Vor 75 Jahren in Schepsdorf Bürger in Lingen erinnern an ermordete belgische Widerstandskämpfer

Von Johannes Franke


Lingen. In einer bewegenden Feierstunde haben Bürger in Lingen der zwölf Mitglieder der belgischen Widerstandsgruppe „De Zwarte Hand“ gedacht, die am 7. August 1943 auf dem ehemaligen Wehrmachtsschießplatz im Ortsteil Schepsdorf als Opfer der nationalsozialistischen Willkürherrschaft ermordet worden sind. Zum 75. Jahrestag wurden bei einer Gedenkfeier Kränze niedergelegt.

Zur Erinnerung an die Hingerichteten hatte die Stadt Lingen 1991 einen Gedenkstein an der Kiefernstraße errichtet, der die Namen der Zwölf nennt. Um der Opfer zu gedenken und Kränze niederzulegen, waren am Dienstagabend Stadt-, Ortsrats- und Kreistagsmitglieder, Mitbürger sowie Kurt Buck, Leiter des Dokumentations- und Informationszentrums (DIZ) Emslandlager der Gedenkstätte Esterwegen, in Schepsdorf zusammengekommen.

Mit Flugblättern gegen die Deutschen

Auf ein „dunkles Kapitel in der Geschichte Lingens“ zurückblickend, erinnerte Oberbürgermeister Dieter Krone an die Überfälle deutscher Truppen in Belgien. „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“, zitierte Krone Lehrworte von Papst Leo XIII. Im belgischen Dorf Puurs hatte sich damals eine kleine Widerstandsgruppe: „De Zwarte Hand“ gebildet. Die Mitglieder verteilten antideutsche Flugblätter, legten schwarze Listen über Kollaborateure an und versuchten, Kontakte zu England herzustellen. 1941 wurden erste Mitglieder verhaftet, wenig später waren alle 112 Mitglieder verhaftet. „Zwölf von ihnen wurden am Morgen des 7. August 1943 an den Händen gefesselt und mit je zwei Bewachern in das Lingener Justizgefängnis gefahren. Später wurden sie von den Wachen auf den Wehrmachtsschießplatz bei Schepsdorf gefahren und erschossen.“ Tiefe Betroffenheit spiegelte sich in den Gesichtern der gut 50 Bürger wider, als sie diese Worte vom Oberbürgermeister hörten.

In Esterwegen beigesetzt

Die Ermordeten, der Jüngste gerade erst 20 Jahre alt, wurden in das Lager Esterwegen gebracht und auf dem Lagerfriedhof Bockhorst-Esterwegen vergraben. Die Angehörigen der Hingerichteten erfuhren dies erst viel später. Erschütternd war der Leidensweg und die Hinrichtung, von dem ein damaliger Wachmann Zeugnis ablegte. Dieter Krone zitierte: „Gedenksteine, Gedenkorte wie dieser beschreiben mehr als nur die geographische Lage. Sie verbinden Raum und Zeit, Gegenwart und Vergangenheit. An Orten leben Erinnerungen, Erfahrungen, menschliche Schicksale.“ Jeder sei verantwortlich, das historische Bewusstsein über die Ursachen des Nazismus wachzuhalten und der Erinnerung eine dauerhafte Form zu geben.

Kränze der Stadt Lingen, der belgischen Gemeinde Puurs, aus der fünf Männer stammten, sowie ein Kranz für den Freundeskreis „De Zwarte Hand“ wurden niedergelegt. Felix Hammer hatte für die Gedenkveranstaltung zwei eigene Kompositionen verfasst und sorgte für den musikalischen Rahmen auf der Violine.

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