Großbaustelle an der Waldstraße Eine Pyramide in Lingen: Die BP baut im großen Stil

Von Thomas Pertz


Lingen. Der Neubau der BP-Raffinerie an der Waldstraße in Lingen macht große Fortschritte. Ende des Jahres werden die ersten Mitarbeiter umziehen. Dies erklärten Bernhard Niemeyer-Pilgrim, Vorsitzender der Geschäftsführung, und Projektleiter Mark Driever im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eine Mischung aus Begeisterung und Stolz schwingt in den Worten von Bernhard Niemeyer-Pilgrim mit, wenn er auf die Großbaustelle an der Waldstraße blickt. „Manchmal muss ich mich selbst kneifen und fragen: Ist das alles real?“, strahlt der Raffinerieleiter der BP in Lingen und schaut im Besprechungsraum des Baucontainers nach links. Dort sitzt Mark Driever. Der Bauingenieur der BP, Projektleiter des neuen Verwaltungs- und Dienstleistungszentrums mit Werkstätten, Feuerwehr und Labor, lächelt ebenfalls. „Klar ist das real“, scheint sein Gesichtsausdruck mitzuteilen.

Mehr als 50 Millionen Euro investiert die BP in den Neubau. Dass die Konzernmutter in London grünes Licht für dieses größte Bauprojekt in der jüngeren Geschichte der Lingener Raffinerie gab, ist den Worten von Niemeyer-Pilgrim zufolge keine Selbstverständlichkeit gewesen. „Wir hatten eine klare Vorstellung und Vision“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Wenn wir nur ‚klein denken‘ würden, bis zum nächsten Tag, dann wäre das hier nicht entstanden.“

„Die Londoner waren beeindruckt“

Von der Realisierbarkeit habe man die BP in London überzeugen können. Zumal sich die Verantwortlichen der Raffinerie in Lingen auch der Unterstützung der Stadt sicher waren, was die Zügigkeit von Genehmigungsverfahren und andere behördliche Verfahrenswege anbelangt. „Die Londoner waren beeindruckt, auch von der Grundsteinlegung, wer dorthin kam und redete“, erinnert Niemeyer-Pilgrim an den 16. Januar. Neben Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone hatte auch Landrat Reinhard Winter zur außergewöhnlichen Investition gratuliert und den regionalen Rückhalt für das Neubauvorhaben noch verstärkt.

Von der Waldstraße aus sind dessen Dimensionen auf dem sechs Hektar großen Gelände allenfalls zu erahnen. „Wir liegen gut im Zeitplan. Bis Ende des Jahres werden bereits große Teile des Verwaltungsgebäudes bezugsfertig sein“, sagt Projektleiter Driever. Auch der Rohbau für die weiteren Gebäudeteile sei dann fertiggestellt. Im Juli konnte das Wahrzeichen des neuen Gebäudes, der sogenannte Leuchtturm, aufgesetzt werden. Diese rund 20 Meter hohe, pyramidenförmige Stahlkonstruktion ist mit speziellen Folienkissen ummantelt. Sie gewähren nach Angaben der BP einen optimalen Tageslichteinfall und sind unter anderem von der Allianz Arena in München bekannt.

Neben dem Verwaltungstrakt profitieren auch die weiteren Funktionseinheiten von dem Neubau. „Die Werkfeuerwehr wird eine automatisierte Einsatzleitstelle und ein neues Ausbildungszentrum erhalten, in dem um Beispiel Atemschutzübungen oder Einsatzszenarien unter realen Bedingungen geprobt werden können“, so Niemeyer-Pilgrim. Zudem wurde das Gebäude von Anfang an barrierefrei geplant.

Verantwortlich für den Bau sind die Bauunternehmungen Hofschröer und August Mainka aus Lingen als Arbeitsgemeinschaft, die eine bundesweite Ausschreibung für sich entscheiden konnten. „Die Zusammenarbeit mit ihnen funktioniert hervorragend“, unterstreicht Niemeyer-Pilgrim. Beide Unternehmen hätten „die Leidenschaft, das in 1A-Qualität hinzubekommen“. Gegenwärtig arbeiten täglich rund 150 Menschen auf der Baustelle.

Mit „Open Space“ wird die Philosophie beschrieben, die den Charakter des Neubaus der BP beschreibt: Übersetzt mit „Freifläche“, sind damit multifunktional nutzbare Räume gemeint, die eine offene Arbeitsatmosphäre ermöglichen. Projektleiter Driever betont, dass alle Abteilungen der Raffinerie in die Planungen einbezogen würden. Das Gleiche gelte für den Betriebsrat. „Durch dieses Gebäude wird die Attraktivität der BP massiv gewinnen“, beschreibt Niemeyer-Pilgrim den Schub, den das Projekt nach seiner Auffassung auslösen wird. Auch der Bau der Zentralen Messwarte auf dem Raffineriegelände in den Jahren 2013/14 für 25 Millionen Euro habe dazu beigetragen.

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Zur Raffinerie der BP in Lingen

Die Raffinerie in Lingen gehört seit 2002 zum BP Konzern, einem der größten Energieunternehmen der Welt. Derzeit arbeiten rund 750 Mitarbeiter bei BP Lingen. Aus den jährlich verarbeiteten rund 5 Millionen Tonnen Rohöl werden unter anderem Kraftstoffe, Heizöl und chemische Vorprodukte hergestellt, die an Großhändler, Zwischenhändler und über Tankstellen an den Endkunden verkauft werden. BP Lingen zählt heute zu den leistungsstärksten Raffinerien Europas. Als einzig verbliebene Kraftstoffraffinerie in Niedersachsen verarbeitet BP Lingen annähernd sämtliches in Niedersachsen gefördertes Rohöl. Bereits im Jahr 2013/2014 hatte BP Lingen in den Bau einer zentralen Messwarte investiert, um die vormals sechs dezentral angesiedelten Messwarten zusammenzuführen. Hier arbeiten die Anlagenfahrer (Operator) Schulter an Schulter und steuern, kontrollieren und überwachen die

Prozesse rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr.

Zum Bauvorhaben

Verantwortlich für den Bau sind die Bauunternehmungen Hofschröer und Mainka aus Lingen als Arbeitsgemeinschaft. Als Planer zeichnen sich die Unternehmen Lindschulte (Nordhorn) sowie Bolles und Wilson (Münster) verantwortlich. Für die Ausführung im Bereich der technischen Gebäudeausstattung haben die Unternehmen Heilen GmbH und Heinrich Voss Gebäudetechnik den Zuschlag erhalten. Auf der Baustelle werden insgesamt 10.000 Kubikmeter Beton verbaut. Ein Großteil als Ortbeton, der Rest als Betonfertigteilkonstruktion. In Spitzenzeiten arbeiten 15 bis 20 Nachunternehmer mit bis zu 160 Mitarbeitern gleichzeitig auf der Baustelle.

Das neue Gelände ist infrastrukturell an die Raffinerie angebunden. Entsprechende Medientrassen mit der Mess-, Steuer- und Regeltechnik und Elektrokabeln, Abwasser- und Fernwärmeleitungen wurden vom Raffineriegelände auf die Baustelle gelegt. Als Übergabestation der elektrischen Leitungen aus dem Werk dient ein neu errichtetes Schalthaus.

Der Kreuzungsbereich an der Waldstraße wird unterdessen durch die Stadt Lingen gebaut. Die Verkehrsleittechnik erlaubt es zukünftig, dass bei einem Einsatzfall die Leitstelle der Werkfeuerwehr die Ampelanlage steuern kann.

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