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05.08.2018, 18:30 Uhr OPFER VON EINBRÜCHEN

Belastendes von der Seele reden

Kommentar von Thomas Pertz

Bieten Opfern von Einbrüchen Hilfen an: (von links): Nils Freckmann (SKM), Hiltrud Frese (Polizei), Robert Welling (JVA) und Erich Bethke (Weißer Ring). Foto: Thomas PertzBieten Opfern von Einbrüchen Hilfen an: (von links): Nils Freckmann (SKM), Hiltrud Frese (Polizei), Robert Welling (JVA) und Erich Bethke (Weißer Ring). Foto: Thomas Pertz

Lingen. Die zweite Auflage der Veranstaltungsreihe „Zuhause un(d) sicher“ in Lingen bietet einen Raum, sich Belastendes von der Seele zu reden, meint der Kommentator.

Wer Opfer eines Einbruchs wurde, fühlt sich auch so. Bei der Bearbeitung solcher Fälle ist meist von einem „Geschädigten“ die Rede. Der ist kein „Opfer“ im Sinne des „Opferentschädigungsgesetzes“, in dem Wohnungseinbrüche als Tatbestand nicht aufgeführt sind. Also stehen Betroffenen auch keine Leistungen aus diesem Gesetz zu.

Die Opferschutzorganisation Weißer Ring kritisiert dies seit Langem und verweist auf Untersuchungen, wonach Opfer von Einbrüchen oft unter seelischen Belastungen leiden, die behandelt werden müssten.

Die Differenzierung zwischen „Opfer“ und „Geschädigter“ drückt sich auch in einer unterschiedlichen öffentlichen Wahrnehmung aus. Das Opfer einer Gewalttat erhält die ganze Aufmerksamkeit. Diese bekommen Betroffene nach Einbrüchen vielleicht noch anfangs im Bekanntenkreis. Danach müssen sie selbst mit ihren Ängsten klar kommen.

Deshalb ist die zweite Auflage der Veranstaltungsreihe „Zuhause un(d) sicher“ nur zu begrüßen. Sie bietet einen Raum, sich Belastendes von der Seele zu reden, auch gegenüber Menschen, die das Gleiche erlitten haben. Die Besuche von Polizei, Gericht und JVA und das Gespräch mit einem Täter können ebenfalls bei der Verarbeitung helfen.

Der Reihe ist deshalb eine größere Resonanz zu wünschen, als es beim ersten Mal der Fall gewesen ist. Der erste Schritt mag Überwindung kosten. Ein weiteres stummes Aushalten ist aber die schlechtere Alternative.


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