Dauerhafte Farbe auf der Straße Unfallspuren im Emsland oft lange sichtbar

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Oft monatelang erinnern vielerorts Markierungen der Polizei gewollt oder ungewollt an schwere Verkehrsunfälle. Foto: Sven LampeOft monatelang erinnern vielerorts Markierungen der Polizei gewollt oder ungewollt an schwere Verkehrsunfälle. Foto: Sven Lampe

Lingen. Schwere Verkehrsunfälle hinterlassen bei den Beteiligten und Angehörigen der Opfer oft tiefe Spuren auf der Seele – und häufig auch lange Zeit sichtbare Spuren an der Unfallstelle. Die Markierungen der Polizei sind oft monatelang vorhanden und erinnern zwangsläufig an das Geschehen.

Insbesondere für die Angehörigen von schwer verletzten oder gar getöteten Unfallopfern kann die dauerhafte Konfrontation mit den Spuren des Geschehens zur Belastung werden. Um nicht ständig an den Vorfall erinnert zu werden, meiden sie die Stelle und nehmen lieber einen Umweg in Kauf.

Unfallskizze

Dennis Dickebohm von der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim in Lingen kann das nach eigenen Worten gut verstehen, ändern allerdings nicht. Bei kleineren Unfällen fertigen die Beamten vor Ort eine Skizze an und markieren wesentliche Punkte am Unfallort mit herkömmlicher Kreide. „Dabei kommt es nicht auf ein paar Zentimeter an“, so Dickebohm. Deswegen sei es auch egal, wenn die Markierungen möglicherweise vom nächsten Regenschauer weggespült werden.

Aufwändige Technik

Anders stellt sich die Situation laut Dickebohm bei Unfällen mit Schwerstverletzten oder gar Toten dar. In derartigen Fällen werden die Unfallorte mit aufwändiger Technik so exakt wie möglich vermessen und auf Video aufgenommen, um den Unfallhergang rekonstruieren zu können. Da dieses Verfahren zeitaufwändig ist und häufig nicht an einem Tag komplett erledigt werden kann, werden die notwendigen Messpunkte, die Positionen der Fahrzeuge, Opfer und anderer wesentlicher Hinweise mit einer länger haftenden Farbe markiert. Ansonsten wäre die Gefahr zu groß, dass wichtige Markierungen beispielsweise nach dem nächsten größeren Regen verschwunden sind.

Positive Auswirkungen?

Dickebohm mag sogar nicht ganz ausschließen, dass die lange Zeit sichtbaren Spuren auch gewisse positive Auswirkungen haben können. Denn für diejenigen, die an ihnen vorbeifahren und sie wahrnehmen, sind sie möglicherweise ein kleiner Anstoß dafür, darüber nachzudenken, was dort passiert ist und gegebenenfalls etwas den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.

„Warnung und Mahnung“

Ein Denkansatz, dem auch Pastor Marcus Droste etwas abgewinnen kann. Der evangelisch-lutherische Notfallseelsorger aus Salzbergen kann sich durchaus vorstellen, dass die lange Zeit sichtbaren Markierungen sowohl eine warnende als auch eine mahnende Wirkung haben können. Ähnlich wie die Unfallkreuze oder Blumen, die vielerorts von Freunden oder Angehörigen von Unfallopfern aufgestellt und niedergelegt werden.

„Normale psychische Reaktion“

Ihm selbst seien aus seiner Tätigkeit als Notfallseelsorger keine Fälle bekannt, in denen Angehörige explizit darüber geklagt hätten, durch die Markierungen an das Geschehen erinnert zu werden. Das, so Droste, könne allerdings auch daran liegen, dass er nur kurz nach einem Unglück akute seelsorgerische Hilfe leiste. Dass Menschen nach einem Unglück oder einem anderen negativen Ereignis den Ort des Geschehens meiden, ist laut Droste eine ganz normale psychische Reaktion, die jeder an sich beobachten könne.


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