei der Finanzierung von Schulbedarf deutlich gemacht.

In einem Gespräch mit der Redaktion verwies Kirchenkreissozialarbeiterin Anne Coßmann-Wübbel (Lingen) darauf, dass Familien aus einkommensschwächeren Schichten nur mit größter Mühe, wenn überhaupt, die Möglichkeit hätten, die Kosten aufzubringen. Dies gelte bei der Einschulung und beim Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule. Ihre Einschätzung wurde von ihren Kolleginnen Dagmar Wölk-Eilers und Ulla Bleker (beide Meppen) sowie Ulrike Appeldorn (Papenburg) geteilt. Gemeinsam mit den Diakonie-Sozialarbeiterinnen Claudia Schoon und Friederike Mohs haben sie auch in diesem Jahr alle Anstrengungen unternommen, um die finanziell klammen Familien zu unterstützen.

Gesetzliche Neuregelung gefordert

Sie bedauerten es, dass der Landkreis Emsland als Sozialhilfeträger mit Blick auf die geltenden Bestimmungen den betroffenen Familien keine ausreichende finanzielle Unterstützung für den tatsächlichen Schulbedarf aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gewähren kann. Coßmann-Wübbel:„Wir haben unseren Klienten geraten, Widerspruch dagegen einzulegen. Das Diakonische Werk in Niedersachsen hat angeboten, in Klagefällen den Familien einen Rechtsbeistand zur Seite zu stellen. Wegen der zu erwartenden langen Verfahrensdauer haben aber alle Klienten bisher auf Widerspruch verzichtet.“ Die Diakonie-Vertreterinnen forderten nachdrücklich eine gesetzliche Neuregelung.

Diakonie unterstützt 70 Familien

Nach den Worten von Coßmann-Wübbel ist es dank der Kollektenmittel aus einem Programm des Diakonischen Werkes in Niedersachsen und örtlicher evangelisch-lutherischer Kirchengemeinden gelungen, 70 Familien im Emsland mit je 50 Euro für die Anschaffung von Schulbedarf zu unterstützen. „Dies reicht aber nicht, um alle Kinder dieser Familien zu berücksichtigen“, sagte die Kirchenkreissozialarbeiterin.

„Finanzielle Belastung auch durch Leihgebühren“

Ihre Kolleginnen machten darauf aufmerksam, dass der Schulbedarf und damit der finanzielle Aufwand immer größer werde. Beispielhaft verwies Wölk-Eilers auf Laptops und Taschenrechner. „Schon für ein einzelnes Kind kommen da schnell mehrere hundert Euro zusammen“, erklärte Appeldorn. Auch die Leihgebühren für die Benutzung der Unterrichtsmaterialien in der Schule würden sich zu einer finanziellen Belastung für einkommensärmere Familien summieren. Die Sozialarbeiterinnen appellierten an die Schulen, bei den Schulmaterialien verstärkt auf kostengünstige Produkte zu achten. „Muss es immer ein hochwertiger Stift sein?“, fragte Coßmann-Wübbel.

60 Schultornister überreicht

Erfreut zeigten sich die Fachkräfte der Diakonie darüber, dass es in diesem Jahr gelungen sei, im Emsland rund 60 Schultornister im Wert von je 250 Euro an Kinder zu überreichen, deren Familien sich eine Anschaffung aus eigenen Mitteln nicht leisten konnten. Großen Dank sprachen sie in diesem Zusammenhang dem Kiwanis-Verein Lingen/Meppen für deren Unterstützung aus. Bei der Abholung der Tornister haben die Sozialarbeiterinnen nach eigenen Worten in glückliche Kindergesichter geschaut. „Wir möchten nicht, dass Kinder gleich zu Beginn ihrer Schullaufbahn stigmatisiert sind“, betonte Wölk-Eilers.


Im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets erhalten auf rechtlicher Grundlage des Sozialgesetzbuches Zweites Buch (SGB II) Schülerinnen und Schüler zum 1. August (Schuljahresbeginn) eines jeden Jahres 70 Euro und zum 1. Februar (Schulhalbjahresbeginn) eines jeden Jahres 30 Euro für die Ausstattung mit persönlichem Schulbedarf. Das hat der Landkreis Emsland auf Anfrage der Redaktion mitgeteilt.

Insgesamt stehen somit laut Landkreis 100 Euro im Jahr zur Verfügung. Es handelt sich hierbei um pauschale Leistungen. Sie dienen dazu, Gegenstände zur persönlichen Ausstattung für die Schule (z. B. Schulranzen, Schulrucksack, Turnzeug, Turnbeutel) und Schreib-, Rechen- und Zeichenmaterialien (u. a. Füller, Kugelschreiber, Blei- und Malstifte, Hefte, Blöcke, Lineal, Taschenrechner Geodreieck, Tuschkasten) zu kaufen.

Zusätzlich bekommen Kinder und Jugendliche im SGB II-Leistungsbezug einen Regelbedarf zuerkannt, der altersgemäß gestaffelt ist. Pauschal sind beispielsweise für Kinder von sechs bis 14 Jahren 296 Euro im Monat, für Jugendliche von 15 bis 18 Jahren 316 Euro im Monat vorgesehen, die für Lebenshaltungskosten (u. a. Schulbedarf, Lebensmittel und Hygieneartikel) verwendet werden sollen. Über diese Summe kann im vorgegebenen Rahmen frei verfügt werden, d. h. es wird nicht geprüft, für welchen Zweck das Geld ausgegeben wird.Eine Übernahme von höheren, also über 100 Euro hinausgehenden Anschaffungskosten für Schulbücher kann laut Kreis im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets nicht erfolgen. Ob eine Übernahme dieser Kosten als Sonderbedarf nach SGB II möglich ist, ist strittig und wird derzeit vor dem Bundessozialgericht geprüft.

Grundsätzlich hält die Kreisverwaltung fest, dass die Bearbeitung der Anträge durch den Landkreis Emsland auf der vorgegebenen rechtlichen Grundlage geschieht und somit ohne Ansehen des Antragsstellers sachlich über einen Antrag entschieden wird. Im Schuljahr 2018/19 wurden bisher lediglich zwei Anträge auf Ausstattung mit persönlichem Schulbedarf abgelehnt. lj

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