NDR-Sendung in Lingen Viel Zustimmung für Rosemeyer-Museum, Kritik am Konzept

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Lingen. Die Pläne für ein privates Bernd-Rosemeyer-Museum sind bei der Aufzeichnung der NDR-Sendung „Jetzt reicht’s“ von gut 50 Bürgern diskutiert worden. Laut Oberbürgermeister Krone soll das Museumskonzept jetzt auch öffentlich im Stadtrat vorgestellt werden.

Anfang 2017 waren die Pläne des Unternehmers Heinrich Liesen bekannt geworden, in Lingen und damit der Geburtsstadt des in den 1930er-Jahren erfolgreichen Rennfahrers Bernd Rosemeyer ein Museum einrichten zu wollen. Stadt und Forum Juden-Christen lehnen das Vorhaben ab. Das Forum sieht die „in über 40 Jahren gewachsene Erinnerungs- und Gedenkkultur“ in Gefahr. Und bei einer Umsetzung forderte die Stadt zumindest einen fachlich versierten Kurator und eine „alle Facetten“ Rosemeyers behandelnde Ausstellung.

Umstrittene Persönlichkeit

Denn Rosemeyer fuhr nicht nur Weltrekorde, wurde Europameister und war mit der Rekordfliegerin Elly Beinhorn verheiratet: Er war auch SS-Mitglied und bildete mit seiner Frau in der frühen NS-Zeit das motorsportliche Glamourpaar. Mit 28 Jahren starb er Anfang 1938 bei einem neuen Geschwindigkeitsrekordversuch.

Tatsachen, die in Lingen schnell zu ebenso viel Zustimmung als auch Ablehnung zu dem privaten Museumsprojekt führten.

50 Bürger bei der Aufzeichnung

Öffentlich sind die Pläne in der Stadt bislang nicht diskutiert worden. Dies änderte sich am Dienstagabend bei der NDR-Aufzeichnung. Gut 50 Bürger waren zu Klaas-Schaper gekommen. Dort wollten sie das Gespräch der Moderatorin Anke Genius mit dem von Liesen Mitte 2017 als Museumskurator engagierten und durch seine Forschungen zu den NS-Emslandlagern bekannten Historiker Bernd Walter auf der einen Seite und dem Ersten Stadtrat Stefan Altmeppen und Heribert Lange vom Forum Juden-Christen auf der anderen verfolgen. Danach war Gelegenheit zur Diskussion.

„Propagandistische Mechanismen“

Walter stellte dabei weitere Details der Museumsplanungen vor. So sollen in dem in der Burgstraße geplanten Museum neben Rosemeyers Anfängen als Motorradrennfahrer und seinen weiteren Sporterfolgen auch „die propagandistischen Mechanismen und die Mythosbildung vor allem nach seinem Tod“ thematisiert werden. Eine auch vom Forum Juden-Christen jüngst geforderte umfassende Forschungsarbeit über Lingen in der NS-Zeit sei dafür sinnvoll, erklärte der Wissenschaftler gegenüber unserer Redaktion.

Eröffnung Ende 2019?

Derzeit arbeitet Walter an der Konzeption für den wissenschaftlichen Beirat und der Umsetzung der bei einer ersten Sitzung geäußerten Vorschläge dieses Gremiums: „Momentan gehe ich von einer möglichen Eröffnung Ende 2019 aus.“

In der Diskussion mit dem Publikum ging es vor allem um die Bedeutung der SS-Mitgliedschaft und schon bestehende Gedenkorte für Rosemeyer. „Er war ein Opportunist und hat sich durch seine SS-Mitgliedschaft Privilegien verschafft“, warnte eine Zuhörerin. „Ich habe heute hier viel Zustimmung für das Museum gesehen. Das Konzept wird dadurch aber nicht besser“, schloss der Forums-Vorsitzende Lange.

Krone: Konzept soll im Rat vorgestellt werden

Zufrieden mit der Diskussion war Anke Genius vom NDR: „Es gab hier sehr unterschiedliche Meinungen. Es wurde aber gut zugehört, und viele haben sich beteiligt. Das kenne ich durchaus anders.“

Und wie geht es weiter? Laut dem Initiator Liesen wird derzeit bei der Stadt der Bauantrag geprüft. Oberbürgermeister Krone äußerte sich auf Nachfrage unserer Redaktion: „Da die Konzeption zum geplanten Museum seit kurzer Zeit vorliegt, halte ich es jetzt für den richtigen Zeitpunkt, diese den Ratsmitgliedern in einer öffentlichen Sitzung vom Kurator vorstellen zu lassen, um ausführliche Informationen aus erster Hand zu erhalten.“

Jetzt reicht’s wird heute ab 19 Uhr auf NDR 1 Niedersachsen und anschließend in der Mediathek zu hören sein.

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Wörtliches:

„Als Stadt sind wir gegen dieses Museum. Bernd Rosemeyer war SS-Mitglied und hat sich von der NS-Propaganda benutzen lassen. Es ist aber ein privates Museum. Dort sollte dann zumindest sein ganzes Leben beleuchtet werden. Geht das auf 200 Qua-dratmetern? “

Stefan Altmeppen,

Lingens Erster Stadtrat

„Ich bin für den Bau des Museums. Er war ein fantastischer Rennfahrer. Und ob und wie er politisch aktiv gewesen ist, scheint heute keiner so genau zu wissen.“

Walter Saller, Motorsportfreunde Lengerich

„Ein Museum für Bernd Rosemeyer als Lichtgestalt der Nazis und Glamourfigur ihrer politischen Propaganda ist weder nötig noch nützlich. Ein solches Museum könnte vielmehr die Glaubwürdigkeit der gemeinsamen Erinnerungsarbeit in dieser Stadt nachhaltig beschädigen.“

Heribert Lange, Vorsitzender Forum Juden-Christen

„Rosemeyer ist im Rennsport eine zentrale Figur und eine Person der Zeitgeschichte. Man darf nichts relativieren, muss ihn aber in die Lebensumstände seiner Zeit einordnen. Was heute weitgehend fehlt, ist die Erforschung der Mitläufer. Durch dieses Museum hat man die Chance, in der lokalen Erforschung der NS-Zeit voranzukommen.“

Prof. Bernd Walter,

Museumskurator

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