Wegen Schadensregulierung Koop kritisiert Verwaltung nach Brand der Lingener Pestalozzischule

Von Wilfried Roggendorf

Immer wieder schlagen die Flammen aus dem Gebäude der Pestalozzischule heraus. Foto: Wilfried RoggendorfImmer wieder schlagen die Flammen aus dem Gebäude der Pestalozzischule heraus. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Mitte November 2017 ist das Schulgebäude der Lingener Pestalozzischule abgebrannt. Der Fraktionsvorsitzende der Bürgernahen im Stadtrat, Robert Koop, kritisiert in seinem privaten Blog eine zwischen der Stadt Lingen und der VGH, bei der das Gebäude versichert war, geplante Vereinbarung zur Schadensregulierung.

Das stark sanierungsbedürftige Schulgebäude stand zum Zeitpunkt des Brandes leer. Die Schüler wurden bereits seit dem Frühjahr 2016 im Gebäude der ehemaligen Gebrüder-Grimm-Schule unterrichtet. Weiter genutzt wurde die Turnhalle für den Vereinssport und die Hausmeisterwohnung. Dort war eine Flüchtlingsfamilie untergebracht. Die Stadtverwaltung hatte im Juni im Planungs- und Bauausschuss mitgeteilt, dass man sich mit der VGH verständigt habe, dass diese für den Schaden zuständig sei, allerdings aufgrund der Umstände hier wohl ein Abriss der Schule anstelle einer Reparatur zu bevorzugen sei.

Koop: Denke an deine Steuern und finde den Fehler

Koop schreibt in seinem Blog: „Wird ein Gebäude, etwa eine Schule oder eine Turnhalle, zweckentfremdet und zur Unterbringung von Flüchtlingen oder Asylbewerbern genutzt, kann sich dadurch das zu versichernde Risiko verändern. Könnte es sein, dass die Lingener Stadtverwaltung ‚vergessen‘ hat, der VGH die geänderte Nutzung mitzuteilen, so dass die VGH deshalb Probleme macht?“ Und er wirft der Stadt Lingen indirekt Verschwendung von Steuergeldern vor. „Statt geschätzt 3 bis 4 Millionen Euro für eine neue Schule gibt es von der VGH-Feuerversicherung geschätzt 15.000 für Moss‘ Bernd, der abreißt. Denke an deine Steuern und finde den Fehler“, schreibt Koop.

VGH widerspricht Erklärung der Stadt nicht

Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte die Stadt Lingen hierzu schriftlich: „Die Pestalozzischule in Lingen wurde bereits seit dem Frühjahr 2016 nicht mehr als Schule genutzt. Dies ist unmittelbar der VGH angezeigt worden und dementsprechend sind die Änderungen in den Versicherungen erfolgt. Für die weiterhin genutzte Turnhalle und die Hausmeisterwohnung hingegen wurde die bestehende Versicherung weiter fortgeführt. Alle Nutzungsänderungen gen wurden auch bei den beiden Gebäudeteilen mit der VGH abgestimmt.“ Die Wohnung selbst sei von dem Brand im November 2017 nicht betroffen gewesen. Allerdings seien durch das Feuer die Gasleitungen zu der Wohnung unterbrochen worden, so dass diese für einige Wochen unbewohnbar geworden sei. Eine erste Kostenschätzung der VHG zur Regulierung des Schadens belaufe sich auf einen siebenstelligen Betrag. Über diesen Sachstand habe die Stadt die Ratsgremien auch informiert.

Die VGH wollte sich mit Hinweis auf ihre Schweigepflicht und den Datenschutz nicht zu den Einzelheiten der noch laufenden Schadensregulierung äußern, erklärte jedoch in einer E-Mail an die Redaktion, inhaltlich keine Einwände gegen die schriftliche Stellungnahme der Stadt zu erheben.

Schreinemacher: Verbrennen kein städtisches Geld

„Wir verbrennen mitnichten städtisches Geld“, erklärte Stadtbaurat Lothar Schreinemacher auf weitere Nachfrage. Nachdem das Schulgebäude als solches nicht mehr genutzt wurde, sei die Versicherung von einer gleitenden Neuwert- auf eine Zeitwertversicherung umgestellt worden. Die VGH übernehme neben den Abrisskosten auch alle weiteren. Hierzu gehört das Erstellen der provisorischen und endgültigen Energieversorgung für die Sporthalle und die ehemalige Hausmeisterwohnung, die Sicherung der Brandstelle, den Mietausfall für einen Monat für die Wohnung und entstandene Inventarschäden für eingelagerte Möbel der Overbergschule sowie des Fachdienstes Recht und Ordnung.


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