Faszination Segelfliegen Luftsportverein Lingen auf der Suche nach neuen Mitgliedern

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Lingen. Die Segelflieger des Luftsportvereins (LSV) Lingen haben ihre Heimat am Flugplatz Nordhorn-Lingen. Sie sind auf der Suche nach weiteren Vereinsmitgliedern, denn Segelfliegen ist ein Sport, der beim Start personalintensiv ist.

Als das 1000 Meter lange Seil der Startwinde neben der D-6991, einem der fünf vereinseigenen Segelflugzeuge des LSV, sich langsam anspannt, weiß der Fluggast: Jetzt geht es richtig los. In knapp drei Sekunden beschleunigt die 280 PS starke Winde den Segler auf rund 100 Stundenkilometer. Die nächsten Sekunden gleichen einer Achterbahnfahrt, die nur eine Richtung kennt: nach oben. In einem Winkel von über 45 Grad schleppt die Winde das Segelflugzeug in nur etwa 15 Sekunden auf gut 400 Meter Flughöhe. Pilot und LSV-Vorsitzender Heiner Schütte bringt das Flugzeug nach dem Ausklinken des Seils in eine normale Lage. Danach herrschen Ruhe und Entspannung pur. Im Cockpit der D-6991 ist nur das Geräusch des Windes zu hören, während Schütte Thermik sucht und findet, weiter aufsteigt. Eine Unterhaltung in Zimmerlautstärke ist problemlos möglich.

Fliegen liegt Elfjährigem im Blut

Rund 90 Mitglieder hat der LSV Lingen. Davon ist etwa die Hälfte aktiv. Zu den aktiven Mitgliedern gehört auch Nevio Talle. Der Elfjährige lernt nicht nur in der Gesamtschule Emsland, sondern auch beim LSV. Mit einer Ausnahmegenehmigung ist er der jüngste Flugschüler des Vereins. „Seit April fliege ich mit Fluglehrern und habe mittlerweile 27 Starts und Landungen absolviert“, sagt Nevio. Das Fliegen liegt ihm quasi im Blut: Nevios Vater war kommerziell fliegender Pilot und ist Segelfluglehrer und -prüfer.

Keine Altersbegrenzung

„Es gibt seit Kurzem keine Altersbegrenzung für das Segelfliegen mehr, auch wenn es sinnvoll ist, mit etwa 14 Jahren anzufangen“, sagt Ralf Siepker, der beim LSV für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Gewicht und Größe müssen passen und die geistige Reife vorhanden sein“, erklärt Siepker. Bei Nevio passt das Gewicht noch nicht ganz. Mit dem hinter ihm sitzenden Fluglehrer an Bord wird das Segelflugzeug hecklastig. „Das gleichen wir mit ein paar Trimmgewichten vorne im Cockpit aus“, erklärt Vereinsvorsitzender Schütte, wie der Elfjährige trotzdem schon mit Lehrer fliegen darf. Nevios Größe stimmt: An die Pedale für das Seitenruder kommt er locker ran und auch über den Cockpitrand kann er schauen, um den Luftraum zu beobachten.

Persönlichkeitsentwicklung der jungen Flugschüler

Mindestens 14 Jahre alt muss ein Flugschüler sein, um sich „Freifliegen“ zu können. Freifliegen bedeutet, alleine ohne den am Boden stehenden Fluglehrer starten zu dürfen, zu dem es dann nur noch eine Funkverbindung gibt. Mit 16 Jahren können Segelflieger dann ihre Lizenz für den Alleinflug ohne Fluglehrer erhalten. Siepker weist auf die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Flugschüler hin: „Mit 14 Jahren alleine am Steuerknüppel eines Segelflugzeuges zu sitzen, steigert sowohl das Selbstbewusstsein als auch das Verantwortungsgefühl.“

Zeitintensives Hobby

Segelfliegen ist in den Augen von Schütte und Siepker kein elitäres Vergnügen. Jugendliche bis 20 Jahre zahlen beim LSV 35 Euro Monatsbeitrag, Erwachsene 50 Euro. „Das ist eine ‚Flatrate‘ und die Nutzung der vereinseigenen Flugzeuge und die Ausbildung sind, außer den Prüfungsgebühren, inbegriffen“, sagt Siepker. Er gibt zu, dass Segelfliegen ein zeitintensives Hobby ist: „Wir sind am Wochenende oft den ganzen Tag am Platz.“ Einfach einsteigen und losfliegen – das funktioniert nicht. „Wir brauchen einen Windenfahrer, einen Startleiter und einen Starthelfer“, erläutert Siepker.

Gastflüge und Schnupperwochenende

Wer nicht direkt Vereinsmitglied werden, aber trotzdem einmal den rasanten Start und das anschließende entspannte Gleiten in einem Segelflugzeug erleben möchte, hat dazu beim LSV Lingen mehrere Möglichkeiten. „Einfach einmal samstags oder sonntags bei uns vorbeischauen und spontan einen Gastflug mitmachen“, lockt Schütte Interessierte und hofft, so neue Vereinsmitglieder zu gewinnen. 25 Euro kostet die, je nach Thermik, bis zu 20 Minuten dauernde Erfahrung. Ein Schnupperwochenende, bei dem der Gast an zwei Flugtagen als Pilot wie ein Flugschüler vorne im Segler sitzt, kostet 40 Euro.

Weitere Informationen zum Verein, zur Ausbildung und zu Mitfluggelegenheiten gibt es auf www.lsvlingen.de oder per E-Mail an vorstand@lsvlingen.de.


Segelfliegen – Hobby und Sport

Es gibt beim Segelfliegen Hobbyflieger, die nur in der Nähe ihres Flughafens fliegen. Sportlich betätigen sich die Streckenflieger und die Kunstflieger. Die Kunstflug-Landesmeisterschaften finden vom 4. bis 14. Juli 2019 beim Luftsportverein (LSV) Lingen auf dem Flugplatz Nordhorn-Lingen in Klausheide statt. „Die sind auch für Zuschauer interessant, weil die Flugmanöver der Kunstflieger vom Boden aus zu beobachten sind“, sagt LSV-Sprecher Ralf Siepker. Die Streckenflüge seien für Zuschauer eher uninteressant: „Die starten und kommen Stunden später wieder und landen“, erklärt Siepker. Am 25. und 26. August 2018 präsentiert sich der LSV gemeinsam mit den drei anderen am Flugplatz in Klausheide beheimateten Vereinen bei einem „Tag der offenen Tür“ des Flugplatzes. Auch dort bietet der LSV Mitflüge in einem Segelflugzeug an. Am 23. September 2018 ist der LSV auch beim „Tag des Sports“ des Kreissportbundes Emsland am Lingener Gymnasium Georgianum, unter anderem mit einem Segelflugsimulator, vertreten.

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