Gute Alternative zum Privat-Auto Car-Sharing wird in Lingen gut angenommen

Von Caroline Theiling-Brauhardt

Gerne nutzt der Lingener Peter Körner das Car-Sharing Emsland  für Einkäufe. Foto: Caroline TheilingGerne nutzt der Lingener Peter Körner das Car-Sharing Emsland für Einkäufe. Foto: Caroline Theiling

Lingen. Seit Mitte August 2016 ist Car-Sharing auch in Lingen möglich. Das Projekt des Landkreises Emsland, das zeitgleich auch in Meppen und Papenburg eingeführt wurde, läuft jetzt genau zwei Jahre. Wie wird es angenommen?

In Lingen startete das Carsharing am 18. August 2016 mit sieben Fahrten. Ein vorläufiger Höhepunkt konnte im zweiten Quartal 2017 mit 76 Fahrten festgestellt werden. Im ersten Quartal 2018 sind insgesamt 73 Fahrten registriert worden, heißt es dazu vom Landkreis. Das erkläre sich aus den zentralen Standorten der zwei Autos in Lingen (Campus und Außenstelle der Kreisverwaltung) sowie aus dem Umstand, dass das Fahrzeug von Mitarbeitern der Kreisverwaltung Lingen als Dienstwagen mitgenutzt werde.

Alternative zum Nahverkehr

Statistiken über die Kunden werden laut Landkreis nicht geführt. Nach Einschätzung des Kooperationspartners Stadtteilauto Osnabrück, die auf Erfahrungswerten beruht, wird Car-Sharing von allen Altersgruppen genutzt. Einer von ihnen ist Peter Körner aus Lingen. Der 66-Jährige nutzt das Carsharing im Emsland seit Anbeginn. „Das kam gerade rechtzeitig“, erklärte Körner in einem Gespräch mit der Redaktion. Er war aus dem Süden Deutschlands nach Lingen gezogen und hatte aktuell kein Auto. Im Süden war er einen besser ausgebauten Nahverkehr gewohnt, sodass ihm in Lingen das Car-Sharing eine gute Alternative bot.

Vier Mal im Monat

Je nach Bedarf ist er circa vier Mal im Monat mit einem Pkw vorrangig im Stadtgebiet unterwegs. Aber auch emslandweite Fahrten oder in die Niederlande unternimmt Körner mit dem Wagen des Car-Sharing-Programms. Bei längeren Fahrten macht er das insbesondere von den Kosten und der Verfügbarkeit im Vergleich zu Mietwagen bei einer Autovermietung abhängig.

Vorteile dank Anhängerkupplung

Es sind die guten Transportmöglichkeiten durch die Anhängerkupplung an den Car-Sharing-Fahrzeugen, die Körner besonders schätzt. Die Kosteneinsparung gegenüber einem eignen Fahrzeug sei groß, sagt Körner, der auch heute über kein eigenes Auto verfügt. „Ich wohne in der Innenstadt. Da kann ich vieles zu Fuß und per Rad erledigen. Und wenn ich dann einkaufe, nehme ich einen Car-Sharing-Wagen. Nichts leichter als das“, sagt er. „Man muss halt vorher ein bisschen besser planen“. Im Schnitt komme er auf 50 bis 75 Euro, die er pro Monat für das Autofahren ausgeben muss.

„Es geht auch ohne eigenes Auto“

Leider halte sich im Emsland, bedingt durch die ländliche Struktur, hartnäckig die Auffassung, dass ein eigenes Fahrzeug notwendig ist. „Das Carsharing sollte mehr genutzt werden. Insbesondere in Lingen geht es auch ohne eigenes Auto“, ist Körner überzeugt. Für sein Empfinden kennen die Bürger in Lingen das Angebot des Char-Sharings und die guten Nutzungsmöglichkeiten zu wenig – etwas mehr Werbung in der Presse könne darum nicht schaden, schmunzelt er.

Mobilitätsmix

„Das Car-Sharing-Angebot stellt eine gute Ergänzung zum Stadtbus LiLi und den Angeboten der Westfalen- und Deutschen Bahn dar“, erklärte Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone anlässlich des zweijährigen Bestehens. „Die ersten zwei Jahre zeigen: Dieser Mobilitätsmix ist auch für unsere Stadt eine absolute Bereicherung, die von immer mehr Lingenern genutzt wird. ,Nutzen statt besitzen‘ lautet das Motto und das zahlt sich sowohl für den Einzelnen als auch für die Umwelt aus.“

Weniger Nutzer im Norden

Im Vergleich zu den Nutzungszahlen in Meppen und Papenburg zeigt sich nach Landkreisangaben, dass Lingen der Standort mit der stärksten Nachfrage ist. Zum Start des Projekts in Papenburg am 25. August 2016 konnten zwei Fahrten im ersten Quartal gezählt werden. Aktuell liegt die Zahl der Fahrten bei 26. In Meppen sind vom Startzeitpunkt am 4. August 2016 bis zum Ende des ersten Quartals im September 2016 insgesamt 34 Fahrten registriert worden. Einen Höhepunkt erreichte das Projekt im vierten Quartal 2017 mit 59 Fahrten. Aktuell wurden für das erste Quartal 2018 insgesamt 49 Fahrten gezählt. Auch in Papenburg und Meppen werden die Fahrzeuge in den Fuhrpark der Kreisverwaltung einbezogen.

Fortsetzung wahrscheinlich

Mit Ablauf des Probezeitraums Ende 2018 will der Landkreis prüfen, ob eine Fortsetzung oder Ausweitung des Projekts erfolgen kann. Aktuell erscheine dies wahrscheinlich. Dass insgesamt Dynamik im Sharing-Bereich sei, werde deutlich durch neue private Anbieter wie „share2move“, die in Meppen und Lingen E-Roller anbieten. Dies werde vom Landkreis, der auch das Projekt finanziell unterstützt hat, sehr begrüßt. Mit dem Car-Sharing möchte der Landkreis Emsland Carsharing das Mobilitätsangebot erweitern und sieht darin eine Ergänzung des öffentlichen Personennahverkehrs sowie eine sinnvolle Alternative zum Zweitwagen.

Weitere Informationen: www.emsland-carsharing.info, Tel. 05931/933-633 (Mobilitätszentrale Emsland) oder Tel. 0541/6854 458 (Stadtteilauto-Kundenbüro).


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