Kreuzkirchenkonzert in Lingen Mami Nagata überzeugt an der Orgel

Von Peter Löning

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Großen Eindruck hinterließ die japanische Organistin Mima Nagata bei ihrem sommerlichen Konzert in der Lingener Kreuzkirche. Foto: Peter LöningGroßen Eindruck hinterließ die japanische Organistin Mima Nagata bei ihrem sommerlichen Konzert in der Lingener Kreuzkirche. Foto: Peter Löning

Lingen. Zu einem sommerlichen Orgelkonzert lockte die japanische Organistin Mami Nagata so manchen Musikliebhaber am Sonntagabend in die Lingener Kreuzkirche.

Im Alter von zarten 31 Jahren hat sie gerade ihr Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart mit dem Konzertexamen abgeschlossen, das ist der höchst mögliche Abschluss für Musiker an deutschen Hochschulen. Nach Lingen brachte sie ein vornehmlich barock gefärbtes Programm mit, das einige auch unbekannte Schätze in sich trug. Dabei gelangen ihr einige interessante Gegenüberstellungen.

Meditative Schönheit

So eröffnete die junge Organistin mit einem volltönig strahlenden Präludium des Erfurter Komponisten Johann Christian Kittel, der als letzter Schüler Johann Sebastian Bachs zählt. Bachs Präludium und Fuge BWV 541, eines der wohl meistgespielten Orgelwerke Bachs, schloss den Abend mit verspieltem und lebensfroher Stimmung durchaus rund ab. Bach, so heißt es, nahm in seiner Jugend wohl Orgelstunden bei Georg Böhm, dessen reich verzierte Bearbeitung von „Vater unser im Himmelreich“ hier mit beinahe meditativer Schönheit sehr beeindrucken konnte.

Traurige Variationen

Melchior Schmidt, der Komponist der ergreifend traurigen Variationen über „Paduana Lacrima“ war Schüler von Jan Pieterszoon Sweelinck, dessen „Fantasie Chromatica“ in all ihrer unumgänglichen Schicksalhaftigkeit des Hörers Ohr zu packen wusste. Ein Abstecher in südeuropäische Gefilde führte zu Claudio Merulo, dem wohl ältesten Vertreter dieses Programms. Seine „Toccata Quarta“ barg, sehr typisch für seine Zeit, in sich eine sich bis fast ins Unendliche fortspinnende Melodie, ehe sie zu herrlich erhellender Mehrstimmigkeit aufschwang. Ein rechter Hörgenuss. Giovanni Salvatores „Canzone Francese“ war hier wohl das eigenwilligste Werk mit deutlich von einander abgesetzten Passagen und einem harmonisch sehr aufregenden Zwischenspiel.

Ansprechendes Menuett

In warmen Registern schmeichelte gar die „Ciacona“ des Georg Muffat, die sehr virtuos für die Solistin ein kleines und ansprechendes Menuett durch etliche Variationen, doch mit einiger Leichtigkeit in die Ohren des Publikums schmiegen ließ. Der Magie der keck fallenden kleinen Kuckucksterz widmete Nagata in ihrem Programm gleich zwei Kompositionen: ein „Capriccio“ von Johann Caspar Kerll und das erste „Allegro“ aus Georg Friedrich Händels 13. Orgelkonzert; übrigens in eigener Bearbeitung. Bei allem Unterschied in der Anlage dieser beiden Stücke traten hier jedoch auch so manche Parallelen zutage, nicht unlustig.

Komponist Asahi Matsuoka anwesend

In das Zentrum ihres Programms aber stellte Mami Nagata das Stück „Schaukel“ des übrigens anwesenden Komponisten Asahi Matsuoka. Ein sehr schönes und intimes Werk mit leicht romantischer Färbung, dem ein Ölgemälde Jean Honoré Fragonard zugrunde liegt. Ein tolles Werk hier glücklich platziert in einem genussreichen Kreuzkirchenkonzert.

Vielen Dank dafür.


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