Projekt für junge Arbeitslose Talentschmiede Emsland bietet individuelle Betreuung

Von Wilfried Roggendorf

Rolf Schmachtenberg (vorne Mitte), Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, informierte sich bei Mitarbeitern des BTZ und der HÖB sowie des Landkreises Emsland und der Agentur für Arbeit über das Projekt Talentschmiede. Foto: Wilfried RoggendorfRolf Schmachtenberg (vorne Mitte), Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, informierte sich bei Mitarbeitern des BTZ und der HÖB sowie des Landkreises Emsland und der Agentur für Arbeit über das Projekt Talentschmiede. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Das Projekt Talentschmiede gibt es seit 2015 im Emsland. Es bietet Arbeitslosen eine individuelle Betreuung, die den Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen soll. Jetzt hat sich Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, über die Talentschmiede informiert.

Träger des 1,4 Millionen Euro teuren Projektes, das noch bis Juli 2019 läuft, sind das Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) des Handwerks in Lingen und die Historisch-Ökologische Bildungsstätte (HÖB) Emsland in Papenburg. Christin Wagner, Projektleiterin der Talentschmiede beim BTZ, stellte dem Staatssekretär das Projekt vor. Die Jobcenter würden für die Talentschmiede geeignete Arbeitslose zwischen 18 und 35 Jahren aussuchen. „Die Teilnahme daran ist freiwillig“, betonte Wagner. Von zentraler Bedeutung sei das Einzelcoaching der Teilnehmer. Darin werde auch ein Vertrauensverhältnis zu den Teilnehmern aufgebaut. „Vermittlungshemmnisse werden individuell und somit gezielt bearbeitet“, erläuterte Wagner.

Nicht nur geradeaus Richtung Arbeit schauen

In gemeinsamen Projekten wie beispielsweise Umweltprojekten oder Tierheimtagen würden die Teilnehmer an der Talentschmiede eigene Talente entdecken und Erfolgserlebnisse erfahren. Zudem würden die Coaches die Teilnehmer nicht nur im Kontext der Arbeitssuche kennenlernen. Wie wichtig dies ist, machte Dorothee Meyer, Coach bei der HÖB, deutlich: „Wir können nicht nur geradeaus Richtung Arbeit schauen. Es gibt bei den Teilnehmern oft viele Nebenschauplätze.“ Ihre Kollegin Ludmila Schmidt vom BTZ betonte, es sei wichtig, auf die Person eines Teilnehmers einzugehen. „Oft müssen wir auch das soziale Umfeld in Ordnung bringen“, erklärte Schmidt.

Firmen kooperieren mit Talentschmiede

Die Talentschmiede hält zudem Kontakt zu Betrieben und vermittelt Praktika. „Die Firmen müssen sich aber darauf einstellen, dass wir ein verändertes Klientel, zum Beispiel psychisch Erkrankte, haben“, betonte Wagner. Dass die Talentschmiede trotzdem funktioniert, machte Marion Schäfer, Geschäftsführerin der Lingener Schäfers Brotstuben GmbH deutlich: „Es gibt problematische junge Leute, die eine andere Betreuung brauchen.“ Ihr Unternehmen sei stark davon abhängig, Auszubildende zu bekommen. Und dies habe durch die Kooperation mit der Talentschmiede mehrmals geklappt.

Coach hilft auch bei privaten Problemen

Eine dieser Auszubildenden bei Schäfers ist Lisa-Marie Schulz. Sie befindet sich in der Verwaltung im zweiten Lehrjahr zur Kauffrau für Büromanagement. „Ich habe ein dreiviertel Jahr an der Talentschmiede teilgenommen. In dieser Zeit hat Frau Schmidt hart mit mir gearbeitet und mir auch privat geholfen, wenn ich da mal in der Klemme steckte“, sagte die junge Frau. Sie könne die Talentschmiede nur jedem empfehlen.

Perspektivlosigkeit weicht Ziel

Dies sieht auch Rene Garbade so: „Ich hatte keine Perspektive und die Schnauze voll“, gab er unumwunden zu. Bei einem Infotag der Talentschmiede sei er dann herzlich aufgenommen worden. Die Talentschmiede sei sehr hilfreich gewesen. Jetzt absolviert er im Lingener Hubertushof im dritten Jahr seine Ausbildung zum Koch. „Ich hatte zwischendurch auch einmal den Gedanken, hinzuschmeißen“, sagte Garbade. „Doch auch da hat mir mein Coach Kai Schubert vom BTZ, zu dem ich immer hingehen kann, geholfen.“ Das Beispiel Garbades zeigt, dass die Betreuung durch die Talentschmiede nicht mit der Vermittlung eines Ausbildungsplatzes enden muss. Die Perspektivlosigkeit Garbades ist mittlerweile einem hohen Ziel gewichen: „Ich möchte einmal Sternekoch werden.“

Vermittlungsquote gestiegen

Noch bis 2019 ist der Fortbestand der Talentschmiede, auch durch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds, gesichert. Seit 2015 haben 263 Arbeitslose an dem Projekt teilgenommen. 208 davon sind mittlerweile wieder ausgeschieden. Die Vermittlungsquote bei den ausgeschiedenen Teilnehmern lag 2016 bei 38 Prozent und stieg 2017 auf 57 Prozent. Von den bis Juni 2018 ausgeschiedenen Teilnehmern betrug die Quote 55 Prozent. „Bis zum Ende des Projektzeitraumes im Juli 2019 sollen insgesamt 350 Teilnehmer die Talentschmiede durchlaufen haben“, sagte Rainer Spickmann vom BTZ.

Verlängerungsanträge können ab Herbst gestellt werden

Staatssekretär Schmachtenberg zeigte sich beeindruckt von den Berichten der Coaches, fragte wiederholt nach Details der Betreuung. „Glückwunsch, Sie machen eine tolle Arbeit“, lobte Schmachtenberg den – auch persönlichen – Einsatz. Doch wie geht es nach dem Ende des vierjährigen Projektzeitraums weiter? „Im Moment liegt der Entwurf einer neuen Förderrichtlinie zur Prüfung beim Bundesrechnungshof“, erklärte Schmachtenberg auf Nachfrage unserer Redaktion. Er rechne damit, dass ab dem Herbst die Projektträger Verlängerungsanträge stellen könnten. BTZ-Geschäftsführer Heinz-Gerd Lindschulte stellte Schmachtenberg Kulinarisches in Aussicht. Die Frage des Staatssekretärs an den angehenden Koch Garbada, warum er bei der Veranstaltung im Lingener BTZ nicht gekocht habe, beantworte Lindschulte so: „Können wir machen, wenn wir die Verlängerung des Projektes bekommen.“

Weitere Informationen zur Talentschmiede gibt es auf www.btz-handwerk.de und www.hoeb.de.


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