In Vechteabschnitt wieder ausgesetzt Lingener Biber flüchtet vor Trockenheit von den Brögberner Teichen

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wrog Lingen. Ein Biber ist aus dem ausgetrockneten Grabensystem der Brögberner Teiche bei Lingen vermutlich wegen der Trockenheit Anfang August 2018 auf Wanderschaft gegangen. Er wurde im Garten einer drei Kilometer entfernt in Baccum-Ramsel wohnenden Familie entdeckt und vom Bauhof zur Tierauffangstation des Tierparks Nordhorn gebracht.

Der Transport nach Nordhorn geschah in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Lingen. Im Tierpark verbrachte das laut einer Mitteilung des Tierparks eine erste Nacht in der Nachbarschaft von Nasenbär und Co. Die angebotenen Äpfel und Weidenzweige verschmähte er nicht. Seine unglaublich kräftigen Zähne hinterließen deutliche Spuren am Sichtschutz seiner Unterkunft.

In Vechteabschnitt ausgesiedelt

Biber haben eine starke Affinität zu ihrem Revier. So sollten Biber immer in ihre Stammreviere oder deren Nähe zurückgebracht werden. Da das im Internetportal „Die Emslandbiber“ ausgewiesene nächstgelegene Biberrevier nach Besichtigung ebenfalls weitestgehend trocken gefallen war, musste die verantwortliche Tierärztin in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde der Grafschaft Bentheim notgedrungen auf einen von Bibern noch unbesiedelten naturnahen Vechteabschnitt ausweichen. Der Biber schien das nahe Wasser zu riechen. Als der Transportkäfig geöffnet wurde, strebte der Nager schnurstracks dem Ufer zu, um wie schwerelos im kühlen Nass abzutauchen.

Mehrere Gründe für Wanderschaft möglich

Nach Angaben der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Lingen habe ein Biberexperte erklärt, die Trockenheit könne eine Ursache für die Wanderung des Bibers sein. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass der Biber auf der Suche nach einem Partner oder einem neuen Revier auf Wanderschaft gegangen sei. Laut dem Experten sei es nicht ungewöhnlich, dass die Tiere dabei auch weitere Strecken über Land zurücklegen würden.

Biber leben seit 2009 in Lingen

Erste Spuren eines Bibervorkommens bei den Brögberner Teichen waren bereits 2005 festgestellt worden. 2009 hatte sich eine Biberfamilie dort fest etabliert. Drei Jahre später hatte die Stadt Lingen bauliche Maßnahmen in dem Gewässer getroffen, um den Wasserstand zu regulieren und eine Vernässung landwirtschaftlicher Flächen durch das von den streng geschützten Bibern aufgestaute Wasser zu verhindern. Trotzdem hatten 2017 unbekannte Täter wiederholt die Dämme der Nager im Brögberner Mühlenbach zerstört.


Steckbrief Biber

Der Biber ist Europas größtes Nagetier. Er kann bis 30 kg schwer und 130 cm lang werden und gehört zur Familie der Hörnchen. Die Weibchen werden meist im Alter von 2,5 Jahren geschlechtsreif, die Männchen etwas früher. Der Zugang zu ihren Bauten liegt unter der Wasserlinie. Der Wohnkessel ist regelhaft nicht weiter als 5 Meter vom Ufer entfernt, geschützt unter der Wurzel eines Baumes. An Gewässern mit fehlender Uferböschung oder Hochwassergefahr werden Burgen errichtet, diese mit Belüftungsschächten und Fluchtröhren. Nach einer Tragzeit von 105 Tagen kommen in der Regel 2-3 Jungtiere zur Welt, sehend und bereits vollständig behaart. Sie können allerdings nicht schwimmen, da ihre Fettdrüsen erst im Alter von 4-5 Wochen voll entwickelt sind. Schon ab der dritten Woche nehmen sie neben der Muttermilch auch feste Nahrung zu sich.

Die Jungtiere verlassen erst im Alter von zwei Jahren die Familie. Die lange Sozialisierung im Familienverband ist notwendig, um das überlebenswichtige, komplexe Verhaltensrepertoire ihrer Eltern zu lernen. Biber sind die einzigen Tiere weltweit, die sich ihren Lebensraum durch den Bau von Dämmen selbst gestalten. Sie halten keine Winterruhe und legen für die kalte Jahreszeit große Nahrungsflöße an. Sie sind absolute Vegetarier und benötigen im Winter bis 1 kg Rinde pro Tag, in den Sommermonaten stehen über 150 Kräuter auf ihrem Speisezettel. Ihr Durchschnittsalter wird mit 8 Jahren angegeben. Krankheiten, Bissverletzungen, Verkehrsunfälle und Überschwemmungen sind die Haupttodesursachen. (Quelle: Tierpark Nordhorn)

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